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01 - Nacht der Verzückung

01 - Nacht der Verzückung

Titel: 01 - Nacht der Verzückung Kostenlos Bücher Online Lesen
Autoren: Mary Balogh
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für jeden ein Lächeln
und ein freundliches Wort hatte? Die in der trostlosesten Umgebung noch
Schönheit fand? Es gibt nichts, was gerade du nicht möglich machen könntest.
Und ich werde dir helfen. Auf jenem Bergrücken in Portugal haben wir aus
freien Stücken unsere Leben verbunden. Wir müssen da durch, Lily. Wir haben
keine andere Möglichkeit. Und ich weiß nicht einmal, ob ich mir eine wünsche.«
    Sie
wusste nicht, ob sie jene alte Lily wieder auferstehen lassen konnte. Aber sie
erwärmte sich an seinem Vertrauen in sie.
    »Vielleicht«,
sagte sie und versuchte ein Lächeln, »bin ich bloß müde und erschöpft.
Vielleicht sieht am Morgen alles schon viel freundlicher aus. Es war für uns
beide ein schwieriger Tag. Ich danke dir für deine Güte. Du warst sehr
freundlich.«
    »Du
möchtest lieber allein sein?«, fragte er sie. »Ich werde bleiben und dich die
ganze Nacht lang halten, wenn es dir hilft, Lily. Ich werde dich nicht
bedrängen.«
    Es war
verlockend. Es wäre so einfach, sich dauerhaft auf seine Güte und Kraft zu
stützen und in gewisser Weise so unterwürfig zu werden, wie sie es bei Manuel
gewesen war. Aber wenn sie einen Weg finden wollte, mit diesem neuen,
beängstigenden, unmöglichen Leben fertig zu werden, durfte sie nicht dem
Bedürfnis nachgeben, in seinen Armen Trost zu finden - besonders dann
nicht, wenn sie nicht mehr als das von ihm wollte.
    »Ich
möchte lieber allein sein«, sagte sie.
    Er
drückte ihre Hände, bevor er sie losließ und sich erhob. »Dann also gute
Nacht«, sagte er. »Solltest du mich brauchen, heute Nacht oder morgen oder wann
auch immer, mein Ankleidezimmer liegt neben deinem und dahinter mein
Schlafgemach. Wenn du irgendetwas anderes benötigst, der Klingelzug befindet
sich neben deinem Bett. Dein Dienstmädchen wird sofort erscheinen.«
    »Danke«,
sagte sie. »Gute Nacht.«
    Sie
fragte sich plötzlich, wie seine ursprüngliche Braut Lauren -sich wohl
fühlte in dieser Nacht. Liebte sie ihn? Lily empfand echtes Mitleid für sie,
die an ihrem Unglück völlig unschuldig und absolut hilflos war. Dies hätte ihre
Hochzeitsnacht sein sollen, aber an ihrer Stelle schlief Lily in den Gemächern
der Gräfin.
    Alles
war so entsetzlich verkehrt.

Kapitel 8
    Lily hatte tagsüber
zu viel geschlafen. Sie schlummerte mit Unterbrechungen durch die Nacht und
wachte zweimal von demselben Traum auf - ihrem altbekannten Alptraum. Er
war immer bis in jede Einzelheit gleich.
    Manuel
war auf ihr und dann öffnete sie die Augen und sah ihn - Major
Newbury, Neville - auf der Schwelle der Hütte stehen und sie beobachten.
Er hatte diesen Gesichtsausdruck, den sie manchmal unmittelbar nach einer
Schlacht gesehen hatte, jenen harten, kalten, kampfwütigen, fast unmenschlichen
Ausdruck, und seine Hand krampfte sich um den Griff seines Säbels. Er war im
Begriff, Manuel zu töten und sie zu retten. Verzweifelte Hoffnung keimte in ihr
auf, während sie versuchte, ruhig liegen zu bleiben, um Manuel nicht zu warnen.
    Der
Traum nahm immer den gleichen Verlauf. Er stand dort, aschfahl im Gesicht und
für endlose Augenblicke regungslos, bis er sich abwandte und verschwand und sie
wertvolle Minuten verlor, während Manuel sich an ihr vergnügte.
    In
ihrem Traum konnte sie Neville unbehelligt nachlaufen, sobald Manuel mit ihr
fertig war, aber ihre Beine waren immer zu schwach, sie zu tragen, und die Luft
immer zu dick, um sie zu durchdringen. Sie hatte keine Stimme, mit der sie nach
ihm rufen konnte, und sie konnte niemals sehen, wohin er gegangen war, welche
Richtung er eingeschlagen hatte. Immer umgab sie Nebel und die Panik machte sie
bewegungsunfähig. Und dann - der grausamste Teil des Traumes -
lichtete sich plötzlich der Nebel und da war er, nur ein paar Schritte
entfernt, bewegungslos und kehrte ihr den Rücken zu.
    In dem
Traum blieb auch sie immer an dieser Stelle stehen, voller Angst weiterzugehen,
voller Angst, nach ihm zu greifen, voller Angst vor dem, was in seinen Augen zu
sehen wäre, wenn er sich umdrehte. Dies war der Moment des Traumes, den sie am
meisten fürchtete, der letzte Moment, bevor sie in die furchtbaren Tiefen der
Verzweiflung stürzte. Denn während jener Sekunde der Unentschlossenheit waberte
der Nebel erneut auf und Neville war auf Nimmerwiedersehen verschwunden.
    In
ihrer ersten Nacht auf Newbury Abbey träumte sie diesen Alptraum zweimal.
    Noch
vor Morgengrauen stand sie auf, machte ihr Bett, wusch sich im Ankleidezimmer
mit kaltem Wasser und zog ihr altes,

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