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Pendergast 10 - Fever - Schatten der Vergangenheit

Titel: Pendergast 10 - Fever - Schatten der Vergangenheit Kostenlos Bücher Online Lesen
Autoren: Lincoln Douglas & Child Preston , Lincoln Child
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Frustration und Enttäuschung freien Lauf zu lassen.
    »Verdammt!«, brüllte Judson Esterhazy und schlug mehrmals mit der Faust aufs Armaturenbrett. »Zum Teufel noch mal! Was für eine gottverdammte Scheiße!«

42
    New York City
    Dr. John Felder ging, einen begleitenden Wachmann neben sich, den langen, kühlen Flur der geschlossenen Abteilung des Bellevue hinunter. Felder, klein, schlank und elegant, war sich durchaus bewusst, wie sehr er sich mit seiner äußeren Erscheinung von der allgemeinen Verwahrlosung und dem kontrollierten Chaos der Station abhob. Es würde sein zweites Gespräch mit der Patientin sein. Im ersten Gespräch hatte er die Grundlagen abgeklärt, alle obligatorischen Fragen gestellt, sich die obligatorischen Notizen gemacht. Er hatte genug getan, um seiner Verantwortung als vom Gericht bestallter psychiatrischer Sachverständiger gerecht zu werden und sein Gutachten vorzulegen. Und in der Tat war er zu einem eindeutigen Schluss gelangt: Die Frau war unfähig, zwischen Richtig und Falsch zu unterscheiden und daher für ihre Handlungen nicht verantwortlich.
    Und trotzdem war er zutiefst unzufrieden. Er war schon an vielen ungewöhnlichen Fällen beteiligt gewesen. Er hatte Dinge gesehen, die sehr wenige Ärzte je gesehen hatten; er hatte außerordentliche Erscheinungsformen krimineller Pathologie untersucht. Aber so etwas war ihm noch nie begegnet. Vielleicht zum ersten Mal in seiner Berufslaufbahn hatte er das Gefühl, dem rätselhaften Kern der Psyche eines Patienten nicht nahegekommen zu sein – nicht einmal andeutungsweise.
    Normalerweise würde das wenig Unterschied im bürokratischen Ablauf der Dinge machen. Theoretisch betrachtet war seine Arbeit erledigt. Trotzdem hatte er sein Gutachten noch nicht vorgelegt, mit der Begründung, dass eine weitere Beurteilung notwendig sei. Das verschaffte ihm die Gelegenheit, noch einmal mit der Patientin zu sprechen. Und diesmal, entschied er, würde er ein richtiges Gespräch mit ihr führen. Eine ganz normale Unterhaltung zwischen zwei Menschen – nicht mehr und nicht weniger.
    Er bog um eine Ecke und setzte seinen Weg durch die endlosen Krankenhausflure fort. Der Lärm, die Schreie, die Gerüche und Geräusche der geschlossenen Abteilung drangen kaum in sein Bewusstsein vor, so intensiv dachte er über die Geheimnisse des Falls nach. Da war zunächst einmal die Frage nach der Identität der jungen Frau. Trotz gewissenhafter Suche war das Gericht nicht in der Lage gewesen, eine Geburtsurkunde, eine Sozialversicherungsnummer oder irgendwelche anderen Papiere aufzutreiben, die die Existenz der Frau belegten, abgesehen von ein paar vornehmen und absichtlich vagen Unterlagen des Feversham Instituts in Putnam County. Der britische Pass, der in ihrem Besitz gefunden worden war, war zwar durchaus echt, allerdings hatte sie ihn durch ein außerordentlich geschicktes Betrugsmanöver von einem kleinen britischen Konsulatsangestellten in Boston erhalten. Es war, als wäre sie voll ausgebildet auf der Erde erschienen, wie Athene aus dem Kopf des Zeus.
    Seine Schritte hallten auf den langen Fluren wider, während er versuchte, vorab nicht zu viel über das nachzudenken, was er fragen würde. Einer offiziellen Befragung war es nicht gelungen, die Undurchsichtigkeit der Patientin zu durchdringen, vielleicht versprach ein spontanes Gespräch ja mehr Erfolg.
    Felder bog um eine letzte Ecke und war im Besuchszimmer angekommen. Der diensthabende Wachmann sperrte die graue Metalltür mit Guckloch auf und führte ihn in einen kleinen, kargen, aber nicht gänzlich unerfreulichen Raum, der mehrere Stühle, einen Couchtisch, Zeitschriften, eine Lampe und eine Spionglaswand beherbergte. Die Patientin war bereits anwesend und saß neben einem Polizisten. Beide erhoben sich, als Felder eintrat.
    »Guten Tag, Constance«, sagte er knapp. »Officer, Sie können ihr die Handschellen abnehmen.«
    »Dafür brauche ich die richterliche Anordnung, Doktor.«
    Felder setzte sich, klappte seine Aktenmappe auf, entnahm ihr das Dokument und reichte es dem Polizisten. Der überflog es, brummte seine Zustimmung, erhob sich, nahm der Gefangenen die Handschellen ab und hängte sie an seinen Gürtel.
    »Ich warte draußen. Falls Sie mich brauchen, drücken Sie einfach auf den Knopf.«
    »Danke.«
    Kaum hatte der Polizist den Raum verlassen, wandte Felder seine Aufmerksamkeit der Patientin Constance Greene zu. Sie stand sittsam vor ihm, in einem schlichten Gefängnis-Overall, die Hände vor

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