09 - Befehl von oben
angeklagt hat«, antwortete Jack. »Dann wird ein anderer diese Entscheidungen treffen, Gott helfe ihm. Senatoren, meine Frau ist gerade jetzt in Hopkins, fährt ihre Schichten bei der Behandlung dieser Opfer. Das gefällt mir auch nicht. Ich möchte Unterstützung von Ihnen. Es ist hier oben für mich ein einsamer Stand, aber ob Sie nun Ihren Präsidenten unterstützen oder nicht, ich muß mein Bestes geben. Ich sage es nur noch einmal: Wer eine bessere Idee hat, läßt sie hören.«
Aber keiner hatte eine. Sowenig Zeit er auch gehabt hatte, mit dieser Lage zurechtzukommen, sie hatten noch weniger.
*
Die Air Force hatte für sie Tropen-Uniformen aus dem Andrews Post Exchange - ein mittleres Kaufhaus - organisiert, da ihre WashingtonKleidung für tropische Gefilde ein wenig zu schwer war. Das war auch eine gute Tarnung. Clark trug die silbernen Adler eines Colonel, und Chavez war ein Major, komplett mit silbernen Pilotenflügeln und Kampagne-Spangen, die von der Crew ihrer VC-2oB gespendet wurden. Tatsächlich gab es zwei Sätze Piloten. Die Crew in Reserve schlief in den beiden vordersten Passagiersitzen.
Die Militärversion des Gulfstream Busineß-Jets hatte eine Tonne Kommunikationsgerät an Bord, mitsamt Sergeant zur Bedienung. Die Dokumente, die über die Anlage reinkamen, drohten die Papiervorräte zu erschöpfen, als sie über Kap Verde in Richtung Kinshasa flogen.
»Zweiter Stopp Kenia, Sir.« Der Funk-Sergeant war eine echte Intelligence-Spezialistin: Sie konnte alles lesen, was reinkam. »Sie müssen mit einem Mann über einige Affen reden.«
Clark nahm das Blatt - schließlich war er der Colonel. Dann reichte er es an seinen Partner weiter.
»Check das mal«, sagte Clark.
»Ist ein Hinweis, Mr. C«, sagte Ding sofort. Sie sahen sich an. Dies war ja purer Nachrichtendienst, eine der wenigen solchen Missionen, auf die man sie geschickt hatte. Sie sollten für ihr Land lebenswichtige Informationen sammeln, nichts weiter. Bis jetzt. Sie verloren darüber kein Wort, aber beide hätten nichts dagegen gehabt, mehr zu tun. Sie waren zwar Feldoffiziere im CIA-Direktorium für Operationen, beide waren aber auch ehemalige Frontsoldaten (in Clarks Fall ehemaliger SEAL), die oft genug in die paramilitärische Seite des DO reingerutscht waren, wo sie Sachen erledigten, die den reinen Gespenstern zu aufregend waren. Aber oft befriedigend, sagte sich Chavez. Sehr befriedigend.
Langsam lernte er, sein Temperament zu zügeln, das hielt ihn aber nicht davon ab, darüber nachzudenken, den zu finden, der sein Land attackiert hatte, und wie ein Soldat mit ihm zu verfahren.
»Sie kennen ihn besser als ich, John. Was wird er tun?«
»Jack?« Clark zuckte mit den Schultern. »Hängt davon ab, was wir für ihn finden, Domingo. Das ist unser Job, weißt du's noch?«
»Ja, Sir«, sagte der Jüngere ernst.
*
Der Präsident schlief in der Nacht nicht gut, obwohl er sich sagte, daß Schlaf eine Vorbedingung fürs Fällen guter Entscheidungen war - und das, betonten alle, war ja seine einzige echte Aufgabe. Am Vortag hatte er nur rund sechs Stunden gehabt, nach dem ermüdenden Zeitplan für Reisen und Reden, und jetzt fiel's Einschlafen schwer. Sein Stab und die Stäbe manch anderer Bundesbehörden schliefen weniger, denn die Exekutivbefehle mußten in der praktischen Welt umgesetzt werden. Das hieß Auslegung der Befehle im Kontext einer lebendigen Nation.
Schließlich kam noch die Komplikation hinzu, daß es mit den beiden Chinas ein Problem gab, dreizehn Stunden gegenüber Washington voraus; ein weiteres potentielles Problem mit Indien, zehn Stunden voraus; und im Persischen Golf, acht Stunden voraus; zusätzlich zur schweren Krise in den USA, die sich alleine schon über sieben Zeitzonen erstreckten - mehr, wenn man verbleibende Pazifik-Besitzungen mitzählte. Auf seinem Bett im Wohntrakt des White House, als Ryans Gedanken rund um die Welt tanzten, fragte er sich schließlich, um welchen Erdteil man sich keine Sorgen machen mußte. Um drei herum gab er es auf und stand auf, um in Freizeitkleidung im West Wing die Funkzentrale aufzusuchen, Mitglieder des Detail im Schlepptau.
»Was passiert?« fragte er den Befehlshabenden. Es war Major Charles Canon vom USMC, der ihn seinerzeit übers Attentat im Irak inforrniert hatte ... womit, im Rückblick, anscheinend alles begonnen hatte.
Leute wollten aus ihren Sesseln aufspringen, er winkte sie aber zurück. »Weitermachen.«
»Geschäftige Nacht, Sir«, sagte der Major. »Wir sind
Weitere Kostenlose Bücher