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Cäsar Birotteaus Größe und Niedergang (German Edition)

Cäsar Birotteaus Größe und Niedergang (German Edition)

Titel: Cäsar Birotteaus Größe und Niedergang (German Edition) Kostenlos Bücher Online Lesen
Autoren: Honoré de Balzac
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Crevel,
Cäsar Birotteaus Nachfolger.
    »Ich sehe nicht mehr richtig, war das nicht Cäsarine?« rief er aus, da er einen blonden Kopf am Fenster bemerkt hatte.
    Er hatte in der Tat seine Tochter, seine Frau und Popinot erblickt. Die Liebenden wußten, daß Birotteau niemals an seinem alten Hause vorbeiging. Ahnungslos, daß das doch geschehen könne, waren sie hergekommen, um einige Vorbereitungen für das Fest, das Cäsar zugedacht war, zu treffen. Dieser merkwürdige Anblick setzte Birotteau dermaßen in Erstaunen, daß er wie angewurzelt stehen blieb.
    »Da sieht sich Herr Birotteau sein früheres Haus an«, sagte Herr Molineux zu dem Kaufmann, der sein Geschäft gegenüber der Rosenkönigin hatte. »Der arme Mann«, sagte der frühere Nachbar des Parfümhändlers; »damals hat er einen der großartigsten Bälle gegeben .... Zweihundert Wagen waren da.«
    »Ich war auch da, und drei Monate später hat er Konkurs gemacht,« sagte Molineux, »ich war einer der Syndici.«
    Birotteau eilte mit zitternden Beinen weiter zu seinem Onkel Pillerault.
    Pillerault, der von dem, was sich in der Rue des Cinq-Diamants ereignet hatte, benachrichtigt war, fürchtete, daß sein Neffe schwerlich die Aufregung, die ihm eine solche Freude wie die seiner Rehabilitierung verursachen würde, aushalten könnte, denn er war täglich Zeuge des Seelenjammers dieses armen Menschen, der immer noch an seinen unbeugsamen Anschauungen über die Kridare festhielt, und an dessen Kräften jeder Tag zehrte. Für Cäsar war seine kaufmännische Ehre wie eine Leiche, für die es den Tag ihrer Auferstehung geben konnte. Diese Hoffnung ließ seinen Kummer nie einschlafen. Pillerault beschloß, seinen Neffen auf die guten Nachrichten langsam vorzubereiten. Als Birotteau bei ihm eintrat, überlegte er gerade, wie er das bewerkstelligen könnte. Es erschien ihm daher die Freude, mit der der Angestellte von dem Interesse, das ihm der König bezeugt hatte, erzählte, ein gutes Vorzeichen, und das Erstaunen über den Anblick Cäsarines in der Rosenkönigin ein vortrefflicher Anlaß zu sein, die Sache zur Sprache zu bringen.
    »Weißt du, weshalb du sie dort gesehen hast, Cäsar? Weil Popinot mit der Hochzeit nicht länger warten will. Du hast nicht das Recht, um deiner übertriebenen Ansichten über kaufmännische Redlichkeit willen die Jugend deiner Tochter hinschwinden zu lassen bei trockenem Brot mit dem Duft eines guten Diners in der Nase. Popinot will dir das Geld zur völligen Bezahlung deiner Gläubiger geben.«
    »Er will sich also seine Frau kaufen«, sagte Birotteau.
    »Ist das etwa nicht ehrenhaft gehandelt, wenn er seinen Schwiegervater rehabilitiert sehen will?«
    »Außerdem würde das Anlaß zu Differenzen geben. Übrigens ...«
    »Übrigens«, sagte der Onkel und stellte sich zornig, »hast du wohl das Recht, dich aufzuopfern, aber nicht deine Tochter.«
    Es entspann sich eine lebhafte Diskussion, die Pillerault absichtlich noch heftiger gestaltete.
    »So,« rief Pillerault, »und wenn Popinot dir nichts leiht, sondern dich als seinen Sozius ansieht, wenn er das Geld für deine Gläubiger als einen Vorschuß auf deinen Gewinnanteil betrachtet, um dich nicht zu schädigen ...«
    »So würde es aussehen, als ob ich im Einverständnis mit ihm meine Gläubiger betrogen hätte.«
    Pillerault tat jetzt so, als ob er sich durch dieses Bedenken für geschlagen hielt. Er kannte das menschliche Herz genügend, um zu wissen, daß der ehrenhafte Mann bei Nacht in bezug auf diesen Punkt mit sich selbst kämpfen, und daß dieser innere Streit ihn an den Gedanken der Rehabilitierung gewöhnen würde.
    »Aber wieso«, sagte er, als sie bei Tisch waren, »sind meine Frau und meine Tochter in meiner alten Wohnung gewesen?«
    »Anselm will sie für sich und Cäsarine mieten. Deine Frau stimmt ihm zu. Sie haben, ohne es dir zu sagen, ihr Aufgebot bestellt, um deine Einwilligung zu erzwingen. Popinot behauptet, es wäre seiner weniger würdig, wenn er Cäsarine erst nach deiner Rehabilitierung heiratete. Die sechstausend Franken vom Könige nimmst du an, aber von deiner Familie willst du nichts annehmen! Wenn ich dir nun eine Quittung geben wollte, daß ich alles erhalten habe, würdest du das auch ablehnen?«
    »Nein,« sagte Cäsar, »aber das würde mich nicht abhalten, weiter zu sparen, um Sie, trotz der Quittung, zu bezahlen.«
    »Alles das sind Spitzfindigkeiten,« sagte Pillerault, »im Punkte der Ehrenhaftigkeit denke ich doch wohl selber strenge genug.

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