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Leopard

Leopard

Titel: Leopard Kostenlos Bücher Online Lesen
Autoren: Jo Nesbø
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Zeigefinger über die Unterlippe, als würde er eine Salbe verstreichen. »Nun, Hole. Sie sind sich doch wohl im Klaren darüber, dass Sie gerade dafür gesorgt haben, dass Sie selbst und Ihr Chef, Gunnar Hagen, nicht nur Ihren Job verlieren, sondern überdies auch noch wegen eines Dienstvergehens angeklagt werden?«
    »Hm. Weil wir die Arbeit gemacht haben, für die man uns angestellt hat?«
    »Ich glaube, das Büro des Justizministers wird eine ausführliche Erklärung fordern, warum Sie ausgerechnet bei der Seilerei, aus der das Seil stammt, mit dem Marit Olsen getötet worden ist, mit der Suche nach einer vermissten Person begonnen haben. Ich habe Ihnen eine Chance gegeben, eine weitere bekommen Sie nicht.
Game over,
Hole.«
    »Dann werden wir dem Justizminister eine ausführliche Erklärung geben, Bellman, und dabei natürlich erwähnen, dass wir es waren, die herausgefunden haben, woher das Seil stammt, dass wir auf die Spuren von Elias Skog und der Hävasshütte gekommen sind und dass es ein viertes Opfer gab, nämlich Adele Vetlesen, die wir heute hier gefunden haben. Ein Ermittlungserfolg, wie ihn das Kriminalamt mit all seinen Leuten und Ressourcen seit zwei Monaten nicht vorweisen kann. Oder was meinen Sie, Bellman?« Bellman antwortete nicht.
    »Angst, dass das die Einschätzung des Ministers beeinflussen könnte, wer hierzulande besser dazu befähigt ist, bei Mordfällen zu ermitteln?«
    »Übertreiben Sie es nicht. Hole. So gut sind Ihre Karten auch wieder nicht. Ich werde Sie wie eine Fliege zerquetschen.« Er schnippte mit den Fingern.
    »Okay«, sagte Harry. »Keiner von uns hält wirklich ein Siegerblatt in den Händen, was halten Sie also von einem Deal?«
    »Was zum Teufel meinen Sie damit?«
    »Sie kriegen alles, was wir wissen. Wir sammeln keine Lorbeeren.«
    Bellman sah Harry misstrauisch an. »Und warum sollten Sie uns helfen?«
    »Ganz einfach«, sagte Harry und fischte die letzte Zigarette aus seinem Päckchen. »Ich werde dafür bezahlt, meinen Beitrag dazu zu leisten, dass ein Mörder geschnappt wird. Das ist mein Job.«
    Bellman schnitt eine Grimasse und bewegte Kopf und Schultern, als würde er lachen, über seine Lippen kam aber kein Laut. »Kommen Sie schon, Hole, was wollen Sie?«
    Harry zündete sich die Zigarette an. »Ich will, dass weder Gunnar Hagen noch Kaja Solness oder Björn Holm in irgendeiner Weise zur Verantwortung gezogen werden. Ihre Zukunftsaussichten bei der Polizei bleiben unverändert.«
    Bellman knetete seine volle Unterlippe zwischen Daumen und Zeigefinger. »Ich werde sehen, was ich tun kann.«
    »Und ich will dabei sein. Ich will Zugang zum gesamten Material, das Sie haben, und auch zu den entsprechenden Ressourcen.«
    »Stopp!«, sagte Bellman und hob die Hand. »Hören Sie schlecht, Hole? Ich habe Ihnen gesagt, Sie sollen sich von diesem Fall fernhalten!«
    »Wir können diesen Mörder gemeinsam fangen, Bellman. Im Augenblick ist das wohl wichtiger als die Frage, wer hinterher das Sagen hat!«
    »Also … !«, rief Bellman, verstummte aber, als sich ihnen einige Gesichter zuwandten. Er machte einen Schritt auf Harry zu und senkte die Stimme: »Reden Sie nicht mit mir, als wäre ich ein Idiot, Hole.«
    Die Windrichtung trieb den Rauch von Harrys Zigarette in Bellmans Gesicht, aber er blinzelte nicht. Harry zuckte mit den Schultern. »Wissen Sie was, Bellman? Ich glaube, hier geht es weniger um Macht und Politik als darum, dass Sie ein kleiner Junge sind, der unbedingt die Welt retten will. So einfach ist das. Und jetzt haben Sie Angst, dass ich Ihr Helferepos durchkreuzen könnte. Aber es gibt eine ganz einfache Methode, das hier jetzt und gleich zu entscheiden. Wie wär's, wollen wir die Hosen runterlassen und sehen, wer von uns es schafft, bis zum Boot der Taucher zu pinkeln?«
    Als Mikael Bellman dieses Mal lachte, war es echt, mit allem, was dazugehört.
    »Sie sollten die Warnungen ernst nehmen, Harry.«
    Seine rechte Hand schoss so schnell nach vorn, dass Harry nicht mehr reagieren konnte, schnappte die Zigarette zwischen seinen Lippen weg und schnippte sie ins Wasser, wo sie mit einem leisen Zischen verlosch.
    »Das könnte Sie das Leben kosten. Einen schönen Tag noch.«
    Harry hörte den Helikopter abheben, während er auf seine letzte Zigarette starrte, die im Wasser dümpelte. Das graue, nasse Zigarettenpapier, das schwarze, tote Ende.
    Es dämmerte, als das Boot des Tauchvereins Harry, Kaja und Beate Lonn am Parkplatz absetzte. Sogleich regte sich

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