Bücher online kostenlos Kostenlos Online Lesen
12 - Im Schatten des Grossherrn 01 - Durch Wüste und Harem

12 - Im Schatten des Grossherrn 01 - Durch Wüste und Harem

Titel: 12 - Im Schatten des Grossherrn 01 - Durch Wüste und Harem Kostenlos Bücher Online Lesen
Autoren: Karl May
Vom Netzwerk:
den Nemsi gelehrt wird?“
    „Ja.“
    „Du wirst dich, solange du auf meinem Schiff bist, von keinem fremden Auge sehen lassen?“
    „Gut!“
    „Und das Deck auf meinen Befehl sofort verlassen, wenn ein anderes Fahrzeug in Sicht kommt?“
    „Ja.“
    „Du wirst mit deinem Diener kein Wort sprechen.“
    „Wo ist er?“
    „Hier auf dem Schiff.“
    „Gebunden?“
    „Nein, er ist krank.“
    „Er hat eine Wunde?“
    „Er ist am Arm verwundet und hat ein Bein gebrochen, daß er sich nicht erheben kann.“
    „So kann ich dir das verlangte Versprechen nicht geben. Mein Diener ist mein Freund, den ich pflegen muß; du wirst mir dies erlauben!“
    „Ich erlaube es nicht; aber ich verspreche dir, daß er gut verpflegt wird.“
    „Das genügt mir nicht. Wenn er das Bein gebrochen hat, so muß ich es ihm einrichten. Es ist wohl hier keiner, welcher das versteht.“
    „Ich selbst verstehe es. Ich bin so gut wie ein Dscherrah (Wundarzt); ich habe ihm seine Wunde verbunden und auch sein Bein geschient. Er hat keine Schmerzen mehr und ist mit mir zufrieden.“
    „Ich muß dies aus seinem Munde erfahren.“
    „Ich beteure es dir bei Allah und dem Propheten! Willst du mir nicht versprechen, nicht mit ihm zu reden, so werde ich dafür sorgen, daß du ihn nicht zu sehen bekommst. Aber ich habe noch mehr von dir zu verlangen.“
    „Fordere!“
    „Du bist ein Christ und wirst dich hüten, einen der Meinen zu verunreinigen?“
    „Gut.“
    „Du hast Freunde unter den Inglis?“
    „Ja.“
    „Sind es große Leute?“
    „Es sind Paschas unter ihnen.“
    „So werden sie dich auslösen?“
    Das war ja etwas ganz Neues! Also er wollte mich nicht töten, sondern sich meine Freiheit bezahlen lassen.
    „Wie viel verlangst du?“
    „Du hast nur wenig Gold und Silber bei dir; du kannst dich nicht selbst loskaufen.“
    Also er hatte meine Taschen doch untersucht. Was ich in den Ärmeln meiner türkischen Jacke eingenäht hatte, war von ihm nicht gefunden worden. Es wäre allerdings zum Lösegeld auch zuwenig gewesen. Daher antwortete ich:
    „Ich habe nichts; ich bin nicht reich.“
    „Ich glaube es, obgleich deine Waffen ausgezeichnet sind und du Instrumente bei dir führst, welche ich gar nicht kenne. Aber du bist vornehm.“
    „Ah!“
    „Und berühmt.“
    „Ah!“
    „Du hast es diesem hier auf dem Sambuk gesagt.“
    „Ich habe Spaß gemacht.“
    „Nein, du hast im Ernst gesprochen. Wer so stark ist und den Säbel so zu führen weiß, wie du, der kann nichts anderes sein, als ein großer Zabit (Offizier), für den sein Padischah gern ein gutes Lösegeld geben wird.“
    „Mein König wird meine Freiheit nicht mit Geld bezahlen; er wird sie umsonst von dir fordern.“
    „Ich kenne keinen König der Nemsi; wie also will er mit mir reden und mich zwingen, dich freizulassen?“
    „Er wird es durch seinen Eltschi (Gesandten) tun.“
    „Auch diesen kenne ich nicht. Es gibt keinen Eltschi der Nemsi hier in dieser Gegend.“
    „Der Gesandte ist in Stambul beim Großherrn. Ich habe ein Bu-Dscheruldu, das ihr hier Bjuruldu nennt, und bin also einer, der in dem Schatten des Sultans steht.“
    Er lachte.
    „Hier gilt der Padischah nichts; hier hat nur der Großscherif von Mekka zu gebieten, und ich bin mächtiger als diese beiden. Ich werde weder mit deinem König noch mit seinem Gesandten über dich verhandeln.“
    „Mit wem sonst?“
    „Mit den Inglis.“
    „Warum mit diesen?“
    „Weil sie dich auswechseln sollen.“
    „Gegen wen?“
    „Gegen meinen Bruder, der sich in ihrer Hand befindet. Er hat mit seiner Barke eines ihrer Schiffe angegriffen und ist von ihnen gefangen genommen worden. Sie haben ihn nach Eden (Aden an der Straße Bab-el-Mandeb) geschafft und wollen ihn töten; nun aber werden sie ihn für dich freilassen müssen.“
    „Vielleicht irrst du dich. Ich gehöre nicht zu den Inglis. Sie werden mich wohl in deinen Händen lassen und deinen Bruder töten.“
    „So stirbst du auch. Du kannst schreiben und wirst einen Brief an sie anfertigen, den ich ihnen übergeben lasse. Machst du den Brief gut, so werden sie dich auswechseln; machst du ihn aber schlecht, so hast du dich selbst getötet. Also überlege dir den Brief recht sehr; du hast noch viele Tage Zeit.“
    „Wieviele?“
    „Wir haben ein böses Meer vor uns; aber ich werde, so viel es angeht, auch des Nachts fahren. Wenn uns der Wind günstig bleibt, sind wir in vier Tagen in Dschidda. Von da bis in die Gegend von Sanah, wo ich mein Schiff

Weitere Kostenlose Bücher