Julia Saison Band 11
Moment die geeignete Umgebung ist?“
Hätte er nicht die Frage gestellt, die ihr selbst Sorgen machte, hätte sie protestiert. Trotzdem brachte sie es nicht über sich, Nein zu sagen. So zuckte sie nur die Schultern.
„Ihr beide sollt ja nicht dauerhaft zusammenwohnen“, fing Ryan an.
„Gott sei Dank“, meldete sich Cole zu Wort.
„Versucht es doch einfach ein paar Monate.“ Der Anwalt sah zu Cole. „Bis dahin seid ihr entweder beide in der Lage, euch allein um Charlie zu kümmern, oder …“
Ryan unterbrach sich, um einen Schluck Kaffee zu trinken.
„Oder?“, hakte Margaret nach.
„Oder ihr habt euch gegenseitig umgebracht.“
Das Bistro auf der Scott Lane war gut besetzt mit Theaterbesuchern, die nach der Vorstellung heiße Schokolade und Espresso genossen, untermalt von Live-Jazz.
„Bist du wirklich sicher, dass du das machen willst?“ Travis’ Augen wirkten dunkel vor Sorge.
Als ihr Bruder sie gefragt hatte, ob sie mit ihm auf ein Dessert und einen Kaffee in die Stadt fahren wolle, war Margaret sofort einverstanden gewesen. Seit sie letzte Woche in Jackson Hole angekommen war, hatten sie und Travis kaum Gelegenheit gehabt, allein miteinander zu sprechen. Seine Frau musste das gespürt haben, denn sie hatte ihren Mann ermutigt, mit seiner Schwester auszugehen.
Sie hatte sich auf die Zeit mit ihrem Bruder allein gefreut und nicht damit gerechnet, dass er über ihren Einzug bei Cole sprechen wollte.
„Mary Karen und ich hätten dich und Charlie wirklich gern bei uns.“ Travis’ haselnussbraune Augen – die ihren so ähnlich waren – wirkten ernst. „Wir wollen nicht, dass du bei Cole wohnst, weil du das Gefühl hast, keine andere Möglichkeit zu haben. Denn die hast du.“
Margaret musterte ihren Bruder. Erst als sie nach Jackson Hole zurückgekehrt war, hatte sie bemerkt, wie sehr sie ihn vermisst hatte. Er war nur ein Jahr älter als sie, und nach dem Tod ihrer Eltern hatten sie beide – als Team – die Familie zusammengehalten.
Als sie nicht antwortete, schob er seinen Schokoladenpudding beiseite und nahm ihre Hand. „Ich weiß nicht, was damals zwischen dir und Cole passiert ist, aber ich weiß, dass er dich verletzt hat.“
„Das ist schon ewig her.“ Margaret biss vorsichtig von ihrem Macaron ab. Sie konzentrierte sich lieber auf diese Köstlichkeit als auf die Vergangenheit.
Travis war deutlich anzusehen, dass er sie beschützen wollte. „Dann hast du alles mit ihm geklärt?“
Margaret wollte ihren Bruder nicht anlügen, aber sie wusste, was passieren würde, wenn sie Nein sagte. Dann würde er darauf bestehen, dass sie bei ihm blieb.
Sie liebte Travis und seine Frau, aber nachdem sie die letzten Tage bei ihnen verbracht hatte, wusste sie, dass Ryan recht hatte. Mit sechsjährigen Zwillingsjungen, einem Vierjährigen und einjährigen Zwillingen war der Haushalt ihres Bruders sehr lebhaft. Für eine Frau, die es gewohnt war, allein zu wohnen, war es chaotisch. Was bedeutete, dass es wahrscheinlich auch für ein Einzelkind, das mit dem Tod seiner Eltern fertig werden musste, zu verrückt war.
„Das war in der Highschool, Trav.“ Margaret lachte gezwungen und winkte ab.
Travis musterte sie eingehend. „Wenn du dir sicher bist …“
„Hast du je erlebt, dass ich nachtragend bin?“ Sie zwang sich zu einem lockeren Tonfall, um die Zweifel ihres Bruders zu zerstreuen.
Die Worte blieben ihr beinahe im Hals stecken, aber es war die Anstrengung wert, als sie sah, wie sich seine Anspannung legte.
„Wenn er noch so ist wie früher, dann ist Cole ein guter Mann.“ Travis widmete sich wieder seinem Schokoladenpudding. „Ich helfe dir morgen beim Umziehen. Morgens habe ich zwar eine Operation, aber meine Nachmittagstermine kann ich umlegen.“
„Danke für das Angebot, aber ich habe nur ein paar Koffer.“
Travis aß noch etwas Pudding, bevor er den Löffel weglegte. „Was ist mit dem Rest deiner Sachen in Omaha?“
„Freunde von mir packen alles ein und schicken es mir nach.“ Margaret unterdrückte ein Seufzen. Auch wenn es schön war, wieder zu Hause zu sein, würde sie doch einiges an ihrem Leben in Omaha vermissen.
„Es wird eine Zeit lang schwierig sein für dich, weil dir ein Gehaltscheck fehlt …“
„Aber ich muss auch nichts für Miete oder Lebensmittel zahlen“, erinnerte sie ihn. Sie wollte kein Mitleid.
„Aber du brauchst trotzdem etwas Geld.“ Travis griff in seine Jackentasche und zog einen Umschlag heraus. „Mary Karen und ich
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