Black Rain: Thriller (German Edition)
stellte die Ocana quer. Das schwimmende Objekt stieß sanft gegen die Backbordseite. Verhoven klemmte es am Rumpf ein.
Nach einem ersten Blick waren alle überrascht. »Igitt, wie widerlich«, sagte Susan.
»Es ist eine Leiche«, sagte Danielle für die, die es nicht sehen konnten.
Es war die Leiche eines Eingeborenen, die mit dem Gesicht nach unten im Wasser trieb, umgeben von einem Gewirr aus Zweigen, Blättern und anderem Treibgut. Die untere Hälfte des Rumpfes und die Beine waren unter der Oberfläche, sodass man nur den Hinterkopf und den halben Oberkörper des Mannes sah.
»Können Sie das Treibgut wegräumen?«, sagte Danielle besorgt, aber ruhig.
Verhoven kratzte etwas von dem Unrat mit dem Ende des Ruders beiseite. Er stieß ein Knäuel Zweige fort, das sich an dem Mann verfangen hatte, und wandte seine Aufmerksamkeit dann einem meterlangen Holzstück zu, das neben dem Kopf des Toten trieb. Er drückte mit seiner Stange dagegen, und es entfernte sich, aber der Körper folgte ihm mit einem Ruck, und die Hände des Mannes trieben an die Oberfläche. Seine Handgelenke waren mit Schnüren an das Holz gefesselt.
Verhoven spuckte einen Tabakstrahl über die Bordwand. »Er ist an dem verdammten Ding festgebunden.«
Danielle sah die primitiven Stricke der Eingeborenen an den Händen des Toten. Es war kein gutes Zeichen und wahrhaftig nichts, was die anderen sehen sollten.
Aber sie sahen es und reckten die Hälse wie Schaulustige bei einem Autounfall, während Verhoven versuchte, das Holzstück weiter weg zu bugsieren. Durch seine Bemühungen geriet der Körper ins Trudeln und drehte sich schließlich auf den Rücken. Die Beobachter auf dem Boot starrten ihn schweigend an. Das braune, von nassem, schwarzem Haar eingerahmte Gesicht schien relativ unverletzt zu sein, aber der Oberkörper wies eine Vielzahl von Narben auf: zwei große Löcher in der Brust, ein paar lange Schnitte, die von der linken Schulter bis zum Magen hinunter verliefen und eine Reihe knollenartiger Schwellungen, kugelförmige schwarze Blasen von der Größe und Form einer halben Grapefruit.
Polaski stellte die Frage, die alle beschäftigte. »Was um alles in der Welt ist ihm zugestoßen?«
Danielle betrachtete die Löcher in der Brust. Sie waren groß und rund. »Sind das Einschusslöcher?«
Verhoven schüttelte den Kopf. »Zu groß. Was vorn so ein Loch macht, müsste hinten einen Eisenbahntunnel heraussprengen. Und ich sehe keine Austrittswunde. Sieht aus, als wäre er von irgendetwas aufgespießt worden. Ein zugespitzter Stock, vielleicht.«
Danielle gab sich mit dieser Ansicht nicht zufrieden. Sie ging in die Hocke, studierte die Löcher in der Brust und bemerkte Beschädigungen an der Haut des Mannes, die auf eine Bewegung in beide Richtungen hinwies. »Etwas ist eingedrungen und wieder herausgezogen worden«, flüsterte sie. »Es ging nicht durch.«
Hinter ihr wurde es eng an Deck, da sich alle vordrängten, um besser zu sehen.
»Was ist mit diesen Dingern?«, fragte Devers und wies auf die dunklen Schwellungen. »Ich meine, das ist ja wohl hoffentlich nicht Ebola oder so etwas.«
Einige der Blasen wiesen unregelmäßige Risse auf, als wären sie explodiert. Andere zeigten sauberere Schnitte, als hätte man sie absichtlich geöffnet, vielleicht damit sie nicht platzten. In diesem Moment wünschte Danielle, sie hätten einen Arzt mitgenommen, aber noch ein Zivilist wäre einer zu viel gewesen. Ihre eigene beschränkte medizinische Ausbildung seitens des NRI und ein Abschluss in Biologie würden genügen müssen. »Es gibt keinen Ausfluss«, sagte sie, ging näher und schnupperte. »Auch keinen Infektionsgeruch.«
Tatsächlich roch man überhaupt nicht viel, was sie annehmen ließ, dass der Mann erst vor kurzem gestorben war, wahrscheinlich innerhalb der letzten vierundzwanzig Stunden.
»Es sieht mehr wie eine Reaktion auf etwas aus«, sagte sie. »Wie eine Verätzung oder Striemen von einem Schlag.« Möglicherweise waren Haut und Gewebe durch Schläge verletzt worden und dann überproportional angeschwollen, weil die Leiche im Wasser lag. »Abgesehen davon gibt es Ebola nur in Afrika.«
Devers nickte und schob sich näher. »Gut zu wissen. Permafrost, Ebola – ich lerne alle möglichen Dinge auf dieser Reise.«
Da ihr Devers unangenehm nahe gerückt war, stand Danielle auf und schob ihn vom Rand des Boots fort, zurück zu den anderen. »Bleiben Sie dort«, sagte sie und sah ihn böse an, ehe sie sich an Verhoven wandte.
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