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Auf ewig und einen Tag - Roman

Titel: Auf ewig und einen Tag - Roman Kostenlos Bücher Online Lesen
Autoren: Elizabeth Joy Arnold Angelika Felenda
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Schule mitzunehmen.«
    »Es war total eklig«, sagte Gillian.

    »Vielleicht ist das ein weiterer Sinnspruch«, sagte Eve. »Zu viel Liebe kann tödlich sein.«
    »Der gefällt mir nicht«, sagte LoraLee, »aber ich schätze, er stimmt in gewisser Hinsicht.«
    War Eve klar, was sie gesagt hatte? Dachte sie dabei an die Menschen in unserem Leben, die die Liebe getötet hatte?
    Justin legte auch den anderen Arm um sie und küsste sie auf die Wange. »Dann lass sie mich töten«, sagte er.
    Eves Gesicht wurde rot vor Freude. Gillian strahlte die beiden an und legte den Kopf auf Eves Schulter. Und während ich sie beobachtete, wusste ich, warum sich mir die Kehle zuschnürte: Ich hatte gedacht, ihr gemeinsames Leben sei Heuchelei, nur reine Einbildung. Ich hatte mir tatsächlich eingeredet, ihr wirkliches Leben habe erst an dem Tag meiner Rückkehr begonnen.
     
    Die Turnhalle hallte wider vom Stimmengewirr der Kinder, lautem Hämmern und dem Klappern von Farbkübeln. Am anderen Ende der Halle übten sich Gillian und Eve in der Kunst der Schablonenmalerei auf einem Glaspaneel. Gillian redete angeregt, hielt ab und zu inne und konzentrierte sich dann wieder auf ihre Malarbeit. Und Eve lächelte, ja sie strahlte. Das erste Anzeichen wirklichen Glücks, das ich seit Wochen gesehen hatte. Sie aß inzwischen wieder mehr, nachdem die Wirkung der Chemotherapie nachgelassen hatte, und ihr Gesicht begann wieder fülliger zu werden. Eine trügerische, fast grausame Maske der Gesundheit, ein Höhenflug vor dem unvermeidlichen Absturz.
    Ich versuchte, mich zu konzentrieren, und schraubte einen Stützbalken an die Rückseite eines Sperrholzstalls, während auf der anderen Seite Virginia Brent versuchte, ihn nicht umstürzen zu lassen. Mrs. Brent war in der sechsten und siebten Klasse unsere
Lehrerin gewesen und unterrichtete jetzt von der Unter- bis zur Oberstufe Kunst. Damals war sie uns uralt vorgekommen, also sollte sie inzwischen regelrecht mumifiziert sein. Tatsächlich jedoch wirkte sie heute Jahrzehnte jünger als ich, flitzte von einem Projekt zum anderen, faltete vor Freude die Hände auf der Brust und quasselte ununterbrochen.
    »Ich freue mich so, dass du hier bist«, sagte sie jetzt, »das kannst du dir gar nicht vorstellen.«
    »Ich weiß nicht, ob ich mich wirklich nützlich machen kann. Ich kann keinen geraden Strich ziehen, und meine handwerklichen Fähigkeiten beschränken sich aufs Einschlagen von Bilderhaken.«
    »Nein, nein, das meine ich nicht. Ich meine, ich freue mich, dass du hier bei deiner Schwester bist. Ich fand es nie richtig, dass du irgendwo weit weg bist, während sie so krank ist.«
    Ich drückte auf den Bohrer, die Vibrationen ließen meinen Arm erzittern, und ich bohrte ein Loch nach dem anderen. Wenn diese Unterhaltung noch lange weiterging, würde der Stall am Ende wie ein Schweizer Käse aussehen. »Ich wünschte, ich wäre hier gewesen.«
    »Oh, wir alle wussten, was zwischen euch vorgefallen war, und niemand hat’s dir damals übel genommen, dass du fortgegangen bist. Aber als Eve krank wurde, begannen die Leute zu reden. Weil du doch ihre einzige Angehörige bist. Und jetzt freuen wir uns so, dass du wieder zurück bist.«
    Wie viel wussten sie? Ich war froh, dass sie auf der anderen Seite des Stalls war und ich ihr Gesicht nicht sehen konnte. Seit meiner Rückkehr hatte ich mich gefragt, was die Leute in der Stadt wohl dachten, was ihre Blicke ausdrückten, wenn sie grußlos an mir vorübergingen. Die wenigen Menschen, die zu uns
nach Hause gekommen waren, hatten mich umarmt, dann aber all ihre Aufmerksamkeit auf Eve gerichtet. Glaubten sie, ich hatte die ganze Zeit gewusst, dass sie krank war? Dass ich einfach die Augen davor verschlossen hatte? Wahrscheinlich zählte es nicht, dass ich keine Ahnung davon gehabt hatte. Für die Inselbewohner bedeutete die Familie alles, selbst entfernte Verwandte wie Cousins und Onkel zweiten und dritten Grades. Meine Abwesenheit muss ihnen als maßloser Egoismus erschienen sein.
    »Ach, es tut mir leid«, sagte Mrs. Brent. »Ich weiß, ich mische mich in alles ein, und nun stecke ich meine Nase auch noch in deine Angelegenheiten. Ich hasse das an mir, aber vielleicht ist das ganz natürlich, wenn man älter wird, so wie die Falten am Hals.«
    »Hey, Mrs. Brent?«, rief Gillian hinter mir. »Wir sind fast fertig hier, aber wir haben ein paar Schnitzer gemacht. Wir waren nicht besonders gut.«
    »Ach, ich bin sicher, es ist ganz wunderbar geworden, und

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