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Texas

Texas

Titel: Texas Kostenlos Bücher Online Lesen
Autoren: James A. Michener
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wunderschön, ein wahres Kunstwerk; der Bau wirkte mächtig, war aber elegant proportioniert. Die Fassade bestand aus leuchtend rotem Sandstein, der mit
    Schichten eines milchweißen Kalksteins abwechselte, und wies die phantastischsten Verzierungen auf: Miniaturtürmchen, Balustraden, Schwibbogen, maurische Spitzbogen, Galerien, Fensterbekrönungen, Uhrentürme und ganz oben eine Art Hochzeitstorte aus rotem und weißem Stein in fünf Schichten, die in einem fünf Meter hohen, mit erkerartigen Anbauten versehenen, spitz zulaufenden Turm ihr Ende fand.
    Kitschig, pompös und übertrieben - das Gebäude entsprach dem texanischen Geist vollkommen. So etwas konnte nur hier errichtet werden. Frank Yeagers Kommentar war der treffendste: »So ein Bauwerk würde allen Betrachtern zeigen, wo die neunundsiebzigtausend Dollar geblieben sind. Man hat ein gutes Gefühl, wenn man es sieht.«
    Floyd Rusk, inzwischen fast zwanzig und fett und aufsässig wie eh und je, hatte einen italienischen Bauarbeiter kennengelernt und von ihm ein Stück eines seltsamen tropischen Holzes bekommen. Balsa heiße es, sagte der Italiener, und es wiege nicht mehr als ein gleich großer Sack Federn. Floyd hatte dem Italiener einen Dollar für das zwanzig Quadratzentimeter große Stück gezahlt und dann damit herumexperimentiert; er hatte festgestellt, daß es schwamm und daß es weniger als dreißig Gramm wog. Nachdem er sich mit den Eigenschaften des Materials vertraut gemacht und auch herausgefunden hatte, daß es sich lackieren ließ, zog er sich damit in sein Zimmer zurück. Sehr verlegen kam er nach einigen Stunden wieder heraus und ging zu seiner Mutter. In den Händen hielt er eine wunderschöne geschnitzte Nase, die so gut wie nichts wog, mit einem Band aus feinster Gaze.
    Er bestand darauf, daß sie das federleichte Ding sofort anprobierte, und erklärte ihr, daß es gründlich lackiert und poliert worden sei und daher Wasser abstoßen werde. Als sie dann aber die schwere, von ihrem Mann aus Eichenholz geschnitzte Nase abnahm und Floyd ihr verstümmeltes Gesicht sah, wirkte dieser Anblick auf ihn wieder einmal so schockierend, daß er, verfolgt von der quälenden Vorstellung seiner Mutter in den Händen ihrer indianischen Peiniger, fluchtartig das Haus verließ.
    Er kehrte erst zwei Tage später zurück. Weder er noch seine Mutter erwähnten die Nase. Emma war überglücklich mit der neuen Nase; sie sah besser aus als die erste und war wegen ihres geringen Gewichts viel bequemer.
    Kurze Zeit darauf heiratete Floyd Molly Yeager. Molly war ein leichtsinniges Mädchen, fast ebenso rund und schwammig wie ihr Mann, und Emma hatte keine große Hoffnung, daß sie Floyd eine gute Frau sein werde. Aber ihre Balsa-Nase erinnerte sie jetzt täglich daran, daß ihr Sohn sie auf eine seltsame Art doch liebte, und was immer er auch tat, das zu wissen genügte ihr.
    Eines Tages erschien ein Beamter aus Washington in Jacksborough und entließ ohne Angabe von Gründen den Postmeister. Danach gab er bekannt, daß die Stadt in Zukunft Jacksboro heiße, worauf er den gerade gefeuerten Mann feierlich zum neuen Postmeister bestellte.
    Nach der Feier, bei der er sich sinnlos betrunken hatte, bestieg er die Postkutsche nach Fort Garner und entließ auch dort, ohne eine Erklärung abzugeben, den Postmeister. Als Earnshaw gegen diesen Willkürakt Protest einlegte, zeigte der Beamte mit dem Finger auf ihn: »Sie wollten doch immer, daß diese Stadt in Larkin umbenannt wird. Jetzt ist es soweit.« Und sofort wurde der alte Postmeister als neuer wieder eingestellt.
    Während der Festlichkeiten aus Anlaß dieser Umbenennung hielt Bankier Weatherby eine Rede auf Earnshaw Rusk. Er rühmte alles, was dieser für seine Stadt getan hatte: »Er brachte uns den Stacheldraht, mit dem wir ein Vermögen machten, ihm ist es zu verdanken, daß Fort Garner an das Schienennetz der Eisenbahn angeschlossen wurde, er hat den Bau unseres schönen Gerichtsgebäudes ermöglicht, und jetzt hat er uns auch noch einen richtigen Namen gegeben.«
    Emma, die ein wenig abseits stand, hörte nicht weiter zu. Sie starrte auf die Prärie hinaus und dachte darüber nach, welch hohen Preis all diese »Verbesserungen« gekostet hatten. »Die Büffel, die auf diesen Ebenen lebten«, flüsterte sie, »die Indianer, die sie jagten, die Longhorns, die frei umherstreiften, die unbegrenzten leeren Räume. Wo sind sie hin?« Sie wußte, daß sie für immer verschwunden waren.
    Der Sonderstab
    Ich bemühte

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