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Svantevit - historischer Roman (German Edition)

Svantevit - historischer Roman (German Edition)

Titel: Svantevit - historischer Roman (German Edition) Kostenlos Bücher Online Lesen
Autoren: Nikolai M. Jakobi
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über uns hinweg. Als dann das Steuerruder entzwei ging, war unser Schicksal besiegelt. Hilflos waren wir der Macht des Meeres ausgeliefert und so dauerte es nicht lange, bis der Segelmast barst."
    Bedächtig nahm Radik einen Schluck aus dem Krug und er merkte, wie der Fremde jede seiner Bewegungen aufmerksam verfolgte.
    "Verzweifelt haben wir versucht, das Boot mit unseren Rudern auf Kurs zu halten. Doch alles war vergebens. Bald wateten wir knietief im Wasser und schließlich kenterte das Boot."
    Radik hielt inne und starrte mit erschüttertem Blick ins Leere, so als sähe er die schrecklichen Bilder wieder vor sich.
    "Die Wellen trieben uns schnell auseinander. Es ist ein Wunder, dass man mich gerettet hat. Was aus den anderen wurde, weiß ich nicht, aber …", sagte er mit brüchiger Stimme.
    "Ich habe mich ja noch gar nicht vorgestellt", meinte der Mann nach einer Weile in einfühlsamem Ton, "Mein Name ist Hartmuth und ich gehöre zu den Soldaten, die euch hier in Empfang nehmen und sicher zum Ziel geleiten sollten. Als man mir zutrug, dass jemand aus dem Wasser gefischt wurde, der womöglich ein sächsischer Soldat sein könnte, bin ich sofort hergeeilt", erklärte er weiter, "Und wie heißt du?"
    "Radik."
    ´Hätte ich mir nicht einen deutschen Namen zulegen können?´, warf er sich sogleich vor.
    "Radik? Du bist kein Sachse? Dein Dialekt ist auch so anders."
    "Ich bin in Aachen aufgewachsen", erwiderte Radik sogleich.
    Diese Legende hatte er schon gegenüber dem Markgrafen Peter Wlast mit einigem Erfolg benutzt und wie damals rätselte Radik angestrengt, für wen ihn sein Gegenüber wohl hielt.
    ´Er glaubt, ich sei ein Soldat in sächsischen Diensten, soviel ist klar. Was aber ist meine Mission oder vielmehr sollte meine Mission und die meiner vermeintlich toten Kameraden sein?´
    "Den Grafen wird der Tod seiner treu ergebenen Soldaten schmerzen", sagte Hartmuth, während er tief Luft holte, "Und der Verlust der Silbermünzen wird ihn wohl mit Ärger erfüllen."
    ´Silbermünzen? Daher weht der Wind. Morgen kommt also ein Boot mit einem kleinen Vermögen hier an, allerdings wohl streng bewacht´, dachte Radik und plötzlich wichen die Gedanken an baldige Flucht einer verlockenden Idee, ´Du bist verrückt!´, fuhr es ihm durch den Kopf.
    "Wann und wo habt ihr uns genau erwartet?", fragte Radik und hoffte, sich dadurch nicht verdächtig zu machen, "Wir hatten bei unserer Abfahrt keine klaren Informationen."
    "Typisch!", schimpfte Hartmuth leise, "Wir harren hier schon seit fast zwei Wochen aus, ohne dass es jemand für erforderlich hielt, uns über den Fortgang aufzuklären. Gestern kam endlich ein Bote und teilte mit, ihr würdet morgen in Blaksby eintreffen, einem Handelsplatz mit Hafen ganz hier in der Nähe."
    "Dort wollten wir auch hin", log Radik, der den Namen dieses Ortes zum ersten Mal hörte, "Was soll jetzt geschehen?"
    "Ich werde mich mit meinen Männern auf den Rückweg machen. Wir werden ja nun hier nicht mehr gebraucht und irgendjemand muss dem Grafen die betrübliche Nachricht überbringen", sagte Hartmuth nach kurzem Überlegen, "Noch heute werden wir uns auf den Weg machen. Du willst sicher mit uns kommen. Keine Sorge, wir wählen den sicheren Weg über Jütland, so ist die Seepassage nur kurz."
    ´Jetzt nur keinen Fehler machen´, dachte Radik, dem dieses Ansinnen nun gar nicht passte.
    "Ich fühle mich doch noch recht schwach. Vor kurzem schwamm ich noch mehr tot als lebendig im kalten Wasser", sagte er mit matter Stimme, "Ich würde gerne noch ein wenig ausruhen. Natürlich verstehe ich, wenn du mit deinen Männern nicht warten kannst."
    "Aber du sprichst kein dänisch und kennst dich hier in der Gegend nicht aus. Da können wir dich doch nicht allein zurücklassen", wandte Hartmuth sogleich ein.
    "Ich bitte dich nur, mir einige Münzen zu geben, alles andere wird sich finden."
    ´Die Forderung ist zwar etwas frech, aber übertriebene Zurückhaltung ist oft viel verdächtiger´, ging es Radik durch den Kopf, der gespannt auf eine Antwort wartete.
    Nachdem er kurz überlegt hatte, holte Hartmuth ein kleines Ledersäckchen heraus und schüttelte einige Kupferlinge auf den Tisch.
    "Vergiss nicht, der Graf ist jetzt ein armer Mann", sagte er mit einem Augenzwinkern, "Ich wünsche dir viel Glück."
    Radik schlug freudig in die Hand ein, die Hartmuth ihm zum Abschied bot. Als er gegangen war, bemerkte Radik, dass auch die Dänen verschwunden waren, die sich zuvor am Eingang postiert hatten. Er

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