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Auf ewig und einen Tag - Roman

Titel: Auf ewig und einen Tag - Roman Kostenlos Bücher Online Lesen
Autoren: Elizabeth Joy Arnold Angelika Felenda
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Sekunde lang an mich dachten, bevor sie nichts mehr dachten. Wir drei vereint in dieser Sekunde, ein Ehemann und eine Ehefrau und eine Frau, an die sie nur in diesem flüchtigen Moment der Scham dachten. Während ich tief in mir noch immer Groll spürte, der sich wie Gischt über mein Inneres legte, rollte die See gelassen und unbeeindruckt weiter.

14
    Alles fiel wie eine Vergeltung auf uns zurück, als blickte ein Fremder auf unsere Vergangenheit und Zukunft. Es war ein Mainachmittag, so brütend heiß, dass er sich wie August anfühlte. Die Brise vom Meer her erinnerte an schlechten Atem, feucht mit schalem Fischgeruch.
    Wir gingen zum Java Café, Eve stützte sich auf meinen Arm. Es war das erste Mal, dass wir allein etwas unternahmen. Nicht, dass sie das vorgeschlagen hätte. Ich hatte sie gefragt, ob sie Lust hätte, mir zu helfen, ein paar Kleider auszusuchen, und sie hatte zustimmend die Achseln gezuckt. Immerhin.
    Als wir in die Straße zum Café hinunter einbogen, kam Audrey Mullin, die Stadtbibliothekarin, gerade aus dem Rathaus. Sie trug einen grellgrünen Sonnenhut, einen orangefarbenen Pullover und eine orangefarbene Jogginghose und sah aus wie eine missgebildete Karotte. Sie strahlte uns an. »Du siehst gut aus heute, Eve!«, sagte sie. »Ich muss sagen, wir haben uns alle eine Weile ziemliche Sorgen gemacht.«
    »Ja, ich hatte Krebs, aber ich hab ihn überwunden.«
    Ich versetzte Eve einen Stoß gegen den Knöchel. Audrey Mullin starrte sie einen Moment lang an und überlegte, wie sie darauf reagieren sollte. »Ach, Eve, du bist immer so ein Scherzbold«, brachte sie heraus. Sie wurde rot und räusperte sich. »Was ich meine, ist, ich freue mich, dass du besser aussiehst.«

    Eve schenkte ihr ein strahlendes Lächeln. »Das liegt nur daran, weil ich mich so freue, dich zu sehen«, erwiderte sie.
    Als wir uns dem Café näherten, sagte Eve: »Ich hasse es, wenn sie so tun, als wüssten sie nicht, dass ich sterbe. Alle machen das, als versuchten sie, ein Geheimnis vor mir zu verbergen, als wüsste ich nicht Bescheid.«
    »Ach, bist du etwa auf Mitgefühl aus? Willst du, dass alle rot werden und dir sagen, wie ungerecht das Leben ist und dass sie die ganze Kirche dazu gebracht haben, für dich zu beten?«
    »Es wäre gar nicht schlecht, wenn eine ganze Kirche für mich beten würde. Glaubst du, sie tun es?« Sie zog die Cafétür auf, dann hielt sie inne, um ein Schild im Fenster zu lesen, ein gelbes Plakat mit Lettern in Temperafarbe. »Sieh dir das an«, sagte sie. »Madame Rosa, Handlesen, Tarot, Antworten auf alle Fragen garantiert.«
    »Garantiert? Was soll das heißen, dass sie garantiert mit irgendeiner Antwort aufwartet oder dass die Antworten garantiert richtig sind?«
    »Und sie wohnt über dem Café. Ich wusste gar nicht, dass wir eine Hellseherin haben. Wahrscheinlich kommt sie nur während des Sommers her.«
    »Was für ein verlogener Quatsch. Bald haben wir Schilder mit Neonreklame und Kinder an den Straßenecken, die deine Windschutzscheibe putzen wollen.«
    »Komm, probieren wir sie aus.«
    »Ja, vielleicht sieht sie dich an und sagt uns dann, dass du krank bist.«
    »Ich mein’s ernst. Wir könnten sie fragen, wie lange ich noch habe. Ich bin’s leid, es nicht zu wissen.« Sie lächelte schief. »Selbst
wenn es Blödsinn ist, was sie sagt, habe ich zumindest etwas, auf das ich mich einstellen kann.«
    Wir gingen die Seitentreppe zu dem Apartment über dem Café hinauf. Eve klopfte an die verblichene blaue Tür. Keine Antwort. Sie klopfte noch einmal, diesmal lauter, und nach einer Weile drehte sie sich zu mir um. »Meine Weissagung lautet, Handlesen liegt nicht in unserer Zukunft.«
    Plötzlich ging die Tür auf. Eine winzige Frau sah uns an. Sie hatte leuchtend rotes Haar, ein langer Schal lag um ihre Schultern, und ihr Gesicht war jünger, als ich erwartet hatte. »Sie wollen Madame Rosa besuchen«, sagte sie mit starkem Akzent.
    »Sie müssen Hellseherin sein«, erwiderte Eve und lächelte dann entschuldigend. »Tut mir leid, das war blöd. Also, wie viel kostet es? Ich meine einfaches Handlesen.«
    Die Frau nickte bedächtig und ging dann wieder nach drinnen. Eve und ich sahen uns an und folgten ihr.
    Wir betraten einen spärlich beleuchteten Raum, zottelige purpurne Badematten lagen über Sofakissen drapiert, und an der Wand hing ein großes abstraktes Gemälde. Im Fernseher lief eine Talkshow.
    »Er hat mir gesagt, was du getan hast«, sagte eine Frau. »Wie du ihn angemacht und

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