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031 - Die Stunde der Ameisen

031 - Die Stunde der Ameisen

Titel: 031 - Die Stunde der Ameisen Kostenlos Bücher Online Lesen
Autoren: Dämonenkiller
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schwarze Gestalt schüttelte leicht den Kopf. »Es war niemand da«, erklärte sie mit heiserer Stimme. Dann trat sie plötzlich auf mich zu und musterte mich kurz. Hinter den Augenschlitzen der Maske glomm ein fahles Licht auf. Doch ehe meine Geschwister etwas davon bemerkt hatten, war es auch schon wieder erloschen. Der Hüter trat an seinen Platz zurück und bewegte sich nicht mehr.
    »Was nun?« fragte Vera.
    »Lydia wird versuchen, Adalmar zu erreichen«, sagte Georg. »Ich fahre zu Skarabäus Toth. Coco wird mich begleiten.« Die nächsten Sätze sagte er leise, so daß Volkart sie nicht hören konnte: »Kümmert euch um euren Bruder. Er ist am schlimmsten von Demians Tod betroffen.«
    Vera und Lydia nickten.
    »Komm, Coco!« drängte Georg. »Wir gehen.«
    Da schaltete sich plötzlich der Hüter des Hauses ein. »Sie soll hierbleiben.« Doch als Georg ihn verwundert nach dem Grund seines Einwands fragte, wich er kühl aus. »Sie soll bleiben«, wiederholte er. »Es ist besser so.«
    Doch Georg hörte nicht auf ihn. Statt dessen packte er mich am Ellbogen, und gemeinsam traten wir in den Garten. Es war ein warmer Frühlingstag. Die Blumenbeete boten einen herrlichen Anblick. Auf der Gasse sahen wir uns beide genau um, doch nichts Verdächtiges war zu bemerken. Georg klemmte sich hinter das Lenkrad, und ich stieg auf der Beifahrerseite ein. Während der Fahrt zu Skarabäus Toth dachte ich nach. Ein halbes Jahr lang hatte ich das Haus meiner Eltern nicht verlassen dürfen, nachdem ich Asmodi beim Sabbat zu täuschen versucht hatte. Zudem war Rupert Schwinger nicht von meiner Seite gewichen. Dieser Zustand hatte so an meinen Nerven gezerrt, daß ich immer mehr meine Fälligkeiten verlor und sichtlich verfiel. Das war meinem Vater nicht verborgen geblieben. Er hatte sich an Skarabäus Toth gewandt und ihm von meinem Verfall berichtet. Toth war es gelungen, sich mit Asmodi in Verbindung zu setzen, der gestattete, daß der Bann von mir genommen wurde. Ich durfte mich wieder frei bewegen, und der Hüter des Hauses verfolgte mich nicht mehr auf Schritt und Tritt. Trotzdem führte ich ein eintöniges Leben. Gelegentlich ging ich spazieren, ins Kino oder in ein Lokal, ohne mich jedoch mit normalen Menschen abzugeben. Meine Geschwister wurden zu Gesellschaften eingeladen, doch ich durfte nie mitkommen. Ich hatte keine Freunde in der Schwarzen Familie; niemand wollte etwas mit mir zu tun haben. Nicht einmal meine Geschwister mochten mich besonders.
    Doch ich hatte mich an diesen Zustand gewöhnt. Ich lebte in einer eigenen Welt, in der sich meine Phantasie mit der Realität vermischte. Stundenlang gab ich mich Tagträumen hin, und ich wurde immer unsicherer und verschlossener. Ich las viel, verbesserte mein Englisch und Italienisch. Aber im Grunde meines Herzens war ich zutiefst unglücklich. Fast war ich froh über Demians Tod, da jetzt vielleicht wenigstens etwas Abwechslung in mein Leben kommen würde. Auf einmal wurde ich von meiner Familie gebraucht – ein Gefühl, das ich in meinem bisherigen Leben nicht oft gehabt hatte.

    Skarabäus Toth wohnte in einem zweistöckigen Haus in der Schönbrunner Straße. Es war abgesperrt und mit einem magischen Schloß gesichert. Bevor Georg auf die Klingel drücken konnte, sprang das Tor auf. Er trat ein, und ich folgte ihm. Eine breite Wendeltreppe führte hinauf in den ersten Stock. Ein hübsches, rotblondes Mädchen öffnete die Tür zu Toths Arbeitsräumen. Ich musterte die Frau genauer. Sie war ebenfalls ein Mitglied der Schwarzen Familie, das stand für mich fest.
    »Herr Toth erwartet Sie bereits.«
    Wir durchquerten eine geschmackvoll eingerichtete Diele und traten in ein riesiges Arbeitszimmer. Hinter einem gewaltigen Schreibtisch saß Skarabäus Toth. Bei unserem Eintritt stand er langsam auf und kam uns entgegen. Klapperdürr wie der wandelnde Tod sah er aus, und seine Stimme klang wie das Rascheln verwelkter Blätter.
    »Herzlich willkommen!« sagte er und deutete auf eine bequeme Sitzgarnitur in einer Ecke des großen Zimmers. Er wartete, bis wir Platz genommen hatten, und ließ sich dann uns gegenüber nieder. Die knochigen Hände in den Schoß legend, lehnte er sich zurück und ließ seinen Blick aufmerksam über unsere Gesichter schweifen. »Was kann ich für Sie tun, Herr Zamis?«
    Mein Bruder beugte sich erregt vor. »Demian, einer unserer Brüder, wurde vor einer Stunde getötet, und zwar mit Hilfe Schwarzer Magie.«
    In Toths dunklen Augen glomm es unvermittelt

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