Alaska
Verzeichnis der Genossenschaftsmitglieder haben, und dazu braucht es wieder Formulare und Briefe mit Namen und Adresse. Wenn wir dann soweit sind und wissen, wer ein Recht auf Anteile hat, müssen die Aktien gedruckt, verteilt und registriert werden, und dazu braucht man Rechtsanwälte und Notare.
Aber jetzt geht der Spaß erst richtig los. Die Dorfbewohner müssen sich das Land aussuchen, das ihrer Genossenschaft gehören soll, und dazu braucht man Vermesser, juristisch einwandfreie Abtretungen und schließlich Anmeldungen bei der Regierung. Dann kommen noch die amtlichen Prüfungen, die Zusammenstellung von Sitzungsprotokollen, die Durchführung von öffentlichen Versammlungen, und - was am wichtigsten ist - die Mitglieder sind immer auf dem Laufenden zu halten über die Geschäfte ihrer neuen Genossenschaft.
Ein Paradies für Rechtsanwälte, und nicht weil wir es dazu gemacht haben. Das verdanken wir dem Kongress . Aber da es nun mal hier ist, das Paradies, und das Geld auf der Bank, ist es doch nur recht, wenn wir uns unseren Anteil sichern, oder? Wie hoch unser Anteil ist? Die Regierung hat den Genossenschaften fast eine Milliarde Dollar zur Verfügung gestellt, und davon, würde ich sagen, stehen zwanzig Prozent uns zu.«
»Das wären ja zweihundert Millionen Dollar!« staunte Jeb. »Ist das Ihr Ernst?«
»Und ob das mein Ernst ist. Wenn Sie und ich das Geld nicht absahnen, wird es jemand anders tun.«
»Und Sie ganz persönlich? Wieviel erwarten Sie sich, ich meine realistisch gesehen? Wieviel ist da drin?«
»Die ein oder andere Sache noch, dann habe ich mindestens zehn Millionen abgezogen.«
»Was meinen Sie genau damit, Poley, › die eine oder andere Sache ‹ ?«
»Nichts Besonderes. Das Übliche eben, was bei diesen Geschäften so rausspringt. Aber lassen Sie uns von etwas anderem sprechen, ich hätte da nämlich etwas sehr Interessantes für Sie - nördlich des Polarkreises, wenn Sie verstehen, was ich meine«, und Jeb spürte deutlich, dass er wohl nie ein genaues Bild der undurchsichtigen Geschäfte dieses großen und liebenswürdigen Menschen erhalten würde.
Statt dessen beharrte er jetzt darauf, dass Jeb seinen Schreibtisch aufräumte und ihn nach Barrow begleitete, wo er ihm einen gewissen Harry Rostkowsky vorstellte, Besitzer einer angeschlagenen einmotorigen Cessna-185. »Da sollen wir uns reinsetzen?« fragte Jeb, aber Poley entgegnete: »Wir sind immer damit geflogen. Und in zwei Wochen wird sie Ihre Walro ss trophäe außer Landes bringen.«
Als Jeb erfuhr, dass die Entfernung von Barrow nach Desolation nur 65 Kilometer betrug, stieg in ihm die Hoffnung, er könnte einem Flug mit Rostys Kiste doch noch aus dem Wege gehen, aber sobald sie abgehoben hatten, zeigte Poley auf die kahle Tundra unter ihnen, kein einziger Baum weit und breit war zu sehen, nur meilenweit ein Hügel nach dem anderen, sumpfiges Gebiet und seichte Seen. »Da unten gibt’s keine Straße, wird es wahrscheinlich auch nie eine geben. Hier muss man schon fliegen, oder man kommt eben nicht dahin, wohin man will.«
Für den Landeanflug auf Desolation flog Rostkowsky einen weiten Bogen übers offene Meer, drehte dann links ab, und als er im Tiefflug über das Dorf glitt, etwa dreißig Häuser, ein Ladengeschäft und eine Schule, noch im Bau befindlich, sah Jeb zu seinem Erstaunen, dass diese Siedlung, obwohl umgeben von Tausenden Hektar ungenutzter Bodenfläche, an der Südspitze einer Landzunge klebte, auf der einen Seite das Meer, auf der anderen eine Lagune. »Hübsch, nicht?« rief Rostkowsky, als er jetzt zweimal kurz hintereinander über den Ort donnerte, um sich anzukündigen, dann sicher auf der Schotterpiste aufsetzte und bis zu der Stelle rollte, an der sich die Einwohner jetzt einfanden. Bevor sie ausstiegen, öffnete er das Fenster und warf zwei Postsäcke und einige Pakete heraus, dann stieß er die Tür auf und rief seinen Passagieren zu: »Jawohl! Wieder einmal geschafft, mit Gottes Hilfe!«
Als die Dorfbewohner ihren alten Freund Poley Markham aus dem Flugzeug steigen sahen, traten sie scheu vor, doch keiner begrüßte ihn mit überschwänglicher Freude, und Jeb überlegte sich: Wenn sie schon einen alten Freund mit solcher Zurückhaltung behandeln, wie begrüßen sie dann erst jemanden, den sie nicht leiden können? Dann fiel sein Blick an Poley vorbei auf die ärmlichen Behausungen, in denen die Es kim os lebten, und etwas abseits von den anderen Einwohnern sah er einen kleinen, untersetzten Mann
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