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01 - Nacht der Verzückung

01 - Nacht der Verzückung

Titel: 01 - Nacht der Verzückung Kostenlos Bücher Online Lesen
Autoren: Mary Balogh
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lehnte mich gegen mein vermeintliches Schicksal
auf. Selbst wir privilegierten Aristokraten tun das, Lily. Ich hatte ihr
geraten, nicht auf mich zu warten.«
    »Also
war ich Teil deiner Rebellion?«, fragte sie, als ihr klar wurde, dass er seinem
früheren Leben, seinen Eltern, gewiss keine gewaltigere Abfuhr hatte erteilen
können, als die Tochter eines Sergeants zu heiraten.
    »Nein,
Lily.« Er sah sie missbilligend an. »Nein, das warst du nicht. Ich habe dich
geheiratet, weil die Notwendigkeit bestand, weil ich es deinem Vater versprochen
hatte. Und weil ich es wollte.«
    ja. Es
war die Wahrheit. Sie durfte nicht glauben, dass er sie mit einem gewissen
Zynismus ausgewählt hatte. Er hatte sie geheiratet, weil er ein guter und
ehrenhafter Mann war. Und weil er es gewollt hatte. Was bedeutete das?
    »Aber
die ganze Zeit hattest du sie gern«, sagte sie.
    »Ja,
Lily.«
    Es war
ihrer Aufmerksamkeit nicht entgangen, dass er ihre ursprüngliche Frage nicht
wirklich beantwortet hatte. Liebte er die Frau, die Lauren hieß? Erkannte er
jetzt, welchen fürchterlichen Fehler er begangen hatte, als er sie heiratete,
selbst wenn er es in einem impulsiven Moment so gewollt hatte?
    »Und
heute hättest du sie geheiratet«, sagte sie.
    »Ja.«
Er hatte den Blick nicht von ihr genommen. »Ich kenne sie schon mein ganzes
Leben, Lily. Sie hat auf mich gewartet. Mein Vater starb und ich kehrte hierher
zu meinen Aufgaben zurück. Eine meiner Pflichten war es zu heiraten, um Newbury
Abbey eine neue Gräfin zu geben. Und um Kinder in die Welt zu setzen,
insbesonders einen Erben. Mein rebellisches Leben war vorbei. Und du warst tot.«
    »Du
hast niemandem von mir erzählt.« Es war keine Frage. Sie drehte sich um und
berührte den weichen Brokat der Bettvorhänge. So schwer und so aufwendig. So
anders als alles, was sie jemals in ihrem Leben gekannt hatte. Sie wünschte
sich, sie wäre in Portugal geblieben. Sie wusste zwar nicht, was sie dort hätte
tun sollen, aber sie wünschte sich, sie wäre nicht hierher gekommen. Vielleicht
hätte sie sich dann ihren Traum bewahren können ...
    »Lily«,
sagte er als habe er ihre Gedanken gelesen, »tief in meinem Inneren habe ich um
dich getrauert. Ich bin nicht betrübt, dass du überlebt hast. Ganz und gar
nicht, mein Liebes. Wie könnte ich?«
    Nein,
er war ein guter Mann. Er hatte sie stets mit Zärtlichkeit und Höflichkeit
behandelt, selbst als sie ein kleines Mädchen gewesen war und einigen
bestenfalls als bedeutungsloses Anhängsel, schlimmstenfalls als Plage
erschienen war. Natürlich würde er sich niemals ihren Tod wünschen, obwohl ihr
Überleben auf dem geraden Pfad seiner Zukunft ein Hindernis errichtet hatte.
    »Es ist
nicht so, dass ich aus Gleichgültigkeit niemals von dir erzählt habe«, sagte
er. »Es ist nicht so, dass ich Lauren heute Morgen aus Gleichgültigkeit dir
gegenüber heiraten wollte, nur anderthalb Jahre nach deinem ... nach deinem
Tod. Bitte glaube mir.«
    Sie
glaubte ihm. ja, er hatte etwas für sie empfunden. Genug, um sie zu heiraten.
Genug, um ihr in ihrer Hochzeitsnacht jene Zärtlichkeiten zuzuflüstern. Genug,
um sie zu betrauern. Aber wenn er gestorben wäre, dachte sie, hätte sie für den
Rest ihres Lebens um ihn getrauert. Sie würde niemals, könnte niemals ... Aber
wie konnte sie da so sicher sein? Woher nahm ausgerechnet sie das Recht zu
urteilen? Inzwischen gab es ein Hindernis, das noch unüberwindlicher schien als
die Tatsache, dass er Graf von Kilbourne war und sie die ehemalige Lily Doyle.
    »Ich
...« Sie schluckte. »Du weißt, was mit mir in Spanien geschehen ist, oder? Du
hast es heute Morgen wirklich verstanden?«
    Sie
konnte spüren, wie er sie lange ansah, während ihre Hände mit dem umklöppelten
Saum des Vorhangs spielten. »War es ein Mann, Lily«, fragte er. »Oder waren es
viele?«
    »Einer.«
Manuel, der Anführer. Der kleine, drahtige, verwegen gut aussehende Manuel, der
seine Männer durch Kühnheit und Ausstrahlung und gelegentliche Erniedrigungen
beherrschte. »Ich bin zu dir nicht aufrichtig gewesen.«
    »Es war
Vergewaltigung«, sagte er barsch.
    »Ich
... ich habe mich niemals gewehrt«, erklärte sie ihm. »Einige Male habe ich
nein gesagt und war fest entschlossen, eher zu ... zu sterben, als mich zu
unterwerfen, aber als es dazu kam, wehrte ich mich nicht.« Es belastete ihr
Gewissen, dass sie sich nicht heftiger gegen ihren Häscher gewehrt hatte.
    »Sieh
mich an, Lily«, sagte er mit der ruhigen, gebieterischen

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