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Red Rabbit: Roman

Red Rabbit: Roman

Titel: Red Rabbit: Roman Kostenlos Bücher Online Lesen
Autoren: Tom Clancy
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ich.«
     
    Unten in der Fernmeldezentrale betäubte Zaitzew mit der täglichen Routine sein Gewissen. Plötzlich wurde ihm bewusst, wie hirnlos seine Tätigkeit war. Man wollte, dass diese Tätigkeit von Maschinen verrichtet wurde, und solch eine Maschine war er geworden. Er hatte sich alles eingeprägt – welcher Operationsplaner zu welchem Führungsoffizier eine Treppe höher gehörte und worum es bei den Operationen ging. Durch seinen Kopf flossen so viele Informationen, dass es ihn selbst erstaunte. Das Ganze geschah so allmählich,
dass es ihm nie richtig bewusst geworden war. Aber jetzt war es ihm bewusst.
    Und diese 15-8-82-666 wollte ihm einfach nicht aus dem Kopf gehen…
    »Zaitzew?«, ertönte hinter ihm plötzlich eine Stimme. Als er sich umdrehte, stand Oberst Roschdestwenski vor ihm.
    »Ja, Genosse Oberst?«
    »Eine Nachricht für den Agenten in Sofia.« Er reichte ihm das korrekt ausgefüllte Formblatt.
    »Maschine oder Einzelverschlüsselung, Genosse?«
    Der Oberst antwortete nicht sofort, sondern dachte über die zwei Möglichkeiten nach. Er entschied sich für Kontinuität: »Einzelverschlüsselung, glaube ich.«
    »Wie Sie meinen, Genosse Oberst. Geht in ein paar Minuten raus.«
    »Gut. Dann liegt sie schon auf Bubowois Schreibtisch, wenn er nach Sofia zurückkommt.« Er machte die Bemerkung, ohne sich etwas dabei zu denken. Überall auf der Welt redeten die Leute zu viel, davon konnte sie auch eine noch so gründliche Ausbildung nicht abbringen.
    Dann war also der Leiter der Niederlassung in Sofia gerade hier? folgerte Zaitzew. »Jawohl, Genosse Oberst. Soll ich Ihnen die Versendung telefonisch durchgeben?«
    »Ja, Genosse Major. Danke.«
    »Ich diene der Sowjetunion«, versicherte ihm Zaitzew.
    Roschdestwenski kehrte nach oben zurück, während sich Zaitzew an die gewohnt stumpfsinnige Verschlüsselung der Nachricht machte.
    STRENG GEHEIM
    UMGEHEND UND DRINGEND
    VON: BÜRO DES VORSITZENDEN, ZENTRALE MOSKAU
    AN: AGENTUR SOFIA
    BETREFF: OPERATIVER PLANER 15-8-82-666
    BEI ALLEN KÜNFTIGEN OPERATIVEN KOMMUNIKATIONEN WIRD
    IHR OPERATIVER KONTAKT OBERST ROSCHDESTWENSKI SEIN. AUF
    BEFEHL DES VORSITZENDEN.

    Es war eine Routinenachricht, aber mit dem Vermerk »umgehend und dringend«. Das hieß, sie war für den Vorsitzenden Andropow sehr wichtig, was darauf hindeutete, dass es sich um eine Operation handelte und nicht bloß um eine Anfrage an einen Agenten.
    Sie wollen es wirklich tun, erkannte Zaitzew.
    Was konnte er dagegen unternehmen? Niemand in diesem Raum – niemand im ganzen Gebäude – vermochte diese Operation zu verhindern. Aber außerhalb dieses Gebäudes …?
    Zaitzew zündete sich eine Zigarette an. Er würde wie üblich mit der Metro nach Hause fahren. Ob wohl der Amerikaner wieder da war?
    Schaudernd wurde ihm bewusst, dass er mit dem Gedanken an Landesverrat spielte. Wie bedrohlich sich das schon anhörte – und die Realität war noch bedrohlicher. Die Kehrseite der Medaille war allerdings, einfach dazusitzen und diese ganzen Nachrichten zu lesen, während die Ermordung eines unschuldigen Menschen geplant wurde … nein, das war ihm mittlerweile unmöglich.
    Zaitzew riss ein Nachrichtenformular von dem Block auf seinem Schreibtisch, legte das einzelne Blatt Papier auf die Schreibtischplatte und schrieb mit einem weichen Nr.-1-Bleistift auf Englisch: WENN SIE DAS INTERESSANT FINDEN, TRAGEN SIE MORGEN EINE GRÜNE KRAWATTE. Weiter reichte sein Mut an diesem Nachmittag nicht. Als er das Formular faltete und in seine Zigarettenschachtel steckte, achtete er darauf, es mit ganz normalen Bewegungen zu tun, denn in diesem Raum fiel alles auf, was nur im Geringsten außergewöhnlich war. Danach kritzelte er etwas auf ein weiteres Formular, zerknüllte es und warf es in den Abfalleimer, bevor er sich wieder seiner regulären Tätigkeit zuwandte. In den nächsten drei Stunden dachte Oleg Iwan’tsch jedes Mal, wenn er nach einer Zigarette in seine Tasche griff, von neuem über sein Vorhaben nach. Jedes Mal überlegte er, ob er das gefaltete Blatt Papier herausnehmen, in kleine Fetzen reißen und anschließend in den Abfalleimer und dann in den Verbrennungssack wandern lassen sollte. Aber dann ließ er es doch dort und sagte sich, dass er ja noch nichts getan hatte. Schließlich verabredete er mit sich selbst, sein Schicksal in die Hände anderer zu legen. Wenn er nach Hause kam, ohne dass etwas Ungewöhnliches passiert war, würde
er den gefalteten Zettel aus der Zigarettenschachtel nehmen

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