Leopard
es.«
Ihre Blicke wanderten zu dem Mann, der gerade mit einer Hand die Kaffeekanne aus der Maschine zog und mit der anderen seinen Becher unter den jauchebraunen Strahl hielt, der aus dem Filter rann.
»Stimmt das?«, fragte Hagen.
»Ja, klar«, sagte Harry.
»Wo?«
»Du wirst Ärger kriegen«, sagte Harry.
»Halt die Klappe und rück damit raus«, sagte Hagen, ohne die Widersprüchlichkeit seiner Aufforderung zu bemerken. Seine Gedanken beschäftigten sich viel zu sehr mit der Frage, warum er schon wieder im Begriff war, es zu tun. Was hatte dieser lange, blonde Polizist bloß, dass er es immer wieder schaffte, alle möglichen Leute mit in den Abgrund zu reißen, wenn er fiel?
Olav Hole sah Harry an und musterte die Frau, die mit ihm gekommen war.
Sie hatte einen Knicks gemacht, als sie ihm die Hand gegeben hatte, und Harry hatte bemerkt, dass seinem Vater das gefallen hatte. Er hatte sich schon öfter darüber beklagt, dass Frauen heutzutage keine Knickse mehr machten.
»Sie sind also Harrys neue Kollegin«, sagte er. »Benimmt er sich denn auch ordentlich?«
»Wir organisieren gerade eine Suchaktion«, sagte Harry. »Und dachten uns, dass wir auf dem Weg mal einen kurzen Abstecher zu dir machen könnten, um zu sehen, wie's dir geht.«
Sein Vater lächelte matt, zog die Schultern hoch und winkte Harry näher zu sich. Harry beugte sich vor, lauschte und zuckte zurück.
»Das wird schon«, sagte Harry mit heiserer Stimme und stand auf. »Ich komme heute Abend noch mal vorbei, okay?«
Draußen auf dem Flur bat Harry Altman um ein kurzes Gespräch, er gab Kaja ein Zeichen, schon mal vorzugehen.
»Hören Sie, darf ich Sie um einen großen Gefallen bitten?«, sagte er, als Kaja außer Hörweite war. »Mein Vater hat mir eben gesagt, dass er Schmerzen hat. Er würde das Ihnen gegenüber niemals zugeben, weil er befürchtet, dass Sie ihm dann noch mehr schmerzstillende Mittel geben. Wissen Sie, er hat panische Angst davor, abhängig zu werden … von Rauschmitteln. Das liegt in der Familie …«
»Verstehe«, lispelte der Pfleger. »Das Problem ist, dass ich ständig zwischen den Abteilungen wechsele.«
»Sehen Sie es als persönlichen Gefallen, um den ich Sie bitte.«
Altman kniff die Augen hinter den Brillengläsern zusammen und starrte nachdenklich auf einen Punkt zwischen ihm und Harry. »Ich werde sehen, was ich machen kann.«
»Danke.«
Während Kaja fuhr, telefonierte Harry mit dem Einsatzleiter der Feuerwehrzentrale in Briskeby.
»Dein Vater scheint ein guter Mensch zu sein«, sagte Kaja, als Harry aufgelegt hatte. Harry dachte nach. »Mama hat ihn gut gemacht«, sagte er. »Solange sie lebte, war er ein guter Mensch. Sie hat das Beste aus ihm herausgeholt.«
»Hört sich an, als hättest du das selber erlebt«, sagte sie. »Was?«
»Dass jemand dich gut gemacht hat.« Harry schaute aus dem Fenster. Nickte. »Rakel?«
»Rakel und Oleg«, sagte Harry.
»Tut mir leid, ich wollte nicht …«
»Ist schon in Ordnung.«
»Als ich ins Dezernat für Gewaltverbrechen gekommen bin, haben alle vom Schneemann gesprochen. Dass er sie fast umgebracht hätte. Und dich. Aber eure Beziehung war schon zu Ende, bevor das alles losging, oder?«
»Irgendwie schon«, sagte Harry.
»Hast du was von ihnen gehört?«
Harry schüttelte den Kopf. »Wir müssen versuchen, das hinter uns zu lassen. Oleg helfen zu vergessen. Wenn Kinder noch so jung sind, können sie das schaffen.«
»Nicht immer«, sagte Kaja mit einem schiefen Lächeln. Harry sah sie von der Seite an. »Und wer hat dich gut gemacht?«
»Even«, sagte sie, ohne eine Sekunde zu zögern. »Keine große Liebe?«
Sie schüttelte den Kopf. »Kein XL. Nur ein S. Und ein M.«
»Jemanden im Visier?«
Sie lachte leise.
»Im Visier?«
Harry lächelte. »Mein Vokabular auf diesem Gebiet ist etwas altmodisch.« Sie sprang darauf an. »Ich bin wohl ein bisschen für einen Typen entflammt.«
»Und wie sind die Aussichten?«
»Schlecht.«
»Lass mich raten«, sagte Harry, kurbelte die Seitenscheibe ein wenig nach unten und zündete sich eine Zigarette an. »Er ist verheiratet und hat gesagt, dass er deinetwegen Frau und Kinder verlassen will, was er aber nicht tut?«
Sie lachte. »Lass mich raten. Du bist auch einer von denen, die glauben, sie durchschauen andere Menschen, weil sie sich nur an die Gelegenheiten erinnern, bei denen sie mit ihren Vermutungen ins Schwarze getroffen haben.«
»Er hat gesagt, dass du ihm nur etwas mehr Zeit lassen
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