Wanderungen durch die Mark Brandenburg
Tag.
77 Märkische Muränenseen waren zu Bekmanns Zeiten folgende: der Moriner-, der Soldiner-, der Lychener- und der Stechliner-, ferner der Lindower- und der Schermützel-See. Mehrere davon, wenn nicht alle, haben inzwischen ihre Muränen verloren, ebenso wie der »Werbellin«.
78 In China oder Japan, oder vielleicht in beiden Ländern, verstehen es die Bewohner, die Kormorans zum Fischfang abzurichten. Sie bedienen sich dazu der allereinfachsten Prozedur, indem sie dem Kormoran, nachdem ihm die Flügel gestutzt wurden, einen Ring um den Hals legen, der die Kehle des Tieres halb zuschnürt. Nun beginnt der Kormoran mit gewohntem Geschick seinen Fischfang, da er aber, der halb zugeschnürten Kehle halber, die Fische nicht herunterschlucken kann, so wirft er sie großmütig in neben ihm befindliche kleine Boote, wo sie die Fischer in Empfang nehmen.
79 Gegenüber dem Wandpfeiler, der diese Trophäe trägt, befindet sich, in gleicher Höhe mit den Emporen der Kirche, der ehemalig Pfuelsche Chor- oder Kirchenstuhl, groß und geräumig, nach Art eines Zimmers. An seiner Vorderwandung bemerken wir drei oder vier ineinander verschlungene Goldbuchstaben, die aller Entzifferung spotten, höchst wahrscheinlich aber einen Pfuelschen Namenszug darstellen. Der Kirchenstuhl selber hat etwas unheimlich Geheimnisvolles. Die Fenster sind ausgenommen und wenn man auf die Brüstung einer der Nebenemporen steigt, um von der Seite her hineinzulugen, so gewahrt man nichts als einen rostigen Kamin, Spinnweb und verstaubte Gewölbekappen, die unter den aufgerissenen Dielen sichtbar werden. Der Aufgang zu diesem Chorstuhl ist vermauert (man erkennt noch die Stelle, wo die Treppe mündete) und wie die Jahre wachsen, so wächst auch der Reiz der Frage: Wer hat diese Dielen aufgerissen? Wer bangte vor diesem Platz? Wer hat ihn vermauert?
Havelland
Vorwort zur zweiten Auflage
Auch diese neue Auflage des dritten Bandes der Wanderungen bat eine Umgestaltung erfahren. Wie bei Band I und II ist alles dem Spezialtitel Nichtentsprechende fortgelassen und durch ausschließlich Havelländisches oder doch dem Flußgebiet der Havel Angehöriges ersetzt worden. Auf diese Weise kamen hinzu: das Havelluch, Oranienburg, Tegel, Fahrland, die Fahrlander Chronik, Sakrow, »Wer war er?«, Falkenrehde, »Zwei heimlich Enthauptete« und Wust, das Geburtsdorf Hans Hermanns von Katte. Daran schließt sich noch Kloster Chorin, das, wiewohl außerhalb des Flußgebietes der Havel gelegen, um Lehnins willen, dessen Tochterkloster es war, mit herangezogen wurde. Wobei zugleich der Wunsch mitwirkte, dem mehrere Kapitel umfassenden Abschnitt von der Kolonisation der Mark durch die Zisterzienser wenigstens annähernd einen Abschluß zu geben.
Das Historische (im Gegensatz zu »Oderland«) tritt im ganzen genommen in diesem dritten Bande zurück, und Landschaft und Genre prävalieren.
An nicht wenigen Stellen entstand für mich die Frage, ob ich nicht, über die bloße Form hinaus, auch inhaltlich zu Änderungen zu schreiten und von einem inzwischen erfolgten Wechsel der Dinge Notiz zu nehmen hätte. Um ein paar Beispiele zu geben: das Friedrichsche Ehepaar auf der Pfaueninsel ist gestorben, Etzin ist niedergebrannt und der in Trümmern liegende Teil der Lehniner Klosterkirche ist neuaufgebaut worden. Ich hab' es aber mit Rücksicht darauf, daß alles Umarbeiten und Hinzufügen in der Regel nur Schwerfälligkeiten schafft, schließlich doch vorgezogen, das meiste so zu belassen, wie sich's etwa um's Jahr 1870 dem Auge präsentierte und bitte den Leser, wo sich die Benötigung dazu herausstellen sollte, dies freundlichst im Auge behalten zu wollen.
Berlin, 24. April 1880
Theodor Fontane
Havelland
Grüß Gott dich, Heimat! ... Nach langem Säumen
In deinem Schatten wieder zu träumen,
Erfüllt in dieser Maienlust
Eine tiefe Sehnsucht mir die Brust.
Ade nun Bilder der letzten Jahre,
Ihr Ufer der Saône, der Seine, Loire,
Nach Kriegs- und fremder Wässer Lauf
Nimm, heimische Havel, mich wieder auf.
Es spiegeln sich in deinem Strome
Wahrzeichen, Burgen, Schlösser, Dome:
Der Juliusturm, den Märchen und Sagen
Bis Römerzeiten rückwärts tragen,
Das Schildhorn, wo bezwungen im Streite,
Fürst Jaczo dem Christengott sich weihte,
Der Harlunger Berg, der an oberster Stelle
Weitschauend trug unsre erste Kapelle,
Das Plauer Schloß, wo fröstelnd am Morgen
Hans Quitzow steckte, im Röhricht verborgen,
Die
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