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12 - Im Schatten des Grossherrn 01 - Durch Wüste und Harem

12 - Im Schatten des Grossherrn 01 - Durch Wüste und Harem

Titel: 12 - Im Schatten des Grossherrn 01 - Durch Wüste und Harem Kostenlos Bücher Online Lesen
Autoren: Karl May
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habe ein kurzes mit dir zu reden“, sagte er.
    „Sprich.“
    „Verweigerst du mir noch immer das Versprechen, keinen Fluchtversuch zu unternehmen?“
    „Ich bin kein Lügner und sage dir daher aufrichtig, daß ich fliehen werde, sobald sich mir eine Gelegenheit dazu bietet.“
    „Du wirst keine solche Gelegenheit finden; aber du zwingst mich, strenger mit dir zu verfahren, als ich möchte. Ich werde zwei Tage lang nicht an Bord sein; du darfst während dieser Zeit deine Kammer nicht verlassen und wirst mit gebundenen Händen unten liegen.“
    „Das ist hart.“
    „Ja; aber du trägst selbst die Schuld.“
    „Ich muß mich fügen.“
    „So kannst du gehen. Merke dir jedoch, daß ich Befehl geben werde, dich sofort zu töten, wenn du den Versuch machst, deine Fesseln wegzunehmen. Wärest du ein Rechtgläubiger, so würde ich dich bitten, mein Freund zu sein. Du bist ein Giaur, aber ich hasse und verachte dich nicht. Ich hätte deinem Versprechen Glauben geschenkt; du willst es aber nicht geben, und so mußt du nun die Folgen tragen. Gehe jetzt nach unten!“
    Ich wurde unter Deck geführt und dort eingeschlossen. Es war eine Pein, bei der da unten herrschenden Glut gefesselt liegen zu müssen; aber ich fügte mich darein, trotzdem mein Wächter seiner Rachsucht dadurch Genüge geschehen ließ, daß er mir weder Speise noch Trank brachte. Ich hoffte auf Halef, und zwar mit einer Spannung, wie ich sie so groß noch selten empfunden hatte. Meine Lage wurde dadurch, daß ich mich im Dunkeln befand, natürlich nicht verbessert. Ich hatte El Asr, El Mogreb und El Aschia beten hören; dann war eine lange, lange Zeit vergangen, und es mußte weit über Mitternacht sein, als ich endlich draußen vor meiner Tür ein leises Geräusch vernahm.
    Ich horchte angestrengt, vermochte aber nichts mehr zu hören. Sprechen durfte ich auf keinen Fall. Vielleicht war es auch bloß eine Ratte gewesen.
    Es blieb eine Weile ruhig; dann hörte ich Schritte nahen, denen jenes leise Rauschen folgte, welches entsteht, wenn ein Teppich oder eine Matte auf den Boden gebreitet wird. Was war das? Jedenfalls hatte mein Wächter sich vorgenommen, vor meiner Tür die übrige Nacht zuzubringen. Nun war es aus mit meiner Hoffnung, denn wenn Halef ja noch kam, so – – – aber horch! Was war das? Es gehörte die ganze Schärfe meines Gehörs dazu, um zu bemerken, daß der Holzriegel an meiner Tür langsam, langsam zurückgeschoben wurde. Einige Sekunden nachher hörte ich einen harten Schlag – ein Geräusch, als wenn jemand vom Boden empor wolle und doch nicht könne – ein kurzes, ersticktes Stöhnen, und dann erklang es draußen halblaut:
    „Sihdi, komm; ich habe ihn!“
    Es war Halef.
    „Wen?“ fragte ich.
    „Deinen Wächter.“
    „Ich kann dir nicht helfen, die Hände sind mir gebunden.“
    „Bist du an die Wand gebunden?“
    „Nein; hinaus zu dir kann ich.“
    „So komm, die Tür ist offen.“
    Als ich hinaustrat, fühlte ich, daß der Araber unter krampfhaften Zuckungen am Boden lag. Halef kniete auf ihm und hatte ihm mit den Händen den Hals zugeschnürt.
    „Fühle in seinen Gürtel, ob er ein Messer hat, Sihdi!“
    „Hier ist eins; warte!“
    Ich zog mit meinen hart am Gelenke gebundenen Händen das Messer hervor, nahm den Griff fest zwischen die Zähne und sägte mir die Fesseln entzwei.
    „Geht es, Sihdi?“
    „Ja, jetzt habe ich die Hände frei. Gott sei Dank, daß er noch nicht tot ist!“
    „Sihdi, er hätte es verdient.“
    „Und dennoch soll er leben! Wir binden ihn, geben ihm einen Knebel und legen ihn in meine Kammer.“
    „So wird er durch die Nase stöhnen und uns verraten.“
    „Ich nehme sein Turbantuch auseinander und wickele es ihm um das Gesicht. Laß jetzt ein wenig locker, so daß er Atem bekommt! – So – hier ist der Knebel – hier sein Gürtel, um Hände und Füße zu binden – laß den Hals los und halte seine Beine – – – so, fertig. Nun hinein mit ihm!“
    Ich atmete tief auf, als ich die Tür hinter dem Gefangenen verriegelt hatte und nun mit Halef an der Treppe stand.
    „Was nun, Sihdi?“ fragte er mich.
    „Wie kam das alles, jetzt?“
    „O, sehr einfach. Ich kroch aus dem Raum empor und horchte.“
    „Wenn sie dich entdeckt hätten!“
    „Sie bewachten mich nicht, weil sie denken, daß ich mich nicht regen kann. Da hörte ich, daß der Vater des Säbels mit zwölf Männern zunächst nach Dschidda gegangen ist. Er hat viel Geld mitgenommen, um es dem Großscherif in

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