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Alaska

Titel: Alaska Kostenlos Bücher Online Lesen
Autoren: James Albert Michener
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Alle hofften und manche prophezeiten, die Eingeborenen würden im Laufe der zwei Jahrzehnte wirtschaftlich so erfolgreich sein, dass sie am Ende der Vormundschaft nicht bereit sein würden, die Genossenschaftsaktien zu verkaufen oder Teile des Landbesitzes zu veräußern.
    Als wollte der Kongress die ganze Angelegenheit noch vertrackter gestalten, unterstützte er zudem die Gründung von annähernd zweihundert regionalen Tochtergesellschaften, die für die Kontrolle über Gemeindeland und -besitztümer zuständig sein sollten, was nichts anderes hieß, als dass die Mehrheit der Eingeborenen Aktionäre zweier Gesellschaften waren. Vladimir Afanasi in Desolation Point zum Beispiel gehörte der »Arctic Slope Regional Corporation« mit ihrem riesigen Vermögensstand an, hatte aber auch Anteile an »Desolation Management«, der winzigen Gesellschaft, die sich um die geschäftlichen Dinge seines Dorfes kümmerte. Schon bald nach der Einführung des neuen Systems wurde ihm klar, dass irgendwann in der Zukunft die Interessen der kleineren Gesellschaft und die der größeren, zu der sie ja gehörte, kollidieren würden, und zu seinen Freunden sagte er eines Tages, als sie sich weit aufs Eis vorgewagt hatten, um Jagd auf Walrosse zu machen: »Will man die ganzen verworrenen Bestimmungen auseinanderhalten, braucht man einen Ingenieur vom Massachusetts Institute of Technology und einen Absolventen der Harvard Business School.« Obwohl er selbst zwei Jahre die Universität in Fairbanks besucht hatte, sah er sich nicht in der Lage, den Kurs zu bestimmen, den seine beiden Gesellschaften verfolgen sollten. »Und ich bezweifle, dass jeder Eskimo so viel Verstand hat, bei seiner Gesellschaft mitzubestimmen.« Die Walro ss jäger dachten eine Weile darüber nach, während sie auf die gefrorene See blickten, dann sagte einer: »In zwanzig Jahren können unsere Kinder viel lernen, wenn ihnen nur jemand das Richtige beibringt«, worauf Afanasi entgegnete: »Ich kann euch sagen, das werden die zwanzig spannendsten Jahre in der Geschichte der Eskimos.«
     
    Das Landesverteilungsgesetz von 1971 wurde auf dem amerikanischen Kontinent unterschiedlich aufgenommen. Als habgierige Rechtsanwälte und geschäftstüchtige Manager erfuhren, dass den Ureinwohnern Alaskas, nicht selten Analphabeten oder Menschen mit mäßiger Schulbildung, fast eine Milliarde Dollar zuerkannt werden sollten, dazu noch das ganze Land zur freien Verfügung, entwickelten sie mit einem mal ein lebhaftes Interesse an der Arktis, und Finanzhaie jeder Art aus Boston, Tulsa, Phoenix oder Los Angeles tauchten plötzlich in den entlegensten Siedlungen auf, erpicht darauf, die Ureinwohner durch das Gewirr der neuen Bestimmungen zu führen, und kassierten für ihre Dienste gigantische Honorare.
    Jeb Keeler, Anfänger auf diesem Gebiet - 1973 Absolvent von Dartmouth und drei Jahre später erstklassiger Abschluss seines Jurastudiums in Yale hatte eigentlich nie die Absicht gehabt, sein Leben in Alaska zu verbringen, man durfte bezweifeln, dass er den Namen des Landes außerhalb des Erdkundeunterrichts jemals in den Mund genommen, geschweige denn ihm irgendwelche Aufmerksamkeit gewidmet hatte. Als er jedoch im Sommer des Jahres 1976 sein juristisches Examen mit Auszeichnung bestand, bot ihm sein Vater als Geschenk zur Wahl entweder einen neuen Wagen oder einen Jagdurlaub in Nordkanada an. Der junge Mann, der bereits die Berge von New Hampshire nördlich von Dartmouth auf der Jagd nach dem weißschwänzigen Hirsch durchstreift hatte, entschied sich für das Abenteuer in Kanada. Von Dartmouth aus brach er in Richtung Norden auf und landete auf der entlegenen Baffin Island, wo er sich ein Karibu schießen wollte.
    Er wagte sich weit in die Tundra nördlich des Polarkreises vor, aber ohne Erfolg, und eines Abends, es war Juli, die Zeit, in der es auch nachts draußen noch taghell war, hatte er es sich in der Bar der Jagdhütte am Pond Inlet bequem gemacht, als ein großer, gesund und kräftig aussehender Mann in ausgesucht teurer Jagdkleidung an seinen Tisch trat, ohne zu fragen, Platz nahm und ihn ansprach: »Warum so niedergeschlagen, mein Junge?«
    »Ich bin hergekommen, weil ich ein Karibu schießen wollte. Aber leider - kein Erfolg.«
    Der ungebetene Gast schlug mit der Hand auf die Tischfläche und sagte: »Ist doch nicht möglich! Ich bin aus demselben Grund hier. Und habe auch nichts geschossen. Poley Markham mein Name, Phoenix, Arizona.«
    »Irgendeiner hier muss aber ein

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