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Das Flammende Kreuz

Titel: Das Flammende Kreuz Kostenlos Bücher Online Lesen
Autoren: Diana Gabaldon
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gegen Sonnenblumenöl einzutauschen, das ich zur Herstellung von Shampoo und weiterer Seife benutzen wollte. Diese wiederum ließ sich überall zu exzellenten Preisen verkaufen - in Cross Creek, Wilmington, New Bern - sogar Charleston, falls wir uns je so weit vorwagen sollten. So dachte ich jedenfalls. Allerdings war ich mir nicht sicher, ob Jamie bereit sein würde, auf dieses Vorhaben zu bauen; es würde Monate dauern, bis es Früchte trug, während er mit dem Verkauf des Honigs unmittelbar Profit erzielen konnte. Doch wenn er einsah, dass die Seife mehr bringen würde als der rohe Honig, würde ich keine Schwierigkeiten haben, meinen Willen zu bekommen.
    Bevor ich meine Pläne weiter erläutern konnte, hörten wir leise Schritte im Flur, und es klopfte sacht an der Tür.
    »Herein«, sagte Jamie und richtete sich auf. Mr. Wemyss steckte den Kopf ins Zimmer, zögerte jedoch und machte angesichts der blutigen Flecken an meinen Händen ein leicht alarmiertes Gesicht. Jamie winkte ihn mit seiner Feder kameradschaftlich herein.
    »Aye, Joseph?«

    »Wenn ich ein Wort mit Euch sprechen dürfte, Sir?« Mr. Wemyss war ganz alltäglich mit Hemd und Hose bekleidet, hatte jedoch sein feines, helles Haar mit Wasser geglättet, was darauf hindeutete, dass es einen formellen Anlass für seine Bitte gab.
    Ich schob meinen Sessel zurück und streckte die Hände aus, um meine Sachen an mich zu nehmen, doch Mr. Wemyss gebot mir mit einer kurzen Geste Einhalt.
    »Oh, nein, Ma’am. Wenn es Euch nichts ausmacht, wäre es mir sehr lieb, wenn Ihr auch bleiben könntet. Es geht um Lizzie, und die Meinung einer Frau würde mir in dieser Angelegenheit viel bedeuten.«
    »Natürlich.« Ich lehnte mich zurück und zog neugierig die Augenbrauen hoch.
    »Lizzie? Dann habt Ihr also einen Ehemann für unsere Kleine gefunden, Joseph?« Jamie stellte seine Feder in das Glas auf seinem Schreibtisch, beugte sich interessiert vor und wies auf einen leeren Hocker.
    Mr. Wemyss nickte. Im Schein der Kerze stachen die Knochen seines hageren Gesichtes hervor. Er akzeptierte die ihm angebotene Sitzgelegenheit mit einer gewissen Würde, die so gar nicht zu seiner sonstigen, leicht verwirrten Ausstrahlung passen wollte.
    »Ich glaube schon, Mr. Fraser. Robin McGillivray hat mich heute Morgen besucht, um mir vorzuschlagen, dass sich meine Elizabeth mit seinem Jungen, Manfred, verlobt.«
    Meine Augenbrauen hoben sich noch mehr. Soweit mir bekannt war, hatten sich Manfred und Lizzie bislang weniger als ein Dutzend Mal gesehen, und er hatte nicht mehr als die allerkürzesten Höflichkeiten mit ihr ausgetauscht. Es war nicht unmöglich, dass er sich zu ihr hingezogen fühlte; Lizzie war zu einem zarten, hübschen Mädchen herangewachsen, und wenn sie auch immer noch sehr schüchtern war, besaß sie doch angenehme Umgangsformen. Doch dies schien mir kaum die rechte Basis für einen Heiratsantrag zu sein.
    Als Mr. Wemyss uns die Sache jetzt erläuterte, wurde sie mir etwas klarer. Jamie hatte Lizzie eine Mitgift versprochen, die aus einem Stück besten Landes bestand, und als frei gekaufter Zwangsarbeiter hatte auch Mr. Wemyss Anspruch auf fünfzig Acres - die Lizzie erben würde. Das Land der Wemyss’ grenzte an das der McGillivrays an, und beides zusammen würde eine ausgesprochen respektable Farm ergeben. Da ihre drei Töchter jetzt verheiratet oder angemessen verlobt waren, war Manfreds Verheiratung der nächste Punkt in Ute McGillivrays Generalplan. Nach eingehender Betrachtung aller heiratsfähigen Mädchen im Umkreis von zwanzig Meilen war ihre Wahl auf Lizzie gefallen, die die beste Partie zu sein schien, und sie hatte Robin losgeschickt, um die Verhandlungen zu eröffnen.
    »Nun ja, die McGillivrays sind eine anständige Familie«, sagte Jamie umsichtig. Er tauchte einen Finger in meine Schüssel mit den Blutwurzraspeln
und tupfte ihn nachdenklich auf sein Löschpapier, wo er eine Reihe roter Fingerabdrücke hinterließ. »Sie haben nicht viel Land, aber nach allem, was ich höre, kommt Robin gut zurecht, und Manfred ist ein fleißiger Arbeiter.« Robin war Büchsenmacher und hatte ein kleines Geschäft in Cross Creek. Manfred war bei einem anderen Büchsenmacher in Hillsborough in die Lehre gegangen und war jetzt Geselle.
    »Würde er mit ihr nach Hillsborough ziehen?«, fragte ich. Das würde schwer auf Joseph Wemyss lasten. Er hätte zwar alles getan, um seiner Tochter eine gute Zukunft zu sichern, doch er liebte Lizzie von ganzem Herzen, und ich

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