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Texas

Texas

Titel: Texas Kostenlos Bücher Online Lesen
Autoren: James A. Michener
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eines Schnee- und Hagelsturms bei minus zwei Grad Celsius, Abilene inmitten eines Staubsturms bei zehn Grad, Austin zu Beginn eines Norders bei dreiunddreißig Grad und Brownsville inmitten einer unerträglichen Hitzewelle von vierzig Grad. »Von Nordwest bis Südost ein Temperaturgefälle von zweiundvierzig Grad!« Wir waren alle verblüfft.
    »Diese phantastischen Temperaturstürze können jederzeit vorkommen«, fuhr Clay fort, »sie sind allerdings in den Sommermonaten am spektakulärsten. Der tollste aller blauen Norder trat am 3. Februar 1899 auf. Um die Mittagsstunde betrug die Temperatur in vielen Teilen des Staates neununddreißig Grad. Nicht lange danach minus zwanzig Grad. Ein unglaublicher Temperatursturz von nicht weniger als neunundfünfzig Grad!«
    Clay hatte jahrzehntelang das texanische Wetter studiert, und nun sah er den Staat als ein einziges gigantisches Schlachtfeld, über dem und auf dem die Elemente ununterbrochen Krieg führten. »Kein menschliches Wesen würde sich in diesem Land mit seinen unglaublich heißen Sommern und gewaltigen Stürmen niederlassen, wenn es nicht den Kampf liebte und davon überzeugt wäre, daß es überleben kann, wenn es nur genug Mut aufbringt. Welcher andere Staat hat Hurricanes und Tornados aufzuweisen, die jedes Jahr viele Menschen töten? Und zwei volle Monate lang blaue Norder und Dürreperioden und Tage mit achtunddreißig Grad Hitze? Und, nicht zu vergessen den immer schlimmer werdenden Wassermangel? Texas ist wahrhaftig ein Land, das heldenhafter Menschen bedarf.«
    DIE STADT
    Die Volkszählung von 1900 bestätigte, daß Texas noch immer ein Agrarstaat war:    Von den 3048710 Einwohnern
    bezeichneten sich nur 17,1 Prozent als Städter, nun selbst diese Zahl war irreführend, denn schon die mickrigste Siedlung galt als Stadt, wenn mehr als zweitausendfünfhundert Menschen in ihr lebten.
    Die größte Stadt war noch immer San Antonio mit 53321 Einwohnern, in ihrer Mehrzahl deutscher Herkunft, denn die Hispanos, die später den Charakter des Ortes bestimmen sollten, machten damals nicht mehr als zehn Prozent aus. Mit 44633 Einwohnern war Houston die zweitgrößte Stadt, und an dritter Stelle stand Dallas mit 42638. Amarillo und Lubbock, die später eine bedeutende Rolle in der texanischen Geschichte spielen sollten, waren noch gar keine Städte; Amarillo zählte 1442, Lubbock 112 Einwohner.
    Von kleinen Orten wie diesen waren drei von besonderem Interesse. Der erste war natürlich Larkin im Westen; dort lebten 388 Menschen. Der zweite war Waxahachie, südlich von Dallas, mit 4215 Einwohnern, und der dritte die kleine Hispano-Stadt Bravo am südlichsten Punkt von Texas. Sie lag am Nordufer des Rio Grande, in einer Gegend, die durch künstliche Bewässerung zu einem der reichsten Ackerbaugebiete Amerikas geworden war. Bravo mit seinen 389 Seelen bewachte das amerikanische Ende einer kleinen Brücke über den Rio Grande, Escandon, eine etwas größere Siedlung, das mexikanische.
    Während sich das neunzehnte Jahrhundert seinem Ende zuneigte, sahen sich die Bewohner der Stadt Larkin, Hauptstadt von Larkin County, in einen intellektuellen Streit hineingezogen, der auch in vielen anderen Ortschaften ausgefochten wurde: Wann würde das neue Jahrhundert eigentlich beginnen?
    Tradition und öffentliche Meinung stimmten darin überein, daß um Mitternacht des 31. Dezember 1899 das alte Jahrhundert vergehen und eine Minute später ein neues beginnen würde. Aber Earnshaw Rusk und viele andere intelligente Männer und Frauen im Staat wußten, daß das zwanzigste Jahrhundert unmöglich vor dem 31. Dezember 1900 beginnen konnte; Logik, Mathematik und Geschichte bewiesen, daß sie im Recht waren, aber es gelang ihnen nicht, ihre Mitbürger dazu zu überreden, mit den Feierlichkeiten für den Beginn des neuen Jahrhunderts noch ein Jahr zu warten. »Jeder Idiot weiß doch, daß das neue Jahrhundert mit dem Jahr 1900 anfängt«, rief ein Eiferer, »und zu Neujahr werde ich die Kirchenglocken läuten, und Jim Bob Loomis wird das Feuer anzünden.«
    »Sagen Sie mal«, wandte Rusk sich an Jim Bob, »wie viele Jahre hat ein Jahrhundert?«
    »Na, hundert natürlich.«
    »Zu Christi Zeiten, als alles anfing, hat es da je ein Jahr Null gegeben?«
    »Nicht daß ich wüßte.«
    »Demnach muß das erste Jahrhundert mit dem Jahr eins begonnen haben, nicht wahr?«
    »Ich denke schon.«
    »Und als wir dann zum Jahr neunundneunzig kamen, wie viele Jahre hatte da das erste

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