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Robinson Crusoe

Robinson Crusoe

Titel: Robinson Crusoe Kostenlos Bücher Online Lesen
Autoren: Daniel Defoe
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Zweck die göttliche Weisheit mit alledem verfolgte, nicht zukäme, mich gegen die Allmacht dessen aufzulehnen, der als mein Schöpfer das unzweifelhafte Recht hätte, über mich, sein Geschöpf, unumschränkt zu herrschen und zu verfügen, und der, da ich ein Geschöpf war, das sich gegen ihn vergangen hatte, auch das richterliche Recht hatte, mich zu jeder Strafe zu verurteilen, die er für angemessen hielt; und daß mein Teil war, mich seinem Zorn demütig zu unterwerfen, da ich gegen ihn gesündigt hatte.
Danach bedachte ich. daß Gott, der nicht nur gerecht, sondern auch allmächtig ist, ebenso wie er es für angemessen gehalten hatte, mich zu bestrafen und in Not zu stürzen, auch die Macht hatte, mich zu erretten.
Hielt er es aber nicht für angebracht, dies zu tun, so war es ohne Frage meine Pflicht, mich ganz und gar in seinen Willen zu fügen, und anderseits auch meine Pflicht, auf ihn zu hoffen, zu ihm zu beten und die Anordnungen und Fügungen seiner täglichen Vorsehung stille abzuwarten.
Mit solchen Gedanken verbrachte ich viele Stunden und Tage, ja ich darf sagen Wochen und Monate; und dabei kann ich eine besondere Tröstung nicht unerwähnt lassen, die diese meine Betrachtungen zur Folge hatten.
Eines frühen Morgens nämlich, als ich, noch im Bett liegend, ganz erfüllt war von Gedanken an die Gefahr, die mir von den Wilden drohte, und ganz ratlos hin und her sann, fielen mir mit einem Mal jene Worte der Schrift ein: «Rufe mich an in der Not, so will ich dich erretten und du sollst mich preisen.»
Alsbald erhob ich mich freudig von meinem Bett, und mein Herz war nicht nur getröstet, sondern fühlte sich auch hingetrieben und ermutigt, ernstlich zu Gott um Errettung zu beten. Als ich mein Gebet beendet hatte, nahm ich meine Bibel, schlug sie auf. und die ersten Worte, auf die mein Blick fiel, waren diese: «Harre des Herrn und sei guten Muts, und er wird dein Herz stärken; harre, sage ich, des Herrn.» Ich vermag nicht zu sagen, welchen Trost mir das gab. Ich legte daraufhin das Buch dankerfüllt nieder und war, wenigstens für diesmal, nicht länger traurig.
Mitten in diesen Ängsten und Betrachtungen kam ich eines Tages auf den Gedanken, vielleicht sei alles nur Einbildung von mir und der Fußstapfen von mir selber hinterlassen, als ich von meinem Boot ans Land kam.
Dies erleichterte mich etwas, und ich redete mir gut zu, es sei wirklich alles nur Einbildung, es sei mein eigener Fuß; denn warum sollte ich nicht auf dem Weg vom Boot dorthin gekommen sein, ebensogut wie ich jetzt zu dem Boot ging? Ich sagte mir, ich könne doch nicht wissen, wo ich hingetreten sei und wo nicht; und wäre es wirklich mein eigener Fuß, so hätte ich's gemacht wie die Narren, die Gespenster spielen wollen und sich dann selber mehr als alle ändern fürchten.
Nun begann ich Mut zu fassen und wieder herumzustreifen; denn ich war drei volle Tage und Nächte nicht aus meinem Schloß gegangen, so daß ich für neuen Proviant sorgen mußte, hatte ich doch so gut wie nichts mehr im Hause außer einigen Gerstenbroten und Wasser. Auch dachte ich daran, daß meine Ziegen gemolken werden müßten, was ich gewöhnlich abends tat. Die armen Tiere waren deswegen schon sehr übel daran und einige von ihnen fast draufgegangen und ihre Milch weggetrocknet.
Da ich mir nun aber selber zuredete zu glauben, daß es nur mein eigener Fußstapfen war, ging ich zu meinem Landhaus, um meine Herde zu melken. Hätte man gesehen, mit welcher Angst ich dorthin schlich, wie oft ich mich um sah, wie ich jeden Augenblick drauf und dran war, meinen Korb hinzuwerfen und davonzulaufen, als gälte es mein Leben, so würde man geglaubt haben, ich müsse von einem bösen Gewissen oder irgendeiner grauenvollen Angst verfolgt sein. Und so war es ja auch.
Als ich so ein paar Tage lang hingegangen war und nichts gesehen hatte, wurde ich wieder etwas kühner und dachte, daß alles wirklich nur Einbildung gewesen sei. Aber ich konnte es doch nicht ganz glauben, ehe ich nicht wieder an die Küste gegangen war und den Fußstapfen nochmals genau besehen und mit dem meinen verglichen hatte, um durch die Ähnlichkeit und die gleiche Größe festzustellen, daß es mein eigener war. Als ich aber an Ort und Stelle kam, wurde mir erstens ganz klar, daß ich unmöglich an dieser Stelle des Strandes gewesen sein konnte, und zweitens maß ich den Abdruck mit meinem eigenen Fuß und fand, daß der meine lange nicht so groß war. Dies beides störte meine Gedanken von neuem

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