1197 - Der Psi-Schlag
Leuchtplatten unruhig, als gäbe es in der Energieversorgung eine Art Wackelkontakt.
Irmina und An musterten die Seitenwände, während sie mit angespannten Sinnen den Korridor betraten. Sie waren von rechteckigen, hellrot schimmernden Metallplatten in viele kleine Flächen unterteilt. Jede dieser Flächen besaß in der Mitte einen kreisförmigen transparenten Fleck ohne scharf abgegrenzten Rand.
Neugierig traten Irmina und An vor eine Metallplatte der linken Seitenwand. Sie war, wie alle anderen, etwa 2,50 Meter hoch und 1,50 Meter breit. Über ihr gab es bis zur Decke noch sieben weitere Platten. Angesichts dieser Dimensionen kamen die beiden Kundschafter sich winzig vor.
Sie blickten durch den transparenten Fleck und sahen eine Art Kammer, die fast so hoch war wie die ganze Platte, aber nur etwa einen Meter breit. Boden und Decke bestanden aus silberfarbenen metallischen Gitterrosten von je zehn Zentimetern Dicke. Links und rechts des Hohlraums gab es dichtgepackte elektronische oder positronische Elemente, die mit mechanischen Elementen gemischt waren. Gläserne Kabelenden und die Mündungen von Röhren hingen in den Hohlraum hinein.
„Seltsam!" sagte der Cygride.
Er beugte sich etwas zu weit vor, verlor das Gleichgewicht und stützte sich mit den Händen an der Metallplatte ab. Im nächsten Moment verschwand er - und tauchte auf der anderen Seite der Platte wieder auf.
Verblüfft starrte Irmina Kotschistowa auf An, der mit eingezogenem Kopf in der Kammer stand und anscheinend noch nicht wußte, was er von dieser Versetzung halten sollte.
Plötzlich verstärkte sich die Beleuchtung im Korridor, zwitschernde und zirpende Geräusche ertönten und die Kabelenden und Röhren bewegten sich schlängelnd und tastend auf Jercygehl An zu.
Der Cygride drehte sich um, und Irmina sah durch den transparenten Helm in sein dunkelrotes Blasengesicht und in seine schwarzen Augen, deren linsenförmige Pupillen schreckgeweitet waren. Plötzlich begriff auch sie, daß er sich in Gefahr befand.
Anscheinend wollten die Kabel und Röhren ihn an das elektronischmechanische System anschließen.
Fast gleichzeitig fingen er und sie an, die Metallplatte nach einem Öffnungsmechanismus abzusuchen. Aber es gab keinen, was leicht einzusehen war, wenn man bedachte, wie An in die Kammer geraten war.
Unterdessen tasteten die Kabelenden und Röhren auf Ans SERUN herum. Die zwitschernden und zirpenden Geräusche wirkten aufgeregt und hektisch.
Der Cygride gab die Suche nach einem Öffnungsmechanismus auf und stemmte sich gegen die Metallplatte.
„Tritt bitte ein paar Schritte zurück!" forderte er Irmina über die HzH-Verbindung auf, die weiter einwandfrei funktionierte.
Irmina folgte der Aufforderung. Sie vernahm Ans Schnaufen und Ächzen, als er versuchte, die Metallplatte herauszudrücken. Doch er erreichte nichts, obwohl ein Cygride die Kraft von fünf erwachsenen terranischen Männern besaß.
„Du wirst dich herausschneiden müssen", erklärte die Terranerin.
„Aber mit großer Vorsicht. Die Metallplatten fungieren als Transmitter. Das bedeutet, daß in ihnen fünfdimensionale Energien fließen."
„Ich weiß", erwiderte An. „Es könnte zu einer Explosion kommen.
Gewalt scheidet also aus. Als Armadist darf ich keine Einrichtung des Armadaherzens beschädigen."
„Aber wenn es keine andere Möglichkeit gibt, dich aus diesem Gefängnis zu befreien!" begehrte die Metabio-Gruppiererin auf. „Du kannst doch nicht da drin bleiben und verrotten wollen."
„Ich muß nachdenken", grollte der Cygride.
Irmina griff nach ihrem Kombilader, zog die Hand aber wieder zurück.
„Wie wäre es, wenn du deinen Schirmfeldprojektor aktiviertest?"
schlug sie vor. „Ein auf KONTUR geschalteter Paratronschirm macht dich zu einem ziemlich ,ungenießbaren' Fremdkörper für die Anlage."
„Es ist zumindest einen Versuch wert", meinte An.
Irmina wartete mit angehaltenem Atem. Sekunden später materialisierte der Cygride mitten im Korridor. Er taumelte, fing sich aber wieder und schaltete seinen Schirmfeldprojektor aus.
„Es hat mich ausgespuckt", stellte er fest. „Dein Vorschlag war gut. Danke, Irmina."
„Bedanke dich bei denen, die diese Anlage programmierten", erwiderte Irmina. „Sie waren intelligent genug, um für alle Fälle vorzusorgen. Anscheinend sind die Kammern für die Aufnahme von Zusatzgeräten vorgesehen und nicht für die Aufnahme von Raumfahrern."
„Zusatzgeräte?" sagte Jercygehl An nachdenklich. „Ich weiß
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