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Werke

Werke

Titel: Werke Kostenlos Bücher Online Lesen
Autoren: Adalbert Stifter
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ist. Und wie ich euch auf dem Schlachtfelde und im Lager gedankt habe, so danke ich euch auch hier in der Heimat für alles, was ihr getan habt, und daß ihr bereitwillig und folgsam gegen mich gewesen seid. Meine Führerschaft hört heute auf, wir leben wieder jeder einzelne als ein einzelner Mann; aber wir wollen in Liebe und Treue einander gedenken, die gekämpft haben, und in Liebe und Treue derer gedenken, die ihr Leben lassen mußten, und in Liebe und Treue und Unterstützung derer gedenken, die an ihren Gliedern ein dauerndes Übel erlitten haben. Und so gehabt euch wohl, und löseteuch auf, die ihr zur Gemeinsamkeit bisher gefügt gewesen waret. Nur ein Mal wollen wir noch in Gemeinsamkeit sein, und zwar heute bei einem Mahle, und in Gemeinsamkeit der Lust, welche alle die genießen, die zu diesem Platze gekommen sind.«
    Die Worte Witikos, als er sie sprach, sind von denen, die sie gehört hatten, teilweise an die nächsten gesagt worden, von diesen wieder an die nächsten, und es ist auch etwas davon zu den Leuten gedrungen, die vor den Schranken standen.
    Als er geendet hatte, riefen die Männer: »Heil, Glück, Segen Witiko.«
    »Heil, Glück, Segen Witiko«, riefen dann auch die andern, die auf der Weide versammelt waren.
    Witiko steckte sein Schwert in die Scheide, ritt dann noch einmal an der Reihe der Krieger dahin, und reichte jedem Obmanne die Hand.
    Dann stieg er von dem Pferde, und ließ es zu einem der Stände der Pferdeumzäunung führen, die man hergerichtet hatte.
    Die Reiter stiegen auch von den Pferden, und stellten sie in die Umzäunung.
    Die Scharen pflanzten ihre Zeichen in die Erde, lösten sich auf, blieben auf dem grünen Platze, traten hie und da zusammen, und sprachen mit einander.
    Witiko war unter ihnen.
    Nach einer Zeit wurde mit einem Horne das Zeichen gegeben, daß nun das Mahl beginne. Die Krieger und manche andere Männer aus Plan und aus Stellen des Waldes setzten sich an die Tische. An der rechten Seite Witikos saß der alte Pfarrer, an der linken der Richter von Plan. Die Speisen wurden von den Herdstellen, die errichtet waren, herbei gebracht, die Getränke wurden aus den Fässern geholt, und auf den Tisch gestellt. Es waren Braten von zahmen und wilden Tieren, es waren Fische und Kuchen da. In den Trinkgefäßen war Bier, Met und Wein. Für die Menschen, welche herzu gekommen waren, wurde auf dem Anger ein Rind gebraten, und jeder konnte sich ein Teil für seinen Hunger abschneiden, und er konnte sich ein Stück Brotes von dem Haufen der Laibe nehmen, der daneben lag. In Fässern war Bier und Met, und wer ein Gefäß hatte, oder wem eines, wie sie neben den Fässern waren, geliehen wurde, der konnte es sich für seinen Durst füllen lassen. Manche Menschen hatten selber Feuer angezündet, und bereiteten Speisen.
    Nach dem Mahle waren verschiedene Spiele im Laufen, Springen, Klettern, Ringen und andern Dingen. Es erschollen Klänge aus Pfeifen, Zimbeln, Fiedeln und Hörnern, und die jungen Männer und die schön gekleideten Mädchen des Waldes begannen Tänze auf dem grünen Rasen, und mancher ältere Mann tanzte auch noch mit seiner Ehefrau oder mit einer andern. Lambert, der Zimbelschläger, stand mit seinem Schwerte gegürtet an der Zimbel, und sandte ihre Töne für die Tänzer über die grüne Weide. Tom Johannes, der Fiedler, ging von einem zum andern, und sagte, wie Töne und Klänge zu Tänzen beschaffen sein müssen. Zu den Klängen der Tänze mischten sich dann auch Gesänge. Lieder erschallten, von einzelnen gesungen oder im Wechselgesange, oder im Gesange von mehreren. Auch jenes Singen ohne Worte, wie es Witiko von Bertha und ihrer Singgespanin gehört hatte, erhob sich, und zog durch die Lüfte. Und wie die Söhne des Waldes stets das Jauchzen üben, um sich zu rufen, um sich zu necken, oder eine Lust durch die Zweige fliegen zu lassen, erklang unter den Tönen manch ein Jauchzen, und suchte sich besonders preiswürdig zu machen.
    Als die Krieger von den Tischen aufgestanden waren, ging Witiko mit dem Pfarrer und mehreren Männern unter den Leuten herum, und sprach mit vielen. Er ging auch zu denen hinaus, die außerhalb der Schranken waren, um mit ihnen zu sprechen, und zu sehen, ob es an nichts gebreche, oder ob keiner eine Störung veranlasse.
    Gegen den Abend ritt Witiko mit dem größten Teile der Krieger und Gäste nach Plan zurück. Andere blieben noch auf der Weide an der Moldau, und erlustigten sich bis in die Nacht hinein.
    Am nächsten Tage zogen

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