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Wanderungen durch die Mark Brandenburg

Wanderungen durch die Mark Brandenburg

Titel: Wanderungen durch die Mark Brandenburg Kostenlos Bücher Online Lesen
Autoren: Theodor Fontane
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eine ganz besondere Sinnigkeit aus. Luisa Lucretia von Wulffen aus dem Hause Steinhöfel war an einen von Wulffen in Tempelberg vermählt und starb 1720, wahrscheinlich im Kindbett. Am Oberende des Grabsteins bemerkt man zwei Bäume, die sich mit ihren Wipfeln einander zuneigen. Darunter steht: »Eine gleiche Neigung verbindet uns«. Dann folgen Zeilen, in denen der Tod der jungen Frau gemeldet wird, bis zuletzt ein Baum mit der Inschrift: »Bei meinem fruchtbar sein / Da stellet Last sich ein« das Ganze nach unten hin abschließt. Ein siebenter Grabstein, der eine Zeitlang auch im Kirchenschiffe lag, steht jetzt an einem Wandpfeiler. Es ist dies der Grabstein der Frau Anna Lucretia von Gölnitz, einer gebornen von Götze. Sie lebte verwitwet in dem ihr befreundeten Wulffenschen Hause und wurde, als sie in Tempelberg starb, in der Tempelberger Kirche beigesetzt. Sie hatte aber keine Ruhe unter den Wulffens und sehnte sich zu den Götzes zurück. Es begann zu spuken und immer wenn Margarethe von Wulffen, die Freundin der Verstorbenen, in die Kirche trat, war es ihr, als ob eine Stimme riefe: »Grete, mach' auf.« Das geschah denn auch endlich und man schaffte den Sarg nach dem Familiengute der geborenen von Götze hinüber. Da war es ruhig. Der Grabstein aber blieb in Tempelberg und ward in den Wandpfeiler eingemauert.
    Eine ähnliche Geschichte – darin ähnlich, daß Verstorbene keine Ruhe haben, bis sie an rechter Stelle bestattet sind – wird aus einem der Teltowdörfer zwei Meilen südlich von Berlin berichtet. Es ist das die Geschichte vom »französischen Tambour«. Das betreffende Dorf gehörte damals (1813) der alten Familie v. H. Vater und Sohn (der älteste) standen im Felde, die Mutter und die jüngeren Geschwister aber lebten seit dem Tage von Großbeeren in der nahen Hauptstadt. So war das Herrenhaus verwaist. Als auch die Schlacht bei Dennewitz geschlagen war, nahm der älteste Sohn Urlaub und kam herüber, um auf dem väterlichen Gute, das viel Einquartierung gehabt hatte, nach dem Rechten zu sehen. Er traf spät abends ein. Bei seiner Ankunft baten ihn die Leute, nicht im Schloß, sondern im Wirtschaftshause zu schlafen: »im Schlosse spuke es seit vierzehn Tagen.« Herr v. H. nahm natürlich keine Notiz davon und bezog wie immer seine Giebelstube im Herrenhaus. Um Mitternacht ward er durch Trommelwirbel geweckt und als er aufsprang, hörte er deutlich, daß durch das ganze öde Schloß hin treppauf treppab die französische Reveille geschlagen wurde. In der nächsten Nacht wiederholte es sich. Herr v. H. stellte nun Nachforschungen an und man entdeckte zuletzt in einem der Keller des Hauses, die Trommel neben sich, einen französischen Tambour, der tot unter Werg und Hobelspänen lag. Er hatte eine tiefe Kopfwunde. Wie er dort hinkam, wußte niemand zu sagen. Er erhielt nun ein ehrlich Begräbnis und das Trommeln wurde nicht länger gehört.
     
    67 Friedrich Gilly, Sohn des Oberbaurates David Gilly, wurde 1771 zu Berlin geboren und zählte zu den talentvollsten Schülern seines Vaters, den er an Bedeutung übertraf. Wenig befriedigt durch den Halb- oder Pseudoklassizismus seiner Epoche, stand er, als einer der ersten, in der Reihe derer, die damals beflissen waren, auf die hellenische Kunst zurückzugehen. Aber leider war es ihm nur vergönnt, in einer großen Zahl von unausgeführt gebliebenen Entwürfen seiner künstlerischen Überzeugung Ausdruck zu geben. Für monumentale Werke großen Stils hatte die damalige preußische Hauptstadt weder den Sinn noch die Mittel. So muß G. denn nach dem beurteilt werden, was er gewollt. Seine Skizzen sind damals und später viel bewundert worden, von keinem mehr als von Schinkel, der eine Zeitlang in Gillys Atelier tätig war und jederzeit den Einfluß anerkannt hat, den des jugendlichen Meisters Anschauungen auf seine Kunstrichtung ausgeübt haben. Wie Thorwaldsen um eben dieselbe Zeit freudig hervorzuheben pflegte, daß er Carstens die »entscheidende Anregung« verdanke, so nannte Schinkel den jungen Gilly den »Schöpfer alles dessen, was er sei«. Friedrich Gilly starb bereits 1800, neunundzwanzig Jahre alt. Unter seinen Arbeiten befinden sich auch Aquarellskizzen zu einem Denkmale Friedrichs des Großen aus dem Jahre 1797 und Aufnahmen des Marienburger Schlosses aus dem Jahre 1799. (David Gilly, der Vater, wurde 1745 zu Schwedt a. O. geboren und überlebte den Sohn um acht Jahre. Er starb 1808 zu Berlin.)
     
    68 Arndt von Sparr war dreimal vermählt

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