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Werke

Werke

Titel: Werke Kostenlos Bücher Online Lesen
Autoren: Adalbert Stifter
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Plane sein kann, so wirst du bei uns bleiben.«
    »Ich werde erwägen, was meine Gedanken mir eingeben«, sagte Witiko.
    »Und ich werde die Gegend fleißig betrachten und durchsuchen«, sprach Tom Johannes, der Fiedler.
    »Und dann bitten wir dich noch, hoher Herr«, sagte der Pfarrer, »wir möchten ein Häuslein bauen, darin die Kinder Gott fürchten lernen, und Anweisung in nützlichen Dingen erhalten.«
    »Wie ihr mir bei meinem Baue geholfen habt, werde ich euch bei diesem helfen und helfen lassen«, antwortete Witiko.
    »Du wirst dir aber kein so grobes Haus bauen, wie Rowno den Turm hat, oder Osel die runden Mauern, oder Diet die Scheuern und Ställe«, sagte Peter Laurenz, der Schmied.
    »So sprich nicht so«, sagte Tom Johannes, der Fiedler, »Witiko ist ein höherer Mann als Rowno und Osel und Diet, und das Schloß wird in dem Walde prangen, und es werden manche Männer mit reden, ehe es fertig wird.«
    »Und wir werden bei dem Einzuge gegenwärtig sein, und Heil rufen«, sprach David, der Zimmerer.
    »Ihr werdet bei mir sein, wie ihr in der Schlacht an meiner Seite waret«, sagte Witiko, »und werdet die Gastlichkeit meines neuen Hauses nicht verschmähen.«
    »Und wenn einer in die Schlacht wollte, und nicht mehr konnte, weil sie ihm in einer andern die Glieder verdorben haben«, sagte Tom Johannes, der Fiedler.
    »So wird er mit den verdorbenen Gliedern mir willkommen sein«, antwortete Witiko.
    »So ist es schön und recht«, sagte Tom Johannes.
    »Das ist sehr schön und recht«, sagte Stephan, der Wagenbauer.
    »Und so machen wir es, wie wir beschlossen haben«, sagte der Schmied, »und sagen den andern, wie alles ist.«
    »Gehabe dich wohl, hoher Herr«, sagte der Pfarrer, »wir gehen jetzt, und wissen, daß du uns zugetan bist.«
    »Ja«, sagte Witiko, »ich bin allen im Walde zugetan, und habe die Krieger des Waldes geehrt.«
    »Ja, du hast sie geehrt«, sprach der Schmied, »und so gehabe dich wohl.«
    »Gehabt euch wohl«, entgegnete Witiko.
    Die Männer erhoben sich, und verließen die Stube.
    Witiko ging an diesem Tage in einige Häuser von Plan, und aß dort von ihrem Brote und Salze.
    Und am Abende kamen wieder Männer zu ihm, und saßen mit ihm auf seiner Gasse.
    Und so geschah es alle Tage.
    In diesen Tagen bildete sich Witiko ein kleines Geleite von Männern, welche sich ihm hiezu anboten. Es waren Augustin, Urban und Mathias unter ihnen, welche im Kriege seine Befehlsträger gewesen waren. Er machte auch Vorbereitungen zu einem Waldesdankfeste.
    Dann ritt er mit seinem Geleite an alle Stellen des Waldes, von denen Abteilungen während des Krieges in seinen Scharen gewesen waren, und dankte ihnen, und lud sie zu seinem Feste in den oberen Plan ein. Von diesen Stellen schlossen sich mehrere Männer seinem Geleite an. Darunter war Sifrid von Milnet. In Plan wurden für das Geleite Lagergezelte errichtet.
    Auf der großen grünen Weide an den Ufern der Moldau wurde der Platz zu dem Feste gerüstet. Es wurden Schranken gezogen, es wurden aus Brettern und Latten Tische und Bänke gemacht, es wurde ein Altar gebaut, es wurden Gezelte aufgezogen, und Räume für neue Gezelte angewiesen, und es wurden Plätze zur Bereitung von Speisen tauglich gemacht.
    An dem Tage vor dem Feste kamen sehr viele Menschen in den oberen Plan. Alle Abteilungen von Kriegern, wie sie gekommen waren, um an dem Zuge gegen Mähren Teil zu nehmen, zogen mit ihren Zeichen heran. Sie machten unter den Föhren, welche im Morgen von Plan standen, ein Lager. Aus allen Waldstellen, von denen sie gekommen waren, gingen auch andere Menschen nach Plan: Greise, Weiber, Jungfrauen, Kinder, um zu sehen, was da werden würde. Von der oberen Moldau kamen Leute herunter, und von Baiern kamen viele herein. Von den Männern, die in dem tiefen Walde sind, davon einige Pech brechen, andere Fallen stellen, um Pelztiere zu fangen, andere Teer brennen, andere Honig suchen, andere Wurzeln und Kräuter sammeln, um sie den Säumern zu verkaufen, ging mancher hinaus, um zu sehen, wie ein Herr des Waldes aussieht. Diese Leute lagerten auf den freien Feldern, und zündeten Feuer an, um sich ihre Speisen zu kochen.
    Am frühen Morgen des Festtages hieß Witiko die Männer von Plan, welche mit ihm in dem Kriege gewesen waren, und alle die andern Scharen des Waldes vor der Kirche sich sammeln, wie damals, da sie nach Mähren gezogen waren. Als sie vor der Kirche standen, ritt Witiko in seinem Ledergewande zu ihnen. Und als er vor ihnen war, sprach er:

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