BAD BLOOD - Gesamtausgabe: Die Saga vom Ende der Zeiten (über 3000 Buchseiten!) (German Edition)
gestatte ihm, alles niederzubrennen, was in mir ist.
Zurück bleibt eine Lüge, die jene täuscht, die glauben, gesiegt zu haben. Über einen, den sie Sardon nannten...
Ich lache noch aus dem Jenseitigen zu ihnen hin. Als sei ein Mächtiger so leicht zu töten!
Die Narren aber leben weiter, so leicht zu täuschen und zu blenden von des Teufels Tun und Treiben.
Die Zusammenkunft
Vergangenheit
Tobias Stifter wurde aus tiefem Schlaf gerissen. Jemand zerrte und rüttelte an ihm. Desorientiert richtete er sich auf.
»Elisabeth...?«, rann es aus seinem Mund. Langsam kehrte die Erinnerung zurück – an eine ganz besondere Liebesnacht mit einer einzigartigen Frau. Seiner Frau...
In diesem Moment schrie der hässliche, totenbleiche Eindringling, der seinen Arm umklammert hielt: »Los, rede! Wo ist sie?«, Beim Sprechen schien er die Luft einzusaugen, anstatt sie – wie es normal gewesen wäre – hervorzustoßen. Gleichzeitig zündeten seine stechend roten Augen kleine, unlöschbare Brände in Tobias' Seele. »Sag mir, wohin sie verschwunden ist!«
Vergeblich hielt nun auch Tobias selbst Ausschau nach seiner Frau, mit der er die glühendste Liebesnacht seines Lebens verbracht hatte. »Ich... weiß nicht, wo sie hin ist. Gerade eben war sie noch -«
»Schweig, du lächerliches Ding!«
Tobias gehorchte, wenn auch mehr aus Irritation denn aus Angst. Vor Stunden erst hatte er sich in dieser fremden Umgebung wiedergefunden – in einem verliesartigen Raum, in den kurz darauf Elisabeth eingetreten war. Schießschartenkleine Öffnungen im Mauerwerk gestatteten zwar einen Blick nach draußen, aber dort herrschte stockfinstere Nacht. Tobias hatte nichts erkennen können, gar nichts. Dennoch beharrte sein
Gefühl
weiterhin darauf, dass dieser Raum sich nicht im Monte Cargano, dem Sitz der Illuminaten, befand.
Verrückt...
»Warum nennst du mich 'Ding'?«, brach Tobias sein Schweigen. »Und wo bin ich hier? Wie sind Elisabeth und ich hierher gelangt?«
Der Blick des Fremden gloste, als würde ein Schmiedefeuer von einem fauchenden Luftstrom in Gang gehalten.
»Sie hat dir nichts von ihren Fluchtplänen verraten?«
»Fluchtpläne?«, Der schlanke junge Mann schüttelte den Kopf. »Sie würde nie ohne mich -«
»Davon gingen wir auch aus«, fiel ihm die sonderbare, leichenblasse Gestalt ins Wort. »Offenbar haben wir sie unterschätzt. Ein unverzeihlicher Fehler...«
»Lass mich los – sofort!«, Tobias versuchte sich des Griffes zu entledigen, mit dem der andere ihn festhielt.
»Schon gut...« Die Finger lösten sich.
Tobias Stifter wollte sich vollends vom Boden erheben und zu ganzer Größe aufrichten.
Da stieß die Hand des Bleichen auf sein Gesicht zu. Der leicht gekrümmte Zeigefinger hackte wie ein Schnabel in eines der verwirrt dreinblickenden Augen und durchbohrte es.
Tobias Stifter,
dieser
Tobias Stifter, starb in der Blüte seines Lebens – und mit einem grauenhaften Schrei auf den Lippen.
Natan sah hinab auf den dunkelhaarigen Mann, der seinem äußeren Erscheinungsbild nach um die fünfundzwanzig Jahre alt sein musste und der jetzt mit einem langgezogenen, hohlen Seufzer in sich zusammensank. Stifters Kopf fiel schlaff zur Seite. Ein fahlgraues Rinnsal lief aus dem zerstörten Auge heraus und verlor sich in der Streu des Bodens.
Ein Lufthauch streifte Natan. Eine zweite Gestalt, die große Ähnlichkeit mit ihm, aber auch unübersehbare Unterschiede zu ihm aufwies, betrat den Kerker. Grundverschiedene leibliche Väter hatten sie gezeugt und ebenso unterschiedliche Mütter hatten sie in diese Welt geboren, doch nach ihrem allzu frühen Tod im Kindesalter hatte sich
ihr aller Vater
ihrer erbarmt, sich um sie gekümmert und ihnen einen Neubeginn ermöglicht.
Doch ihre Schuld an ihn hatten sie noch nicht abtragen können.
Vielleicht würde sie dazu nie mehr in der Lage sein, denn der Satan, der ihren fast verloschenen Lebensfunken wiederentfacht hatte, war seinem ewigen Widersacher zum Opfer gefallen: 1666, vor nun beinahe vierzig Jahren, war er durch den Illuminaten-Führer Salvat und dessen Armee bei einer Pestgrube zu London ausgelöscht worden!
In seinen letzten Zügen hatte sich Satan damals der zwölf Kinder erinnert, die er in einem Haus in Perpignan in sicherer Obhut zurückgelassen hatte. Sein in sie strömender Odem hatte sie aus ihrem langen Heilschlaf erweckt und mit Wissen und Macht ausgestattet – einem Abglanz seiner eigenen Fähigkeiten.
So hatten die
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