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Texas

Texas

Titel: Texas Kostenlos Bücher Online Lesen
Autoren: James A. Michener
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zeigte, bevor er losbrach. »Achten Sie bitte auf drei Dinge: Erstens auf die riesige schwarze Gewitterwolke hoch oben, die groß genug ist, um einen ganzen Landstrich zu verdunkeln. Dann auf den deutlich sichtbaren rüsselartigen Schlauch, der bis in Bodennähe herabreicht. Und drittens auf die Schnauze der Trombe, die wie die Düse eines Staubsaugers hinterherwandert.«
    Clay wollte das nächste Diapositiv zeigen, aber Rusk stellte ihm eine Frage: »Warum wandert die Schnauze hinterher?«
    »Ein aerodynamisches Gesetz. Sie schleppt sich auf dem Boden dahin, den sie zerstört.«
    Nun zeigte er uns das bemerkenswerteste der drei Dias. »Das ist unser Haus, und zwar eine Minute nachdem der Tornado zugeschlagen hatte.« Vom oberen Teil des Hauses war nichts mehr zu sehen. Der Sturm hatte sogar die schwere Badewanne mit sich fortgerissen.
    »Wie konnte der Mann mit der Kamera so ein Bild aufnehmen?« fragte Rusk. Und Miss Cobb wollte wissen: »Und was ist mit Ihnen passiert?«
    »Das ist das Geheimnis eines Tornados. Sein zerstörerischer Weg ist so genau vorgezeichnet wie eine mit einem Bleistift gezogene Linie. Auf unserer Straßenseite war alles ausradiert. Aber dort, wo der Fotograf stand, hat nur ein starker Wind geweht.«
    »Ja, ja, aber wo waren Sie?« beharrte Miss Cobb.
    »Unmittelbar bevor es losging, rief mir der Mann mit der Kamera zu: >Lewis, hier rüber!< Er konnte sehen, wie die Linie verlief.«
    »Erstaunlich«, meinte Quimper, aber Clay korrigierte ihn: »Nein, das wirkliche Wunder bestand darin, daß der Tornado nicht nur die Badewanne mitnahm, sondern auch meine Mutter, die gerade drin saß. Er nahm sie einfach mit der Wanne mit und setzte sie so sanft, wie man es sich nur wünschen kann, fünfhundert Meter entfernt wieder ab.«
    Detailliert erklärte er uns nun die Entstehung der Tornados, die Texas alljährlich heimsuchen. »Vier Voraussetzungen müssen gegeben sein, damit sich ein Tornado bildet: Eine Kaltfront zieht von den Rockies im Westen herauf. Sie stößt auf Feuchtluft aus dem Golf. Das passiert vielleicht neunzigmal im Jahr und führt zu einem unbedeutenden Sturm. Manchmal aber kommt ein dritter Faktor hinzu. Sehr trockene Luft zieht schnell von Mexiko nach Norden; wenn sie auf die Kaltluft auftrifft, die bereits in starke Bewegung geraten ist, sind heftige Gewitterstürme die Folge, aber nur selten etwas Schlimmeres. Wenn dann jedoch die vierte Luftmasse dazukommt, ein starker Strahlstrom in neuntausend Meter Höhe, dann ist das so, als ob sich eine Haube über das ganze System stülpte. Dann entstehen Tornados, brechen los und richten Schäden an, wie sie Sie in Wichita Falls gesehen haben.«
    »Wie schlimm waren diese Schäden?« fragte Quimper, und Clay antwortete: »Dieser Tornado schlug eine zwölf Kilometer lange und drei Kilometer breite Schneise. Die Schadenssumme betrug vierhundert Millionen Dollar, es gab zweiundvierzig Tote und mehrere hundert Verletzte.«
    In rascher Folge projizierte er eine Reihe von Diapositiven auf die Leinwand, während er uns mit statistischen Informationen versorgte. »Die meisten Tornados treten im Mai auf. Durchschnittlich haben wir hundertzweiunddreißig im Jahr, die durchschnittlich dreizehn Menschen das Leben kosten. Der Schlauch dreht sich meist zyklonal, also gegen den Uhrzeiger gerichtet, und wandert mit einer Geschwindigkeit von sechsundfünfzig Stundenkilometern über den Boden, fast immer in nordwestlicher Richtung, und mit einer Geschwindigkeit von bis zu vierhundertachtzig Stundenkilometern im Innern des Schlauchs.« Er machte eine kurze Pause und fuhr dann fort: »Der gefährlichste Ort, an dem man sich während eines Tornados aufhalten kann, ist das Auto. Der Sturm hebt es hoch, es ist ihm aber zu schwer, und er schleudert es zu Boden. Der beste Ort ist natürlich ein Sturmkeller - wenn man einen hat.«
    In den folgenden zwei Stunden dozierte Dr. Clay dann über die großen Hurricanes, die vor der afrikanischen Küste entstehen und über den Atlantik in den Golf von Mexiko brausen. »Die schlimmste Naturkatastrophe, die Amerika je erlebt hat, war der Hurricane in Galveston am 8. Dezember 1900. Er zerstörte die ganze Stadt, große Gebiete wurden von den dreieinhalb Meter hohen, landeinwärts treibenden Wellen ausradiert. In einer Nacht starben achttausend Menschen.«
    Eine bemerkenswerte Reihe von Bildern, die vier verschiedene Fotografen an ein und demselben Märztag des Jahres 1983 aufgenommen hatten, zeigte die Stadt Amarillo inmitten

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