Sean King 04 - Bis zum letzten Atemzug
wedelte mit den Papieren. »Die DNA lügt nicht, Lady.«
»Warum tun Sie das?«, fragte Diane, Panik schlich sich in ihre Stimme.
»Ich hab meine Gründe.« Quarry stand auf. »Würden Sie Ihre Tochter gerne wiedersehen?«
Diane musste sich am Tisch abstützen. »Was?«, keuchte sie.
»Ich weiß, dass Sie beide sich gerade erst kennengelernt haben, aber ich dachte, wo Sie jetzt Bescheid wissen, würden Sie das Mädchen gerne wiedersehen.«
Michelle schaute auf die Papiere. »Ich glaube Ihnen nicht.«
Quarry reichte ihr die Dokumente. »Ich habe sie in eine Sprache übersetzen lassen, die Leute wie ich verstehen. Der erste Test ist Willas, darunter ist Ihrer. Sehen sich Sie das Ergebnis an.«
Diane nahm die Papiere und las langsam. »Neunundneunzigprozentige Übereinstimmung von Mutter und Kind«, sagte sie dumpf.
Dann warf sie die Papiere auf den Tisch und rief: »Wer sind Sie?«
»Das ist eine lange Geschichte, und ich bin nicht bereit, sie mit Ihnen zu teilen. Wollen Sie das Mädchen jetzt sehen oder nicht?«
Diane schüttelte heftig den Kopf.
Quarry schaute mit einer seltsamen Mischung aus Mitgefühl und Ekel auf sie hinunter. »Sie hätten das Kind behalten können, aber irgendwie verstehe ich auch, warum Sie es nicht getan haben. Das heißt aber nicht, dass ich es gutheiße. Kinder sind etwas sehr Kostbares. Man muss sie festhalten. Das habe ich auf verdammt harte Art gelernt.«
Diane richtete sich wieder auf. »Ich weiß nicht, wer Sie sind und was Sie wollen, aber Sie haben kein Recht, mich zu verurteilen.«
»Würde ich dazu neigen, irgendjemanden zu verurteilen, wären Sie vermutlich schon tot.«
Diese Bemerkung ließ Diane auf die Knie sinken. Sie krümmte sich zusammen und schluchzte unkontrolliert.
Quarry beugte sich vor, hob die Untersuchungsberichte auf und betrachtete Diane. »Das ist Ihre letzte Chance, das Mädchen wiederzusehen.«
Eine Minute verging. Dann fragte Diane: »Muss ... Muss sie mich sehen?«
»Sie haben sich doch schon kennengelernt.«
»Aber da wusste ich noch nicht, dass sie meine Tochter ist!«, rief Diane und fügte dann ruhiger hinzu: »Ich wusste ... wusste nicht, dass ich ihre Mutter bin.«
»Okay, das verstehe ich.«
Plötzlich kam Diane ein Gedanke. »Weiß sie, dass ich ihre Mutter bin?«
»Nein. Es gab keinen Grund, es ihr zu sagen. Sie sind ja auch nicht die Person, die sie großgezogen hat.«
»Kennen Sie diese Pam Dutton?«
»Nein. Ich habe sie nie kennengelernt.«
»Wissen Sie, ob sie gut zu Willa war?«
»Wollen Sie mir etwa sagen, Sie haben dieser Frau Ihr Kind gegeben, ohne sich vorher mit ihr getroffen zu haben?«
»Ich hatte keine Wahl.«
»Jeder hat eine Wahl.«
»Kann ich sie sehen, ohne dass sie mich sieht?«
»Das geht. Wenn Sie dazu bereit sind.«
Diane erhob sich mit wackligen Beinen. »Ja, ich würde sie gerne sehen.« Irgendwie klang es wie ein Schuldeingeständnis.
»Okay. Geben Sie mir ein paar Minuten.«
Diane packte Quarry am Arm. »Sie werden ihr doch nicht wehtun?«
Vorsichtig löste Quarry die Finger der Frau von seinem Ärmel. »Ich bin gleich zurück.«
Fünf Minuten später kam er wieder und hielt die Tür für Diane auf. Diane blickte ängstlich drein, als fürchtete sie, nie mehr zurückzukehren, falls sie hindurchging.
Quarry fühlte es. »Ich gebe Ihnen mein Wort, dass ich Sie zu dem Mädchen und wieder hierher zurückbringe.«
»Und dann?«
»Dann werden wir sehen. Mehr kann ich Ihnen nicht versprechen.«
33.
Q uarry schob den schweren Riegel zurück, öffnete die Tür und winkte Diane hineinzugehen.
»Wo ist sie?«
Quarry deutete nach links. »Da drüben.«
Diane starrte auf die Decke, die auf dem Bett lag. Quarry hob sie hoch. Darunter lag Willa und schlief.
Diane schlich näher heran. »Und wenn sie aufwacht?«
»Ich habe ihr etwas gegeben. In der nächsten Stunde wird sie wohl kaum aufwachen. Sie sieht Ihnen sehr ähnlich«, sagte Quarry leise. »Die Nase, das Kinn. Sie können ihre Augen jetzt nicht sehen, aber sie haben die gleiche Farbe wie Ihre.«
Diane nickte unwillkürlich. Auch sie sah die Ähnlichkeit. »Willa Dutton. Ein hübscher Name.«
»Haben Sie ihr denn keinen Namen gegeben?«
»Nein. Ich wusste, dass ich sie abgeben würde, also habe ich ... Ich meine, ich konnte nicht ...«
Diane streichelte das dunkle Haar des Mädchens. Dann drehte sie sich wieder zu Quarry um und fragte noch einmal: »Sie werden ihr doch nichts tun?«
»Sie ist hier nicht diejenige, die Schuld auf sich
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