Historical Exclusiv Band 44
der Ehe würde die Zustimmung bedeuten.
„Würdet Ihr dann meine besuchen?“
Er sah sie an und begriff, dass er den Faden verloren hatte. „Was?“
„Würdet Ihr mitkommen, um meine Familie, meine Mutter und meine Schwester kennenzulernen?“
Er unterdrückte die Neugier auf die Lady der Sonne und die namenlose Schwester. Er wollte nicht in ihre Welt gezogen werden und sie auch nicht in seine eindringen lassen. Das würde eine Trennung nur schwerer machen.
„Die Weihnachtstage sind vorüber. Ich muss zurück an die Arbeit.“
Sie legte ihr Hühnchen hin, ohne davon gekostet zu haben.
Hätte er eine Neigung zum Schmeicheln, würde er sagen, dass ein Besuch zu einer anderen Zeit günstiger wäre oder dass das Wetter eine Reise beschwerlich machen würde.
Aber das wäre gelogen.
Um sie herum trugen Küchenjungen Geschirr herein, das kühl war von dem Weg durch die steinernen Gänge. Er schob eine gebrannte Mandel auf ihre Seite der Schüssel, ein bescheidener Versuch, sich für seine Grobheit zu entschuldigen.
Lächelnd nahm sie sie auf. „Lord Justin, welche Wäscherin war es? Welche wusste Bescheid über meine Geburt?“
„Wollt Ihr sie bestrafen, weil sie Eure Geheimnisse verraten hat?“
Sie hob ihr Kinn, und er sah den Stolz, mit dem sie seiner Herablassung begegnete. „Ich hoffte, die Frau würde sich auch an die Geburt meiner Schwester erinnern. Für mich war es nicht so wichtig, meinen Geburtstag zu kennen, aber meine Schwester ist noch jung. Ihr ist es wichtig.“
Erneut erwachte sein Zorn auf die Dirne des Königs. „Eure Mutter weiß es nicht?“
„Eine Frau, die in den Wehen liegt, kümmert sich kaum um Tage und Stunden. Sie erinnert sich daran, dass es kalt war und dass die Königin schon tot war.“
„Meine Mutter konnte mir sagen, wie viele Hähne am Morgen meiner Geburt gekräht haben.“ Er hatte das immer für selbstverständlich gehalten. „Jedes Jahr stellte sie mir ein Tablett mit Süßigkeiten hin, um den Tag zu feiern.“
„Und welcher Tag war es?“
Er schob die Vorstellung beiseite, wie Solay ihm an seinem Geburtstag Süßigkeiten brachte. „Das müsst Ihr nicht wissen.“
Sie unternahm keinen weiteren Versuch, mit ihm zu plaudern, und kaute stumm an ihrem gewürzten Hühnchen.
Für diese harten Worte würde Mutter mich schelten, dachte er. Was immer Solay auch war, sie hatte nichts getan, um seine hartherzigen Antworten zu verdienen.
Er räusperte sich. „Eure Schwester. Ihr Name ist auch Joan?“
„Nein“, erwiderte sie leise. „Meine Schwester heißt Jane.“
„Aber …“ Gloucester hatte gesagt, dass beide Joan hießen. War etwa auch den anderen vermeintlichen Tatsachen über Lady Alys nicht zu trauen? „Es ist die dicke Wäscherin. Die, bei der ein Vorderzahn fehlt.“
Das Lächeln, das er jetzt sah, war das erste Zeichen ehrlicher Freude, das er je an ihr bemerkt hatte. Und seine Wirkung war verführerischer als ihr Kuss.
Schlimm genug, dass sein Körper auf ihren reagierte. Er würde nicht zulassen, dass sich zärtliche Gefühle entwickelten. Nur noch ein paar Wochen bis Ostern, dann würde er sie los sein.
8. KAPITEL
N achdem die letzten Weihnachtsgäste Windsor verlassen hatten, drang die Kälte durch die steinernen Mauern und in jeden Winkel.
In ganz England gibt es nicht genug Bäume, um das Schloss warm zu halten, dachte Solay, während sie und Agnes sich in ihrer Kammer dicht an den Kamin kauerten, ein paar Holzstücke verbrannten und über die jüngsten Ereignisse sprachen.
„Ich beneide Euch“, sagte Agnes. „Verlobt mit dem Segen des Königs.“
Sie hatte Agnes nichts von den Gründen erzählt, die der König dafür hatte. „Zumindest habt Ihr einen Liebhaber, der nicht das Zimmer verlässt, wenn Ihr eintretet.“ Sie spürte Neid. Wie mochte es sein, wenn man so geliebt wurde?
Agnes schüttelte den Kopf. „Er gehört mir nicht. Ich habe ihn nur geborgt.“
„Aber Ihr bringt ihn zum Lächeln und zum Lachen. Er kann es nicht abwarten, mit Euch zusammen zu sein.“ Hibernias Gemahlin hatte den Hof gleich nach den Festtagen fluchtartig verlassen, und Agnes konnte wieder lächeln. „Alles was ich tue oder sage macht Justin wütend.“
„Also beneidet Ihr mich auch?“ Agnes nahm ihre Hand und drückte sie. „Wir sind schon zwei, nicht wahr? Was sollen wir bloß tun?“
Agnes’ Mitgefühl rührte sie. Außerhalb der Familie hatte sie noch nie eine Freundin gehabt. Niemand hatte sich je dafür interessiert, was sie dachte
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