Alaska
ebenfalls Missionar und wie er auch dessen Sohn, mein Vater. Was mich betrifft - ich hatte nicht viel übrig für die Missionsarbeit. Ich war der Ansicht, die Herausforderung für uns liegt in der Welt von heute. Aber Sie haben danach gefragt, was ich bin? Zu einem Sechzehntel russisch, aber ohne ein einziges Wort der Sprache zu können. Ein paar Prozent Aleute, aber auch da, ohne die Sprache verstehen zu können. Zu einem Achtel Athapaske ohne Sprachkenntnisse. Drei Viertel reiner Eskimo, aber wenn ich behaupte, zwölf meiner Vorfahren seien reine Eskimos gewesen - Gott weiß, was das wirklich heißt. Vielleicht gibt’s in der Linie noch irgendwo Seemannsblut von einem Matrosen aus Boston oder aus Norwegen.
Wie dem auch sei, ich auf jeden Fall bin ein Eskimo, der nach der alten Tradition lebt und nur für den Eigenbedarf auf Jagd geht. Ich helfe meinem Dorf, ein oder zwei Wale pro Jahr zu fangen. Ich möchte Polarbären und Walrosse schießen, wenn ich will, und ein bis zwei Karibus erlegen, wenn sie vorbeistürmen. Aber wir ernähren uns auch von Enten, Gänsen, Seetang und Lachsen. Und, was heutzutage besonders wichtig ist, ich möchte weit draußen in der Gegend herumziehen dürfen, um mir das zu holen, was ich für meinen Lebensunterhalt brauche. Genau das aber bringt mich in Konflikt mit den Jägern von auswärts wie Ihnen. Ich will eigentlich auch nicht, dass Sie einfach hierhergeflogen kommen und mir mein Wild abknallen nur wegen der Trophäe für die Wand daheim und den Rest verkommen lassen.«
Während der darauffolgenden Tage, als er und Markham unter Afanasis Führung weit draußen auf den Eisschollen den Walrossen nachstellten, lernte Jeb, diese Einstellung zum Leben und zur Jagd zu respektieren. Eines Abends, sie saßen im Zelt, das sie fast fünf Kilometer vom Festland entfernt aufgeschlagen hatten, und kochten ihr Essen, sagte Jeb: »Ich habe immer gedacht, ich wäre ein guter Jäger. Habe als Kind Kaninchen gejagt, später einen Hirsch in New Hampshire. Aber Sie sind echter Jäger. Ich meine, entweder gehen Sie auf die Jagd, oder Sie müssen verhungern.«
»Eigentlich nicht«, sagte Afanasi. »Mir bleibt immer noch die Möglichkeit, nach Seattle oder Anchorage zu gehen und in einem Büro zu arbeiten. Aber sagen Sie selbst, kann das für einen Eskimo eine echte Alternative sein? Für jemanden wie mich, der weiß, was es heißt, sich hier draußen auf dem Eis zu bewegen? Sie müssen unbedingt wiederkommen, wenn wir auf Walfang gehen, dann können Sie erleben, wie sich das ganze Dorf versammelt und in einer Zeremonie dem Wal dankt. Dann schlachten wir unsere Beute, und alle, auch die Ältesten unter uns, stellen sich an, um ihren Anteil an dem Geschenk des Meeres entgegenzunehmen, Walspeck, unsere Lebensessenz.«
Am vierten Tag auf dem Eis, als sie sich schon bis zur äußersten Kante vorgewagt hatten und das offene blaue Wasser in der Ferne schimmerte, konnte Poley Markham etwas ausmachen, was wie ein Walross aussah, das sich gerade auf die Eisdecke schleppte, und als Afanasi sein Fernglas auf die Stelle richtete, bestätigte er die Vermutung. Mit seltener Meisterhaftigkeit, von seinen Vorfahren ererbt, führte er seine kleine Gruppe so an ihr Ziel heran, dass der Jüngste unter ihnen, Jeb Keeler, eine schwere Kugel sicher in den Nacken des gewaltigen Tieres landen konnte, doch als Jeb seinen Schuss abfeuerte, drückten mit ihm, ein paar Schritte entfernt, auch Afanasi und Markham ab, um sicherzugehen, dass das vielleicht nur verwundete Tier nicht in der Tiefe verendete. Die drei Schüsse fielen gleichzeitig, so genau abgepasst , dass Jeb gar nicht merkte, dass seine Jagdgefährten ebenfalls geschossen hatten, und als er auf das getroffene Tier zulief, brach er in ein Jubelgeschrei aus, als hätte er allein dieses prächtige Geschöpf zur Strecke gebracht. Er hatte sich das Tier kaum angesehen, als Afanasi schon den Rückweg antrat, um den Dorfbewohnern mitzuteilen, dass man ein Walross erlegt hatte.
Jeb und Poley blieben zurück auf dem Eis, um ihre Beute zu bewachen, und am nächsten Morgen wurden sie von den Dorfbewohnern geweckt, Männern und Frauen, die gekommen waren, den Fang zu schlachten und das gute, nahrhafte Fleisch mit nach Hause zu nehmen. Es war ein triumphaler Tag, sogar die Kinder hatten ihre Freude, und als das Fleisch verteilt war, standen ein paar bereit, auch den Kranken, die zu Hause im Bett lagen, Fleischbrocken zu bringen. Am Nachmittag kam man zu einem Tanz zusammen,
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