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SdG 05 - Der Tag des Sehers

SdG 05 - Der Tag des Sehers

Titel: SdG 05 - Der Tag des Sehers Kostenlos Bücher Online Lesen
Autoren: Steve Erikson
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beherrscht, Schneller Ben. Rückblickend betrachtet hättet Ihr aber zumindest die Hälfte dessen, worüber Ihr gebietet, zurückhalten sollen.« Der Nekromant machte Anstalten, sich zu erheben.
    »Aber, Bauchelain«, erwiderte der Magier, »das habe ich doch getan.«
    Dem Diwan und dem Mann darauf erging es unter dem Aufprall der magischen Energien eines halben Dutzends ineinander verflochtener Gewirre kaum besser als wenige Augenblicke zuvor der Wand und Korbal Broach.
     
    In dem rauchigen Korridor, der zur Vordertür des Anwesens führte, begegnete der Schnelle Ben Emancipor Reese. Der Diener hatte sich ein Tuch um den unteren Teil seines Gesichts gebunden; seine Augen tränten, als er den Magier anblinzelte.
    »Deine Herren bedürfen deiner Aufmerksamkeit, Emancipor.«
    »Sind sie noch am Leben?«
    »Natürlich. Obwohl eine Rauchvergiftung – «
    Der Diener schob sich am Schnellen Ben vorbei. »Was ist bloß mit euch allen los?«, bellte er.
    »Was meinst du damit?«, rief ihm der Malazaner fragend nach.
    Emancipor drehte sich halb um. »Ist das denn nicht offensichtlich? Wenn Ihr eine Wespe zu Boden schlagt, dann benutzt Ihr anschließend Eure Ferse, richtig? Andernfalls ist es möglich, dass Ihr gestochen werdet.«
    »Willst du mich dazu ermuntern, deine Herren zu töten?«
    »Ihr seid alle verdammte Idioten, die der Vermummte verfluchen soll, ja, das seid Ihr! Wisch das auf, Mancy! Schrubb das ab! Vergrab das im Garten! Pack die Kisten – wir müssen rasch aufbrechen! Es ist mein Fluch – niemand bringt sie um! Ihr glaubt, dass mir meine Arbeit gefällt? Idioten! Ihr glaubt, dass – «
    Der alte Mann wütete immer noch lautstark, als der Schnelle Ben sich nach draußen zurückzog.
    Talamandas erwartete ihn auf der Schwelle. »Du weißt, dass er Recht hat – «
    »Ruhe«, schnappte der Magier.
    Draußen waren die untoten Wachen von den Wehrgängen auf den Mauern gestürzt und lagen auf den Pflastersteinen. Doch sie begannen, sich wieder zu regen. Gliedmaßen ruckten und zuckten. Wie gepanzerte Käfer, die auf dem Rücken liegen. Wir sollten machen, dass wir hier wegkommen. Denn jetzt bin ich wirklich erschöpft.
    »Ich hätte mich fast in der Wand versteckt, die du zerstört hast, musst du wissen.«
    »Das wäre sehr großes Pech gewesen«, erwiderte der Schnelle Ben. »Steig auf – wir verschwinden.«
    »Ah, endlich mal ein bisschen Weisheit.«
    Bauchelain öffnete die Augen. Emancipor blickte auf ihn herab.
    »Wir sind im Garten, Herr«, sagte der Diener. »Ich habe Euch und Korbal hier herausgeschleift. Und auch das Feuer gelöscht. Jetzt muss ich noch alle Fenster öffnen …«
    »Sehr gut, Emancipor«, ächzte der graubärtige Nekromant nach einem Augenblick. »Emancipor«, rief er, als der Diener sich anschickte, die selbst gestellte Aufgabe zu erfüllen.
    »Ja, Herr?«
    »Ich muss zugeben, dass ich … ein wenig … verwirrt bin. Haben wir einen chronischen Fehler, Emancipor?«
    »Herr?«
    »Unterschätz – ach, es ist nicht so wichtig, Emancipor. Kümmere dich um deine Arbeit.«
    »Jawohl, Herr.«
    »Oh, und du hast dir einen Bonus für deine Mühen verdient – was wünschst du dir?«
    Der Diener starrte vielleicht ein Dutzend Herzschläge auf Bauchelain herab, dann schüttelte er den Kopf. »Schon recht, Herr. Das gehört zu meinen Aufgaben. Und um die werde ich mich jetzt kümmern.«
    Der Nekromant hob den Kopf, um dem alten Mann nachzublicken, als er wieder ins Haus trottete. »Was für ein bescheidener Mann«, hauchte er. Dann schaute er an seinen zerrissenen Kleidern hinunter und seufzte. »Ich frage mich, was ich noch im Schrank habe?«
    Soweit er sich erinnern konnte – und in Anbetracht der jüngsten Ereignisse –, war das nicht mehr viel.
     
    Wieder einmal in Schatten gehüllt, huschte der Schnelle Ben die mit Trümmern übersäte Straße entlang. Die meisten Brände waren entweder von allein ausgegangen oder gelöscht worden, und in keinem der noch stehenden Gebäude war Licht hinter den Läden oder in den gähnenden Fensteröffnungen zu sehen. Während die Sterne den Nachthimmel beherrschten, regierte Dunkelheit die Stadt.
    »Verdammt unheimlich«, flüsterte Talamandas.
    Der Magier gab ein leises Brummen von sich. »Das ist wirklich köstlich, immerhin kommt es von jemandem, der Generationen in einer Urne mitten in einem Hügelgrab verbracht hat.«
    »Wanderer wie du haben keine Ahnung, was Vertrautheit wirklich bedeutet«, schniefte die Stockschlinge.
    Direkt vor ihnen verdeckte

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