Alaska
und denen, die auf dem Festland aufgewachsen sind. Somit gibt es also acht Hauptgruppen unter den Ureinwohnern - vier bei den Indianern und je zwei bei den Eskimos und den Aleuten -, und im Zusammenleben gibt es bei uns keine Schwierigkeiten. Welche Lösung Sie auch am Ende finden, sie muss allen Gruppen gerecht werden, und ich bin sicher, dass alle bereit sind, sich zu arrangieren, auch wenn bestimmte Regelungen im Einzelfall gegen eine ihrer Traditionen verstoßen sollten. Wenn Sie mich nach dem Grundproblem fragen - die Ureinwohner müssen über Landbesitz verfügen. Und das Besitzrecht muss geschützt werden, solange, bis sie, irgendwann im nächsten Jahrhundert, sagen wir im Jahr 2030, in der Lage sein werden, ohne diese Protektionen Entscheidungen über Landvergabe zu treffen.«
Der »Alaska Native Claims Settlement Act« von 1971, abgekürzt ANCSA, war eines der kompliziertesten Gesetzeswerke, den der amerikanische Kongress jemals verabschiedet hat, und die Fülle der Bestimmungen und Vorschriften verdanken wir hauptsächlich der Tatsache, dass das amerikanische Volk zutiefst unter einem Schuldkomplex über die schäbige Behandlung ihrer eigenen Indianer litt. Jetzt schien man entschlossen, die Fehler bei den Ureinwohnern Alaskas nicht wiederholen zu wollen. Es war ein Gesetzesbündel, auf das Amerika zu Recht stolz sein konnte - unter den politischen Voraussetzungen von 1971. Der ANCSA war keine Jahrhundertlösung, aber für die damaligen Verhältnisse ein großer Schritt nach vorne.
Der neue Staat umfasste 1 . 51 8 . 807 Quadratkilometer, etwa sechsmal so viel wie die Bundesrepublik Deutschland. Von dieser Gesamtfläche sollten den Ureinwohnern zwölf Prozent zugesprochen werden, dazu eine einmalige Zahlung in Höhe von 9 . 625 0 0 . 000 Dollar. Soweit, so gut. Um jedoch die Ziele zu erreichen, für die sich Melody Murphy und viele andere einsetzten, und vor allem, um zu verhindern, dass es vor lauter Begeisterung, die die Landverteilung bei den Ureinwohnern auslösen würde, zu Unregelmäßigkeiten kam, sollte nicht jedem einzelnen ein Stück Boden gegeben, sondern das riesige Gebiet zwölf Gesellschaften übereignet werden. Diese Genossenschaften sollten im Besitz von Ureinwohnern sein und Verfügungsgewalt über bestimmte Regionen erhalten, um von dort aus das zur Verfügung gestellte Gebiet unter sich aufzuteilen. Außerdem sollte noch eine dreizehnte Genossenschaft gegründet werden für die Ureinwohner Alaskas, die außerhalb der Gebiete lebten und sich zu keiner bestimmten Region zugehörig fühlten.
Jedem Ureinwohner Alaskas, der vor 1971 auf die Welt gekommen war - unabhängig davon, wo er jetzt seinen Wohnsitz hatte -, wurde somit Mitglied in einer der dreizehn Genossenschaften, und jeder erhielt ein Dokument, das ihm oder ihr einen Rechtsanspruch auf einen Besitzanteil dieser Gesellschaft zusicherte. Melody Murphy zum Beispiel, die in Juneau lebte, wurde Aktionär der mächtigen »Sealaska Corporation«, die über bestes Management verfügte und bevorzugt qualitativ hochwertiges Land erhielt. Vladimir Afanasi, hoch oben in Desolation Point ansässig, erhielt Anteile der riesigen »Arctic Slope Regional Corporation«, die eine Gesamtfläche größer als viele Bundesstaaten der USA verwaltete. Ein Zugeständnis besonderer Art wurde der Genossenschaft für den stark besiedelten Bereich in der Umgebung von Anchorage gemacht, denn dort war das meiste Land bereits in Privatbesitz übergegangen. In diesem Fall bot der Kongress den Anführern der Ureinwohner vergleichbaren Boden in Regierungsbesitz an, weit verstreut über die gesamten Vereinigten Staaten; so konnte es durchaus passieren, dass ein Eskimo aus einem Dorf in der Nähe von Anchorage Anteile an einem Regierungsgebäude in Boston oder einem leerstehenden Lagerschuppen in Honolulu hatte.
Das Land war damit den Ureinwohnern zurückgegeben worden, auch wenn nicht jeder einzelne Grund und Boden erhielt. Zwei Bestimmungen regelten Näheres: Kein Stück Land, das den Genossenschaften übertragen worden war, durfte vor dem Jahr 1991 verkauft, verpachtet oder veräußert werden, andererseits durften vom Staat auch keine Steuern auf den Besitz erhoben werden. Der Kongress war der Ansicht, dass diese zwanzigjährige Übergangsperiode, während deren alle Ansprüche ruhen sollten, den Eingeborenen genügend Zeit gab, die für die Verwaltung ihres Vermögens in der modernen amerikanischen Gesellschaft so komplizierten Regeln des Managements zu lernen.
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