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Todesrennen

Todesrennen

Titel: Todesrennen Kostenlos Bücher Online Lesen
Autoren: Cussler
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ausgesetzt ist.«
    Dmitri Platow blickte Josephine direkt in die Augen und trat dicht an sie heran.
    Sie war völlig verwundert. Da sie ihm niemals näher als zwanzig Meter gekommen war, hatte sie weder bemerkt, wie dicht sein dunkles krauses Haar und seine Koteletten seinen Kopf, seine Wangen, sein Kinn und seine Lippen bedeckten, noch, wie hell seine Augen in diesem dunklen Haarwald leuchteten. Sie fühlte sich zu diesen Augen hingezogen. Irgendetwas an ihnen kam ihr seltsam vertraut vor.
    »Eine schlechte Konstruktion?«, fragte er in deutlichem, akzentfreiem Englisch. »Ich betrachte das als eine persönliche Beleidigung.«
    Josephine erwiderte seinen Blick in namenlosem Erstaunen.
    Sie bedeckte ihren Mund mit einem ölverschmierten Handschuh und hinterließ dabei auf ihrer Wange einen Fleck. Das war Marco Celeres Stimme – die Stimme, die er nur benutzte, wenn sie allein waren – mit einem schwachen italienischen Akzent, während er die Redewendungen aussprach, die er als Halbwüchsiger im Dienst eines Maschinenschlossers in Birmingham gelernt hatte.
    »Marco«, flüsterte sie. »Oh, mein Marco, du lebst.«
    Marco Celere zwinkerte ihr fast unmerklich zu. »Soll ich unser Publikum wegschicken?«, fragte er murmelnd.
    Sie nickte, wobei sie die Hand im Handschuh noch immer auf den Mund presste.
    Marco erhob die Stimme und wandte sich mit seinem vertrauten russischen Dmitri-Platow-Akzent an die Van-Dorn-Mechaniker: »Gentlemens, sagt man doch, viele Köche machen Brei schlecht. Lassen Platow allein Maschine von Aviatrice Josephine reparieren.«
    Josephine bemerkte, wie die Detektiv-Mechaniker besorgte Blicke wechselten.
    »Josephine hilft dabei«, fügte Platow hinzu.
    Den Detektiven war das gar nicht recht, wie Josephine in ihren Augen erkennen konnte. Hatten sie einen Verdacht? Gott sei Dank war Isaac nicht hier. Chefermittler Bell wäre der geschockte Ausdruck ihres Gesichts sicherlich aufgefallen. Diese jüngeren, weniger erfahrenen Agenten spürten immerhin, dass etwas ungewöhnlich war. Aber wären sie klug genug, um den Mechaniker und Maschinenschlosser, den jeder am Rennen Beteiligte nur als »den verrückten Russen« Platow kannte, unter die Lupe zu nehmen?
    »Es ist okay«, sagte Josephine. »Ich helfe ihm.«
    Der leitende Van-Dorn-Agent gab mit einem Kopfnicken seine Einwilligung. Schließlich war sie eine bessere Mechanikerin als jeder von ihnen. Sie kehrten zu der Absperrung zurück, die sie errichtet hatten, um die Reporter fernzuhalten. »Wir sind hier drüben, falls Sie uns brauchen, Josephine.«
    Marco sagte: »Geben Platow Engländer-Schraubenschlüssel, Josephine.«
    Sie suchte das Werkzeug. Dabei konnte sie kaum ihren Sinnen trauen. Und dennoch hatte sie das Gefühl, als erwache sie aus einem Albtraum, der in der Woche begonnen hatte, in der sie Harry Frost geheiratet und kurz danach gesehen hatte, wie er einen Mann beinahe totprügelte, nur weil er sie angelächelt hatte. Ihr Mann hatte ihr niemals ein körperliches Leid zugefügt, aber sie hatte von diesem Moment an gewusst, dass er es eines Tages tun würde, und zwar unvermittelt und ohne Vorwarnung. Was für einen furchtbaren Preis hatte sie für ihre Aeroplane bezahlt, hatte gewartet, ständig wie auf glühenden Kohlen gesessen, sogar als Harry wohlwollend auf ihre Leidenschaft für die Fliegerei reagiert und ihr Flugmaschinen gekauft hatte – bis zum vergangenen Herbst, als er wegen Marco einen ersten Verdacht geschöpft hatte.
    Er hatte reagiert wie der Blitz. Zuerst hatte er sie aus seinem Testament gestrichen, dann hatte er sie angebrüllt, er werde sie erschießen, wenn sie es jemals wagen würde, ihn um die Scheidung zu bitten. Nachdem er sie auf diese Art und Weise in der Falle gefangen hatte, weigerte er sich, Marcos Schulden für die Maschine zu zahlen, die sie brauchten, um an dem Rennen um den Whiteway Cup teilzunehmen. Als er Marco schließlich einlud, mit ihm auf die Jagd zu gehen, fürchtete sie schon das Schlimmste. Es war nur ein Trick, um Marco in den Wald zu locken, ihn zu töten und das Ganze als »Jagdunfall« darzustellen.
    Aber Marco hatte von Anfang an einen Plan gehabt, um sie beide zu retten und doch am Rennen teilzunehmen – einen brillanten Plan, der darin bestand, seine eigene Ermordung nur vorzutäuschen und Harry dieses Verbrechen anzuhängen.
    Er hatte das Zielfernrohr an Harrys Jagdgewehr verbogen, so dass die Schüsse stets zu hoch lagen. Dann hatte er sich eine Position gesucht, aus der er auf ein

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