2884 - Im Netz der Spinne
Rede.«
»Von Kindern«, wiederholte ich nachdenklich. »Das könnte natürlich auch einen anderen Grund haben.«
Patricia Banks klang erschrocken, als sie nun wieder das Wort ergriff. Ihrer Stimme war die Anspannung deutlich anzuhören.
»Glauben Sie, dass Liz O’Neill in die Entführungen verwickelt ist, Agent Cotton?«
»Ich bin FBI-Agent, Miss Banks. Ich halte mich an Fakten. Wir werden Sie informieren, sobald es Neuigkeiten gibt. Aber behalten Sie bitte die Dinge für sich, die Sie mir gerade mitgeteilt haben.«
Ich beendete das Telefonat. Phil hatte über Lautsprecher alles mitgehört. Er kam aus dem Kopfschütteln nicht heraus.
»Bisher habe ich Liz O’Neill nur für eine Nervensäge gehalten. Aber wenn sie nun wirklich etwas mit den Verbrechen zu tun hat? Nun sehe ich es auch in einem völlig anderen Licht, dass sie so plötzlich bei dem Treffen mit Jaime Beltran aufgetaucht ist. Der Grund war nicht ihre journalistische Neugier, Jerry. Sie wollte dafür sorgen, dass Beltran nicht redet. Jetzt verstehe ich auch, warum Liz O’Neill wie eine Klette an uns hing. Eine bessere Tarnung als ihren Reporterjob gibt es überhaupt nicht. Sie war immer auf dem Laufenden, was unseren Ermittlungsstand angeht. So konnte sie uns immer einen Schritt voraus sein.«
»Das wäre möglich, Phil. Auf jeden Fall sollten wir uns diese junge Lady jetzt gründlich zur Brust nehmen.«
***
Liz O’Neill durfte nicht vorgewarnt werden. Noch ahnte sie nicht, dass wir sie verdächtigten. Und dabei sollte es vorerst auch bleiben. Wir gingen zu unserer Kollegin Sarah Hunter hinüber, die momentan wieder mit einem anderen Fall beschäftigt war.
»Könntest du bei WNC TV anrufen und dich zu Liz O’Neill durchstellen lassen, Sarah? Phil und ich haben schon mit ihr gesprochen, sie kennt unsere Stimmen. Die Lady soll noch nicht mitkriegen, dass sie ins Visier des FBI geraten ist.«
»Mit dem größten Vergnügen, Jerry. Ich bin für jede Abwechslung von diesem öden Betrugsfall dankbar. – Was soll ich sie denn fragen?«
»Erzähle ihr einfach, dass du ein brandheißes Thema für eine Story hast und sie treffen willst.«
Sarah griff tatendurstig nach ihrem Handy und tippte die Nummer des lokalen Fernsehsenders ein. Das Gespräch dauerte nur kurz. Wir schauten unsere dunkelhaarige Kollegin erwartungsvoll an.
»Liz O’Neill ist mit ihrem Team in der Stadt unterwegs. Angeblich ist sie im Hafen einer Sensationsstory auf die Spur. Einzelheiten wollte die Frau in der Telefonzentrale nicht nennen, vielleicht wusste sie auch nichts Genaues. Auf jeden Fall habe ich die Handynummer der Reporterin.«
»Wenn wir eine Anordnung des Staatsanwalts bekommen, können wir ihr Mobiltelefon orten lassen«, meinte Phil. »Und wenn unser Anfangsverdacht ausreicht, unterschreibt der Staatsanwalt vielleicht sogar einen Hausdurchsuchungsbefehl für Liz O’Neills Apartment.«
Ich nickte. Das war ein ausgezeichneter Vorschlag. Wir machten uns sofort daran, ihn in die Tat umzusetzen. Wir hatten Glück. Der diensthabende stellvertretende Staatsanwalt Howard Patterson unterzeichnete sofort die nötigen Dokumente. Er klopfte mir auf die Schulter.
»Beenden Sie dieses Entführungsdrama, Agent Cotton. Die Lage der Eltern ist inzwischen beinahe unerträglich.«
»Ich weiß, Sir. Wir tun, was wir können.«
Zunächst veranlassten wir die Handyortung. Unser Kollege Alec Hanray saß im Field Office vor seinen Monitoren und hatte die entsprechende Software hochgefahren. Ich gab ihm telefonisch die Handynummer von Liz O’Neill durch. Phil und ich saßen nach unserem Besuch bei der Staatsanwaltschaft im geparkten Jaguar, wir wollten nicht extra an die Federal Plaza zurückkehren. Jetzt kam es auf jede Minute an.
»Das Handy ist eingeschaltet, die Ortung sollte kein Problem sein«, meinte unser Elektronikspezialist. »Ihr müsst euch noch einen Moment lang gedulden. – Die Zielperson befindet sich in Brooklyn, genauer gesagt im Bereich Red Hook. Unten bei den Hafenanlagen des Erie Basin.«
Ich bedankte mich und beendete das Gespräch. Mein roter Bolide schaffte die Strecke nach Brooklyn in Rekordzeit. Allerdings verzichteten wir bei der Annäherung auf rotierendes Rotlicht und Sirene. Wir wollten Liz O’Neill schließlich überraschen.
»Wer weiß, ob diese falsche Schlange wirklich wegen einer Reportage dort ist, Jerry. Das Hafengebiet ist eine Welt für sich, dort gibt es unzählige gute Versteckmöglichkeiten für Entführungsopfer. Wenn es das
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