Alaska
Souveränität entlassen würde, die vielen verschiedenen Rassen auf dem Inselstaat schienen gegen eine Selbständigkeit zu sprechen. Die Abgeordneten hatten bereits mit 210 Jastimmen und 172 Neinstimmen für Alaska entschieden, bei erstaunlichen 51 Enthaltungen durch Kongressabgeordnete , die sich nicht vorstellen konnten, dass ein fast leeres Land wie Alaska zwei Stimmen im Senat haben sollte, während das dichtbesiedelte New York sich mit derselben Anzahl zufriedengeben musste . Andere wiederum waren dagegen, einem, wie sie es nannten, »Volk aus lauter Mischlingen, gefangen in einer Eiskammer«, die volle Staatsbürgerschaft zu gewähren.
Jetzt fehlte nur noch die Zustimmung des Senats, und eine ganze Weile schien es zweifelhaft, ob er den Antrag durchgehen lassen würde. Einige Senatoren wollten den Status Alaskas auf Eigenstaatlichkeit beschränkt wissen: abgelehnt mit 50 zu 29 Stimmen. Andere verfochten überzeugt die Ansicht, dass die Militärs am besten über die Zukunft Alaskas entscheiden sollten: abgelehnt mit 53 zu 31 Stimmen.
Während eine dritte lautstarke Gruppe um Senator Thurmond Präsident Eisenhowers mehr zufällig geäußerten Vorschlag unterstützte, die gesamte nördliche Region des Landes von der Souveränität auszuschließen, auch wenn sie den südlicheren Distrikten zugesprochen würde: abgelehnt mit 67 zu 16 Stimmen. Missy Peckham verfolgte alle Debatten, und es kam ihr so vor, als könnten ihre Gegner fünfzig Gründe gegen die Souveränität Vorbringen, während sie selbst nur einen dafür in der Hand hatte: Die Zeit war reif, ein neues Mitglied ohne Einschränkungen in die Union aufzunehmen.
Am 30. Juni ließ sich die entscheidende Abstimmung nicht länger durch aufschiebende Ergänzungsanträge blockieren, und als die Senatoren nacheinander und namentlich abstimmten, zeigten sich erstaunliche Meinungsverschiebungen. Gestandene Konservative aus den Südstaaten, die sich öffentlich gegen die Souveränität ausgesprochen hatten, stimmten mit einem mal dafür, und ebenso verhielten sich eingefleischte Liberale.
Vier Senatoren, je zwei aus verschiedenen Lagern, gerieten in Konflikt mit ihrer Partei beziehungsweise ihrem Gewissen: Warren Magnuson und Henry Jackson aus Washington wurden von ihrer Wählerklientel, der Geschäftswelt in Seattle, bedrängt, sich gegen die Souveränität auszusprechen, da sonst der Bundesstaat Washington die wirtschaftliche Kontrolle über das Territorium verlieren würde. Als es zur Abstimmung kam, sollte jeder nach seinem Gewissen entscheiden, und beide stimmten mit »Ja«. Die Senatoren aus Texas, Lyndon B. Johnson und Ralph Yarborough, beide eindeutig den Liberalen zuzurechnen, hatten sich häufig für die Souveränität Alaskas stark gemacht, doch als es hart auf hart ging, fürchteten sie um ihre politische Karriere, wenn sie einem neuen riesigen Staat zustimmten, der Texas auf einen zweiten Rang der Landfläche verweisen würde. Am Tag der Abstimmung entschieden sich beide unabhängig voneinander:
Ich wage nicht, offen für Alaska zu stimmen, noch kann ich guten Gewissens dagegen stimmen. Beide enthielten sich.
Das Endergebnis: 64 Jastimmen, 20 Neinstimmen und 12 Enthaltungen. Damit war Alaska zum neunundvierzigsten Bundesstaat ernannt, mehr als doppelt so groß wie Texas mit einer Gesamtbevölkerung von der Größe der Stadt Richmond, Virginia.
Als Tom Venn die letzte Auszählung vernahm, sagte er nur: »Damit hat sich Alaska selbst zur Mittelmäßigkeit verdammt.« Aber Missy Peckham, die das Ergebnis mit Freunden in einem teuren Restaurant in Washington feierte, erhob sich wankend von ihrem Stuhl, hielt ihr Glas hoch und rief: »Jetzt werden wir es ihnen zeigen!« Und die ganze Nacht lang diskutierte sie die vielen geplanten politischen und sozialen Erneuerungen, die Alaska einzigartig unter den vielen Staaten machen sollte. Ihre eigenen Vorschläge dazu waren erstaunlich: »Ich will, dass jedem Kind in Alaska eine Schule offensteht, egal, was es kostet. Ich will, dass jeder Eskimo, jeder Tlingit ein Anrecht auf eine Wohnung hat. Ich will, dass wir die Verfügungsgewalt über unseren Lachs, unsere Elche und unsere Karibus behalten. Wir brauchen Straßen, wir brauchen Fabriken, und wir brauchen noch viel mehr solcher Siedlungen wie Matanuska.« Sie hörte nicht mehr auf zu reden, immer weiter entwickelte sie ihre Träume, die sie zum ersten Mal 1893 in Worte gefasst und denen sie ihr ganzes späteres Leben gewidmet hatte.
Sie versetzte sich mit
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