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Vor der Flagge des Vaterlands

Vor der Flagge des Vaterlands

Titel: Vor der Flagge des Vaterlands Kostenlos Bücher Online Lesen
Autoren: Jules Verne
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Muße, seine chemischen Arbeiten auszuführen. Was die Apparate angeht, so könnte man einzelne davon in der und jener Werkstatt auf dem Festlande bestellen und diese immer getrennt anfertigen lassen, um keinen Verdacht zu erregen.
    Mir sträuben sich die Haare schon bei dem Gedanken, was aus einem solchen Zerstörungsmittel in den Händen dieser Seeräuber werden könnte!
    Diese unerträglichen Befürchtungen nagen an mir und lassen mir keine ruhige Stunde mehr. Meine Gesundheit leidet darunter, und obgleich eine reine Luft das Innre von Back-Cup erfüllt, bin ich doch manchmal nahe am Ersticken. Es ist mir, als ob diese dicken Wände mich mit ihrer ganzen Last zermalmen sollten. Dazu fühle ich mich auch abgeschieden von der übrigen Welt, als wenn ich gar nicht auf dieser Erde wandelte, und ich weiß von nichts, was in den Ländern jenseit des Meeres vorgeht. O, wenn es möglich wäre, durch die Oeffnung in der Decke, die über der Lagune liegt, zu entweichen, sich über den Gipfel des Eilands weg zu retten… nach dessen Fuße hinab zu gelangen!…
    Am Morgen des 25. Juli begegne ich endlich dem Thomas Roch. Er befindet sich allein auf dem entgegengesetzten Ufer, und ich frage mich, ob Ker Karraje, der Ingenieur Serkö und der Kapitän Spade, da ich sie seit gestern nicht gesehen habe, nicht vielleicht zu einer »Expedition« außerhalb Back-Cups abgefahren sind….
    Ich gehe auf Thomas Roch zu, und ehe er mich hat bemerken können, betrachte ich ihn mit Aufmerksamkeit.
    Sein ernster, nachdenklicher Gesichtsausdruck ist nicht mehr der eines Geisteskranken. Er geht mit langsamen Schritten und gesenkten Augen dahin, ohne sich weiter umzusehen. Unter dem Arme trägt er ein mit Papier bespanntes Reißbrett, auf dem verschiedne Skizzen eingezeichnet sind.
    Plötzlich hebt er den Kopf nach mir zu, thut einen Schritt vorwärts und erkennt mich.
    »Ah… Du… Gaydon! ruft er. Dir bin ich also entwischt!… Ich bin frei!«
    Er mag sich wirklich wie frei fühlen… auf Back-Cup freier, als er es im Healthful-House war. Meine Gegenwart erweckt in ihm unangenehme Erinnerungen und veranlaßt vielleicht einen erneuten Anfall, denn er fährt mit außergewöhnlicher Erregung weiter fort:
    »Ja… Du… Gaydon!… Komm’ mir nicht zu nahe… bleib’ dort! Du würdest mich doch wieder einfangen… nach dem Irrenhause zurückbringen wollen… Niemals!… Hier hab’ ich Freunde, mich zu vertheidigen!… Sie sind mächtig, sind reich! Der Graf d’Artigas ist mein Commanditär!… Der Ingenieur Serkö ist mein Associé!… Wir werden meine Erfindung ausbeuten!… Hier wird der Fulgurator Roch ausgeführt werden!… Geh’ fort!… Geh’ fort!…«
    Thomas Roch hat sich wirklich in Wuth geredet. Während seine Stimme anschwillt ficht er erst mit den Armen umher und zieht dann ein Packet Papierdollars und Banknoten aus der Tasche. Weiter fallen ihm englische, französische, amerikanische und deutsche Goldstücke aus der Hand. Und woher hatte er all’ das Geld, wenn nicht von Ker Karraje und um den Preis des an ihn verkauften Geheimnisses?
     

    Sie stürzen sich auf Thomas Roch und tragen ihn weg. (S. 138.)
     
    Durch den Lärm dieses peinlichen Auftritts angelockt, laufen jetzt einige Männer herzu, die uns aus kurzer Entfernung beobachtet haben. Sie stürzen sich auf Thomas Roch, umfassen ihn und tragen ihn weg. Sobald er mich nicht mehr sieht, läßt er sie widerstandslos gewähren und erscheint, körperlich und geistig, so ruhig wie vorher.
    Am 27. Juli . – Zwei Tage nach dem erzählten Zwischenfalle ging ich beim ersten Tagesgrauen nach dem Ufer hinunter und bis zur Spitze des kleinen Hafendammes hinaus.
    Der Tug liegt nicht an seinem gewöhnlichen Ankerplatze neben dem Felsgestade und ist auch auf der Lagune nirgends sichtbar. Ker Karraje und der Ingenieur Serkö waren übrigens nicht, wie ich glaubte, weggefahren, denn ich habe sie noch gestern Abend gesehen.
    Heute jedoch hab’ ich alle Ursache anzunehmen, daß sie sich mit dem Kapitän Spade und seiner Mannschaft auf dem Tug eingeschifft, sich nach der Goelette in ihrer Bucht des Eilands begeben haben und daß die »Ebba« zu dieser Stunde in Fahrt ist. Möglicherweise handelt es sich um einen Raubzug, doch liegt es ebenso nahe, anzunehmen, daß Ker Karraje, auf seiner Lustjacht jetzt wieder der Graf d’Artigas, einen Punkt an der Küste anlaufen will, um sich die nöthigen Rohstoffe zur Herstellung des Fulgurator Roch zu verschaffen.
    O, wenn es mir möglich gewesen

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