Namibia
lag hauptsächlich in der nördlichen Kalahari. Etwa 50 000 Einwohner lebten hier. Das Hauptproblem dieses Gebiets ist der Mangel an Oberflächenwasser. Viele Herero lebten aber auch außerhalb dieser ländlichen Gebiete, vor allem in den städtischen Zentren wie Windhoek, Karibib, Okahandja, Omaruru oder Gobabis – daran hat sich bis heute wenig geändert.
Etwa 5000 der Herero-Nachkommen, die zur Zeit der Aufstände nach Botswana geflohen waren (auch Baherero genannt), kehrten gegen Mitte der 90er-Jahre mit etwa 50 000 Stück Vieh nach Namibia zurück. Diese Rücksiedlungsmaßnahme wurde von der namibischen Regierung initiiert und 1993 begonnen. Da MKS in Botswana zu der Zeit ein akutes Problem war, schleppten die Baherero mit all ihren Rindern diese Tierkrankheit nach Namibia. Es kam zu einem kurzzeitigen MKS-Ausbruch.
Bemerkenswert und typisch für Herero- Gemeinschaften ist die so genannte doppelte Abstammungsrechnung, die sich für Außenstehende ziemlich verwirrend und undurchschaubar darstellt. Die materiellen, „beweglichen“ Besitztümer (in der Hirtengemeinschaft der Herero vor allem Rinder) werden ausschließlich über die mütterliche Linie vererbt. Die Ausübung der Religion und auch die Machtfrage innerhalb der Familie richten sich dagegen nach patrilinearen Erbprinzipien.
Die nomadisch lebenden Herero waren traditionell Rinderzüchter . Der Besitz von Rindern war (und ist zum Teil noch heute) ein sehr wichtiges Statussymbol, das stellvertretend für Ansehen und Reichtum stand. Heute nutzen viele Herero ihre Fertigkeiten auf kommerziellen Farmen.
Gegen Ende des 19. Jhs. wurden die Herero in ihrer Kultur und ihren Traditionen sehr stark durch europäische Missionare beeinflusst. Dieser Einfluss ist bis heute auch in der typischen Kleidung der Herero-Frauen zu erkennen. Den ursprünglichen Kleidungsstil der Herero, den dieHimba bis heute weiter führen, sahen die deutschen Missionare (insbesondere deren Frauen) als „Halb-Nacktheit“ an und hielten ihn deshalb für anstößig. Aus diesem Grund führten sie die für Herero-Frauen charakteristischen Kleider im viktorianischen Stil ein: kopftuchartige Hauben und mehrere Schichten von Röcken übereinander. Zu dieser Tracht werden etwa 12 m Stoff benötigt, was die Kleidung recht voluminös erscheinen lässt. Diese Tracht ist zwar vereinzelt auch bei den Nama zu finden, jedoch ziehen diese weniger Röcke übereinander, die Haube ist längst nicht so ausladend. Allerdings tragen die jungen Herero-Frauen heute zunehmend moderne westliche Kleidung.
Wiedergutmachung
Bis heute fühlen sich die Herero in mehrfacher Hinsicht benachteiligt: Im Zusammenhang mit den Herero-Aufständen und der Vernichtung ihres Volkes zu Beginn des 20. Jhs. fordern sie von der deutschen Regierung Entschädigungen. Deutschland wird für seine „unnachgiebige Versklavung und für völkermordartige Vernichtung des Herero-Stammes“ angeklagt. Die Bundesregierung lehnte die Forderungen bislang ab und verwies auf die hohen Summen, die bereits an Namibia gezahlt worden seien. Der damalige Deutsche Botschafter Wolfgang Massing nannte bei der Grundsteinlegung für das Kultur- und Tourismuszentrum in Okakarara (Distrikthauptstadt der Region, in der die meisten Herero leben) im März 2004, die Summe von 500 Mill. €, die seit der Unabhängigkeit allen Menschen des Landes zugute gekommen seien. Doch die Herero möchten Reparationszahlungen, die sich ganz explizit und ausschließlich an ihr Volk richten.
Im für Herero und Deutsche historisch besonderen Jahr 2004 gab es neuerliche Verhandlungen. Diese mündeten in ein Aufsehen erregendes Schuldbekenntnis der damaligen deutschen Entwicklungsministerin Heidemarie Wieczorek-Zeul während der Gedenkfeier zum 100. Jahrestag der Herero-Aufstände. Verbunden damit wurde die Bitte um Vergebung. Reparationszahlungen explizit an die Herero jedoch werden weiterhin abgelehnt.
Von der namibischen Regierung fühlen sich die Herero benachteiligt, da sie die als Entwicklungshilfe bereitgestellten Gelder nicht ihnen, sondern nahezu ausschließlich den ovambosprachigen Völkern zukommen lasse. Die Regierung kümmere sich nicht um die Belange der Herero und habe bislang nichts unternommen, um die Armut und die Landlosigkeit unter den Herero zu verbessern, so der Vorwurf.
Die vor wenigen Jahren vom damaligen obersten Herero-Führer Kuaima Riruako ins Leben gerufene Hosea-Kutako-Stiftung wurde eigens zum Zwecke der Durchsetzung der Interessen der Herero
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