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12 - Im Schatten des Grossherrn 01 - Durch Wüste und Harem

12 - Im Schatten des Grossherrn 01 - Durch Wüste und Harem

Titel: 12 - Im Schatten des Grossherrn 01 - Durch Wüste und Harem Kostenlos Bücher Online Lesen
Autoren: Karl May
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trat noch einen Schritt näher an ihn heran.
    „Meinen Kopf? Bist du wirklich Abu-Seïf oder bist du ein Henker?“
    „Ich bin Abu-Seïf und halte mein Wort. Nieder mit dir, oder ich lege dir den Kopf vor die Füße!“
    „Wahre deinen eigenen Kopf!“
    „Giaur!“
    „Korkakdschi!“
    „Was!“ zischte er. „Einen Korkakdschi, einen Feigling nennst du mich!“
    „Warum griffst du den Sambuk des Nachts an? Warum hülltest du deine Dschasusler (Spione) in Weiberkleider? Warum zeigst du hier Mut, wo du von den Deinen umgeben und beschützt wirst? Ständest du allein mir gegenüber, so würdest du anders mit mir reden!“
    „Ich bin Abu-Seïf, der Vater des Säbels, und zehn Männer deiner Sorte vermöchten nichts gegen meine Klinge!“
    „Aferihn – brav so! So muß man reden, wenn man sich zu handeln fürchtet.“
    „Zu handeln? Sind diese Zehn zur Stelle? Wäre dies der Fall, so wollte ich dir im Augenblick beweisen, daß ich die Wahrheit gesagt habe!“
    „Die Zehn sind nicht nötig; es genügt Einer.“
    „Wolltest du vielleicht dieser Eine sein?“
    „Pah, du würdest es nicht erlauben!“
    „Warum nicht?“
    „Weil du dich fürchtest. Du tötest mit dem Mund, nicht aber mit dem Säbel.“
    Ich hatte einen verstärkten Ausfall seines Zornes auf diese Worte erwartet, sah mich aber getäuscht. Er verbarg diesen Grimm hinter einer kalten, tödlichen Ruhe, nahm seinem Nachbar den Säbel vom Gürtel und reichte ihn mir.
    „Hier nimm und verteidige dich! Aber ich sage dir, selbst wenn du die Fertigkeit Asrams und die Stärke Kelads hättest, so würdest du beim dritten Hieb eine Leiche sein.“
    Ich nahm den Säbel.
    Es war eine eigentümliche Situation, in der ich mich befand. Der ‚Vater des Säbels‘ mußte nach orientalischen Begriffen ein ausgezeichneter Fechter sein, aber ich wußte, daß der Orientale durchschnittlich ein ebenso schlechter Fechter als schlechter Schütze ist. Mit der Fertigkeit Asrams und der Stärke Kelads war es wohl nicht gar so weit her. Ich hatte noch mit keinem Orientalen nach den Regeln der Fechtkunst die Klinge gekreuzt, und wenn mir auch der dargereichte, an der ‚halben und ganzen Schwere‘, also an der ‚Parierung‘ dünne, und an der ‚halben und ganzen Schwäche‘ so starke und schwere Säbel ziemlich ungewohnt war, so hatte ich dennoch große Lust, dem ‚Vater des Säbels‘ die Überlegenheit der europäischen Waffenführung zu beweisen.
    Die ganze Bemannung des Schiffes war uns nahe getreten, und in allen Mienen spiegelte sich die Überzeugung, daß ich wirklich bei dem dritten Hieb des Abu-Seïf ein toter Mann sein werde.
    Er drang so schnell, wild und regellos auf mich ein, daß ich keinen Moment Zeit hatte, Position zu nehmen. Ich parierte seine unreine Winkelquart und versuchte, mir sofort eine Blöße zu verschaffen; zu meinem Erstaunen aber ging er bei meinem Zirkelhieb ganz prachtvoll unter meiner Klinge durch. Er traversierte und gab eine Finte; sie gelang ihm nicht. Nun traversierte ich ebenso und schlug Espadon; mein Hieb kam zum Sitzen, obgleich es meine Absicht nicht war, ihn sehr zu verletzen. Voll Wut darüber vergaß er sich, trat zurück und gab im Sprung abermals Winkelquart; ich trat einen halben Schritt vor, setzte mit harter Festigkeit in die Linie ein, und – die Waffe flog ihm aus der Hand und über Bord in das Wasser.
    Ein Schrei erscholl ringsumher. Ich aber trat zurück und senkte die Waffe.
    Er stand vor mir und starrte mich an.
    „Abu-Seïf, du bist ein sehr geschickter Fechter!“
    Diese meine Worte brachten ihn wieder zu sich; aber ich sah gegen meine Erwartung nicht das Zeichen des Grimms, sondern nur der Überraschung in seinem Gesicht.
    „Mensch, du bist ein Ungläubiger und hast doch Abu-Seïf besiegt!“ rief er aus.
    „Du hast es mir leicht gemacht, denn dein Fechten ist kein edles und überlegtes. Mein zweiter Hieb kostete dich Blut, und mein dritter nahm dir die Waffe; ja, ich bin gar nicht zum dritten Hieb gekommen, während dein dritter mich töten sollte. Hier hast du den Säbel; ich bin in deiner Hand.“
    Diese – freilich gewagte – Appellation an seinen Edelmut hatte einen guten Erfolg.
    „Ja, du bist in meiner Gewalt, du bist mein Gefangener; aber du hast dein Schicksal in deiner eigenen Hand.“
    „Inwiefern?“
    „Wenn du tust, was ich von dir verlange, so wirst du bald wieder frei sein.“
    „Was soll ich tun?“
    „Du wirst mit mir fechten?“
    „Ja.“
    „Und es mich so lehren, wie es bei

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