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Im Dreieck des Drachen

Im Dreieck des Drachen

Titel: Im Dreieck des Drachen Kostenlos Bücher Online Lesen
Autoren: James Rollins
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verfinsterte sich das Gesicht des Mannes. »Die Ältesten sagen, wir müssen. Um uns zu bestrafen. Wir haben vor unserem großen Vorfahren versagt.«
    »Wobei versagt?« Jack zeigte mit einem Daumen in Karens Richtung. »Dabei versagt, sie und ihre Freundin vergangene Woche umzubringen?«
    »Jack …«, mahnte ihn Karen zur Vorsicht.
    Mwahu lehnte sich auf das Ruder und schaute weg. »Wir wollen niemandem wehtun. Nur schützen. Ist unsere Pflicht.«
    »Das verstehe ich nicht«, sagte Karen leise. »Wen beschützen?«
    Der Mann verharrte in Schweigen.
    »Wen?«, wiederholte Jack.
    Er hob den Blick zur Plane. »Die Welt beschützen. Die ältesten Lehren sagen, dass niemand die steinerne Stadt stören darf, oder ein Fluch wird auf uns kommen und uns alle vernichten.« Er warf einen Blick zurück auf die Feuer am Horizont. »Der Fluch kommt bereits.«
    Jack beugte sich zu Karen hinüber. »Kannst du mit diesem Kauderwelsch was anfangen?«
    Sie schüttelte den Kopf, hielt die Augen jedoch auf den Anführer gerichtet. »Mwahu, erzähl mir mehr von diesen Lehren. Von wem stammen sie?«
    »Die Worte unseres großen Vorfahren, Horon-ko, wurden vor langer Zeit niedergeschrieben. Nur die Ältesten lesen sie.«
    »Die Ältesten von welcher Insel? Wo ist deine Heimat?«
    »Keine Insel ist meine Heimat.« Er ließ den Arm über das offene Meer gleiten. »Hier ist unsere Heimat.«
    »Der Ozean?«
    Stirnrunzelnd kehrte er Karen den Rücken zu. »Nein.«
    »Mwahu …«
    »Ich spreche nicht mehr davon. Die Ältesten sagten mir, ich soll euch helfen. Ich helfe euch.«
    »Warum haben sie das gesagt?«, unterbrach Jack.
    Der Insulaner ließ die Finger über die Schlangentätowierung laufen. »Ältester Rau-ren sagt, man kann das Gift nicht in die Fänge der Schlange zurückgeben, sobald sie zugebissen hat.« Er senkte den Arm als Zeichen dafür, dass die Debatte beendet war. »Die Schlange töten, nicht gut. Nur Hilfe kann euch retten.«
    »Mit anderen Worten«, flüsterte Karen Jack zu, »die Katze ist aus dem Sack. Der Fehler kann nicht wiedergutgemacht werden.«
    »Welcher Fehler?«, fragte er.
    »Es hat was damit zu tun, dass wir den Kristall aus der Pyramide geholt haben.«
    Er runzelte die Stirn. »Alles läuft letztlich immer wieder auf den Kristall hinaus.«
    »Wenn seine Ältesten einen uralten Text besitzen, der vor diesen Ruinen warnt, dann muss dieser aus der gleichen Zeit stammen wie sie.« Aufgeregt stand Karen auf. »Mwahu, kannst du was von den alten Schriften lesen?«
    Er warf ihr einen Blick zu. »Etwas. Mein Vater war ein Ältester. Er lehrt mich vor seinem Tod.«
    Karen wühlte in ihrem Rucksack nach Papier und Stift. Sie rückte näher an Mwahu heran, legte das Blatt aufs Deck und kritzelte grob einige wenige Symbole. Er beugte sich herüber, eine Hand nach wie vor auf dem langen hölzernen Ruder.
    »Kannst du was davon lesen?«, fragte sie.
    Während er auf die Zeichen starrte, atmete er heftiger, und seine Augen weiteten sich. Dann riss er das Blatt abrupt vom Deck herunter, zerknüllte es und warf es ins Meer. »Es ist verboten!«, sagte er durch die zusammengebissenen Zähne.
    Karen wich angesichts seiner Heftigkeit zurück und setzte sich. »Es muss dieselbe Sprache sein«, sagte sie zu Jack. »Aber es ist offenbar tabu, sie zu Papier zu bringen.«
    »Möglicherweise der Versuch, das Geheimnis um die Sprache zu wahren.«
    Einen Moment lang wirkte sie nachdenklich. »Vielleicht hast du recht, aber ich habe nie von einer solchen Sekte auf den Inseln gehört. Warum die Geheimniskrämerei? Wovor wurden seine Vorfahren gewarnt?«
    Er schüttelte den Kopf. »Wer weiß?«
    »Vielleicht liegt in den Inschriften eine Antwort. Wenn wir Mwahu dazu bringen können, uns zu helfen, könnte das unsere Arbeit beschleunigen.«
    »Das heißt, wenn du den Worten dieses Mannes trauen darfst.«
    Karen seufzte. »Er macht den Eindruck, als würde er es ernst meinen. Und er glaubt eindeutig an das, was er sagt.«
    »Bloß weil er daran glaubt, muss es noch lange nicht wahr sein.«
    »Vermutlich. Dennoch können wir von hier aus anfangen.« Sie lehnte sich zurück und sah mit glasigen Augen über das Meer hinaus.
    Seufzend lehnte er sich ebenfalls zurück, schenkte der Aussicht jedoch keinerlei Beachtung, sondern behielt stattdessen die drei Männer an Bord gut im Auge. Sie mochten ja behaupten, ihnen helfen zu wollen, doch wenn er an die Begegnung zwischen Karen, Miyuki und ihnen dachte, wusste er, dass sie gefährlich sein

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