Archer Jeffrey
einen Freund in Italien, und…« Armstrong hörte angespannt zu, als Stephen die Bedingungen erklärte, die er in seinem Namen ausgehandelt hatte. Er lächelte schon lange, ehe der Anwalt zum Ende kam.
»Das klingt alles sehr zufriedenstellend.«
»Ja. Wie ist dein Treffen mit dem Minister verlaufen?«
»Gut. Er sieht sich in etwa dem gleichen Problem gegenüber wie ich, aber er hat den Nachteil, daß er niemanden wie dich hat, der die Sache für ihn ausbügelt.«
»Ich verstehe kein Wort.«
»Macht nichts«, sagte Armstrong, legte auf und rief seine Sekretärin.
»Pamela, wenn Sie das Gespräch abgetippt haben, das ich heute mittag mit dem Minister führte, legen Sie eine Kopie davon in diese Akte.« Er deutete auf den dicken Ordner, den Don Sharpe hatte zurücklassen müssen.
»Und was soll ich dann mit dieser Akte machen?«
»Schließen Sie sie im großen Safe ein. Falls ich sie wieder brauche, sage ich es Ihnen.«
Als der Chefredakteur der London Evening Post um ein privates Gespräch mit Keith Townsend ersuchte, erhielt er eine sofortige Zusage. In der Fleet Street wußte man, daß Armstrongs Personal jederzeit bei Townsend willkommen war, sofern der Betreffende etwas Interessantes über seinen Chef zu berichten hatte. Doch diese Möglichkeit hatten bisher wenige genutzt: Falls Armstrong die Sache zu Ohren kam, mußte der Übeltäter sofort seinen Schreibtisch räumen und fand nie wieder Arbeit bei irgendeiner von Dicks Zeitungen.
Es war lange her, daß ein Mann in einer Spitzenposition wie Don Sharpe sich direkt mit Keith Townsend in Verbindung gesetzt hatte. Townsend vermutete, daß Mr. Sharpe bereits wußte, daß seine Tage gezählt waren und sich sagte, er habe nichts zu verlieren. Aber wie viele andere vor ihm, hatte Sharpe darauf bestanden, daß sie sich auf neutralem Boden trafen.
Bei solchen Anlässen mietete Townsend stets die FitzalanSuite im Howard Hotel. Es lag ganz in der Nähe der Fleet Street; trotzdem verirrten sich nur sehr selten neugierige Journalisten dorthin. Ein Anruf Heathers beim Chefportier wurde mit absoluter Diskretion behandelt – wie alles andere auch.
Sharpe erzählte Townsend in allen Einzelheiten von dem Gespräch zwischen ihm und seinem Chef, gleich nach dem gestrigen Lunch Armstrongs mit Ray Atkins. Dann wartete Sharpe auf die Reaktion seines Gegenüber.
»Ray Atkins«, murmelte Townsend.
»Ja, der Minister für Industrie.«
»Der Mann, der die endgültige Entscheidung treffen wird,
wer den Citizen bekommt.«
»Genau. Deshalb dachte ich mir, Sie würden das gern sofort
erfahren«, sagte Sharpe.
»Und Armstrong hat den Ordner mit den Recherchen
behalten?«
»Ja. Aber ich würde nur ein paar Tage brauchen, mir
Duplikate sämtlicher Unterlagen zu beschaffen. Wenn Sie die
Story auf der Titelseite des Globe brächten, wird das
Kartellamt Armstrong nicht mehr als zukünftigen Eigentümer
des Citizen in Erwägung ziehen, da bin ich sicher.«
»Mag sein«, sagte Townsend. »Gut. Sobald Sie alles
beisammen haben, schicken Sie es mir. Markieren Sie das
Päckchen in der unteren linken Ecke mit K.R.T., dann geht es
ungeöffnet direkt an mich.«
Sharpe nickte. »Geben Sie mir eine Woche, im Höchstfall
vierzehn Tage.«
»Und sollte ich Eigentümer des Citizen werden, können Sie
sich darauf verlassen, daß Sie eine Stellung bei der Zeitung
bekommen, wann immer Sie möchten.«
Sharpe wollte gerade fragen, welche Art von Stellung Keith
sich vorstellte, als dieser hinzufügte: »Bleiben Sie noch zehn
Minuten im Hotel.« Als Keith auf die Straße trat, tippte der
Chefportier an den Rand seiner Mütze. Keith wurde zur Fleet
Street zurückgefahren. Er war nun sicher, daß der Citizen ihm
in den Schoß fallen würde.
Ein junger Portier des Hotels, der die beiden Herren getrennt
hatte kommen und nun getrennt hatte gehen sehen, wartete, bis
sein Chef seine Teepause nahm, bevor er ein Telefongespräch
führte.
Zehn Tage später kamen zwei Umschläge in Townsends Büro an, auf deren unteren linken Ecke in fetter Schrift K.R.T. stand. Heather legte sie ungeöffnet auf den Schreibtisch ihres Chefs. Der erste Umschlag stammte von einem ehemaligen Angestellten der New York Times, der die komplette Liste aller Buchhandlungen sandte, die ihre Verkaufszahlen für die Bestsellerliste meldeten. Gut angelegte zweitausend Dollar, ging es Townsend durch den Kopf, als er die Liste zur Seite legte und den zweiten Umschlag öffnete. Er kam von Don Sharpe und enthielt seitenlange Recherchen über die
Weitere Kostenlose Bücher