Blutsverwandte: Thriller (German Edition)
weitere Kinder.
Bonnies Leiche war in einer anderen Wüste gefunden worden, und obwohl die Umstände stark vermuten ließen, dass Giles oder Cleo sie umgebracht hatten, stand noch nicht fest, ob sie tatsächlich ermordet worden war – selbst eine Obduktion würde vielleicht keinen letzten Aufschluss darüber geben, ob sie von selbst die Treppe hinuntergefallen oder gestoßen worden war. Die toxikologischen Untersuchungen würden sechs oder mehr Wochen dauern, doch Carries Aussage wies darauf hin, dass Bonnie womöglich von Roy unter Drogen gesetzt worden war – ein weiterer Faktor, den man in Betracht ziehen musste. Fingerabdrücke, DNA-Spuren und Hinweise auf Schüsse waren an dem Schauplatz in der Wüste und dem von Kugeln durchsiebten Geländewagen gesichert worden. Die Fingerabdrücke aus dem BMW würden in die einschlägige IAFIS-Datenbank des FBI eingegeben werden, die DNA würde mit der DNA aus dem in Sheila Dolsons Garten verlorenen Schuh und die Kugeln würden mit jenen verglichen werden, die Sheila getötet hatten.
Reed hatte mir erzählt, dass Sheilas DNA mit der von den Zigaretten übereinstimmte, die an Gerry Serres Begräbnisstätte auf dem Sheffield-Anwesen gefunden worden waren. Das hieß, dass sie zumindest bei seinem Begräbnis dabei gewesen sein musste.
»Stammen irgendwelche DNA-Spuren an den Zigaretten, die dort draußen gefunden wurden, von jemand anders?«, fragte ich.
»Nein. Nur von Sheila. Was uns vermuten lässt, dass sie die Sache womöglich allein durchgezogen hat. Wir versuchen herauszufinden, ob sie was mit Gerry Serre gehabt hat, aber wir sind uns bei weitem noch nicht sicher, dass sie diejenige ist, die ihn ermordet hat.«
Die Nachricht über die Kinder war noch nicht im Fernsehen gekommen, als ich mit ihm sprach. Hinterher begannen die lokalen Polizeibehörden Roy Fletcher in einem anderen Licht zu betrachten.
Ich sah die Fotos der Kinder, die Roy die seinen nannte, als ich mit Mark in der Redaktion an den letzten Details für seinen Artikel über die laufenden Ermittlungen in Bezug auf Roy Fletchers Familie arbeitete. Zuvor hatte ich bereits einen Bericht aus meiner Perspektive eingereicht – doch von da an hatte ich als Reporterin nichts mehr mit der Geschichte zu tun.
Frank saß neben mir, einzig und allein in der Rolle des beschützenden Ehemanns. Ich habe inzwischen akzeptiert, dass er einfach nicht anders kann, und würde lügen, wenn ich behauptete, dass ich es an diesem Abend nicht zu schätzen gewusst hätte. John Walters ermahnt mich immer wieder gern, dass ich keine Cops in seine Redaktion bringen soll, doch in Wirklichkeit mag er Frank und plaudert gern mit ihm. Im Lauf der Zeit hat er auch begriffen, dass ich nicht »Frank Harriman, den Polizeispitzel« geheiratet habe. Trotz aller Beweise für das Gegenteil vermuten Franks Arbeitgeber allerdings immer noch, dass er »Irene Kelly, die Zeitungsschnüfflerin« geheiratet hat.
John sagte mir, er habe die Bilder hochgeladen und sie mir auf meinen Rechner geschickt. Ich war so erschöpft, dass ich eigentlich nur noch nach Hause wollte, doch meine Neugier siegte. Zuerst sah ich das Foto eines Jungen mit der Bildunterschrift Troy Fletcher. Ein süßer Junge, doch ich kannte ihn nicht. Das nächste Bild mit der Textzeile Aaron Fletcher ließ mich in die Höhe schießen.
»Mein Gott – das ist Luke Serre.«
»Luke Serre?«, sagte John, während er auf meinen Platz zukam. »Der Ermordete?«
»Nein, das war Gerry Serre. Das hier ist sein Sohn. Erkennst du ihn nicht?« Ich lud die Fotos auf den Bildschirm, die mir Jane Serre vor ein paar Tagen gegeben hatte, als ich sie interviewt hatte, nachdem die Leiche ihres Exmanns auf dem Sheffield-Anwesen gefunden worden war. Ich platzierte das Foto des Jungen, der nun den Namen Aaron Fletcher trug, neben das jüngste der Bilder, die sie mir von ihrem Sohn gegeben hatte.
Nur zwei Jahre waren verstrichen, und obwohl Luke in dieser Zeit vom Kleinkind zum Vorschulkind geworden war, war die Ähnlichkeit unverkennbar.
»Mann, nicht zu fassen«, sagte Frank.
»Rufen Sie lieber gleich Ihre Freunde an und sagen Sie ihnen Bescheid«, meinte John, doch Frank hatte bereits sein Mobiltelefon in der Hand und Reed Collins’ Nummer angewählt.
»Zwei dieser vier Kinder wurden in Las Piernas gekidnappt«, sagte John und rief Mark unwirsch zu, dass er noch nicht nach Hause gehen könne.
Da klingelte mein Telefon. Es war Caleb, der von unserem Haus aus anrief. Er war seit ein paar Stunden
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