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Werke

Werke

Titel: Werke Kostenlos Bücher Online Lesen
Autoren: Adalbert Stifter
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fällt, wie leicht ein schlechter Gatte oder Hausfreund seinen Schmutz schreiben kann – und die Guten merken es lange nicht oder erst, wenn es zu spät ist, ihn wegzulöschen. Andere werden freilich unterrichtet, aber obiges Blatt wird dann eine bunte Musterkarte von unnützen Künsten und Fertigkeiten, die man unordentlich und oberflächlich darauf malte.
    Es ist ein schweres Ding um die rechte, echte Einfalt und Naturgemäßheit – zumal jetzt, wo man bereits schon so tief in die Irre gefahren ist.
    Wie manche warme und großgeartete Seele in diesem Geschlechte mag darben und dürsten, so lange sie lebt bloß angewiesen an den Tand, den ihr der Herr der Schöpfung seit Jahrtausenden in die Hände gibt.
    Doch genug hievon.
    Lächerlich ist es oft, die heitere, überfröhliche Emma ihr gegenüber sich bemühen zu sehen, Bänder und Kleider und Stickereien und dergleichen geltend zu machen. Sie läßt sie in allem gewähren und ist stets mild und freundlich, und am Ende merkt doch das kleine, hocherrötende Trotzköpfchen, daß es widerlegt ist.
    Ob es Angela ahnt, wie sehr ich sie liebe, weiß ich nicht, aber vermute es – nur in ihrer einfältigsten Natürlichkeit kennt sie gewiß den Stachel nicht, der ewig leise fortschmerzend mir im Herzen sitzt; denn es freut sie, in mir einen ihr gleichgestimmten Menschen gefunden zu haben, und als solchen liebt sie mich auch und zeigt es unverhohlen vor allen – selbst neulich, in einem Kreise von Frauen und Männern, reichte sie mir ohne Umstände die Hand, die keiner von den Anwesenden je zu berühren wagte, und sagte, daß sie sehr erfreut sei, daß ich gekommen. Ich merkte es deutlich, wie mitleidig man diese Ungehörigkeit mit ansah. Wir reden oft stundenlang mit einander, und sachte geht dann ein Tor nach dem andern von den innern Bildersälen auf; sie werden gegenseitig mit Freude durchwandelt; ganze Wände voll quellen vor und schwärmen, und wenn dann plötzlich manche Götterform vorspringt, längst gehegt, geträumt und geliebt im eignen Innern – und wenn nun das Doppelkleinod jubelnd hervorgezogen wird – und endlich immer mehrere und schönere derlei kommen, so steht auch in ihrem Auge ein so schöner Strahl der Freude, daß sie ihn vergißt zu bergen und ihn als arglos liebevoll in das meine strömen läßt. Das ist das Hohe einer naturgerecht entwickelten Seele, daß jenes kranke, empfindelnde und selbstsüchtige Ding, was wir Liebe zu nennen pflegen, was aber in der Tat nur Geschlechtsleidenschaft ist, vor ihr sich scheu verkriecht – und das ist der Adel der rechten Liebe, daß sie vor tausend Millionen Augen offen wandelt und keines dieser Augen sie zu strafen wagt.
    Luciens Geist ist ihr am verwandtesten, oder vielmehr, es mögen es viele sein, jedoch sie wurden nicht wie diese zu ihr hinangebildet. Emma, wie sehr auch noch ein Kind, zeigt doch schon Spuren, wie unwiderstehlich das gelassen fortwirkende Beispiel eingreift. Daß man es wagt, in gewissen Kreisen, ja fast in allen, den Stab über Angela zu brechen, wirst du wohl begreifen; unserer weiblichen Zeit steht sie zu weit voraus – ja sogar, da nie ein starker oder gar sündiger Affekt an ihr sichtbar wird, oder jenes Aufkreischen oder Herumspringen, was Natur und Lebhaftigkeit sein soll, so nennt man sie kalt, sie, in deren Auge allein, wenn es in irgendeinem Augenblick zum Verkünder ihres Innern wird, in einer Sekunde mehr Dichtungsfülle liegt als in dem Herzen anderer das ganze Leben hindurch. Diese Augen verrieten mir auch etwas, was ihr Mund bisher verschwieg – nämlich es ist mir außer allem Zweifel, daß irgendein Weh in ihrem Leben Liegt und bei gelegentlicher Erregung auf ihr Herz drückt; denn in eben diesen Augen sah ich schon ein paar Mal, zufällig erregt, nur gleichsam durchgleitend und schnell bekämpft, einen tiefen, deutlichen Blick der Trauer und Wehmut, was um so mehr wirkt, weil sie sichtlich einen solchen Augenblick zu vermeiden sucht oder unterdrückt.
    Ich forsche nicht; aber es erschreckte mich, als ich sie vorgestern abends am Apfelbaume lesend fand; ich war ungehört näher gekommen, und als ich sie grüßte, schlug ein erschrockenes Auge zu mir empor, das offenbar nicht gelesen hatte, und das zu schnell in die größte Freundlichkeit überging.
    Aber sei es genug – wer stellt mich auch zum Wächter ihrer Augen auf?
    Eine Narrheit von mir muß ich Dir noch melden, lieber Titus. Wenn mir dieser Tage her irgendein Mann mit einem spanischen Rohre begegnet und dem

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