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Das Flammende Kreuz

Titel: Das Flammende Kreuz Kostenlos Bücher Online Lesen
Autoren: Diana Gabaldon
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beantragte und in der Pfarre betteln ging. Ganz gleich, was er von der Frau hielt, er betrachtete sie als seine Verantwortung, und damit war der Fall erledigt.
    Ich vermutete, dass eine Bezahlung der Schuld in gesalzenem Fisch und grober Seife ebenfalls nicht in Frage kam. Damit blieben uns drei Möglichkeiten: Wir konnten unseren Whiskyvorrat verkaufen, was langfristig jedoch ein herber Verlust sein würde. Wir konnten uns Geld von Jocasta leihen; möglich, aber äußerst unangenehm. Oder wir konnten etwas anderes verkaufen. Mehrere Pferde zum Beispiel. Eine größere Anzahl Schweine. Oder einen Edelstein.
    Die Kerzenflamme brannte kräftig, und rings um den Docht war das Wachs geschmolzen. Wenn ich in den klaren See aus flüssigem Wachs blickte, konnte ich sie sehen: drei Edelsteine, dunkel vor dem blassen, graugoldenen Hintergrund der Kerze, ihre kräftigen Farben gedämpft, unter dem Wachs jedoch dennoch sichtbar. Ein Smaragd, ein Topas und ein schwarzer Diamant.
    Jamie berührte sie nicht, doch er starrte sie konzentriert an und zog seine dichten, roten Augenbrauen zusammen.
    Es würde nicht leicht sein, im kolonialen North Carolina einen Edelstein zu verkaufen; sehr wahrscheinlich bedurfte es einer Reise nach Charleston oder Richmond. Möglich war es jedoch, und es würde genug Geld einbringen, um Laoghaire ihr Blutgeld zu bezahlen und die gesammelten, restlichen Kosten zu begleichen. Doch die Edelsteine besaßen einen Wert, der ihren Geldwert weit überstieg - sie waren die Währung für die Reise durch die Steine; sie schützten das Leben des Reisenden.
    Das Wenige, was wir über diese gefährliche Reise wussten, basierte zum Großteil auf den Dingen, die Geillis Duncan aufgeschrieben oder mir erzählt hatte; ihrer Überzeugung nach boten Juwelen dem Reisenden nicht nur Schutz vor dem Chaos in jenem grauenhaften Zwischenraum zwischen den Zeitschichten, sondern ermöglichten ihm auch ein gewisses Maß an Navigation - so dass er die Zeit wählen konnte, in der er landete.

    Einem Impuls folgend, ging ich zurück zum Regal, stellte mich auf die Zehenspitzen und tastete nach dem lederumwickelten Bündel, das dort im Dunkel versteckt war. Es lag schwer in meiner Hand, und ich wickelte es vorsichtig aus und legte den ovalen Stein neben der Kerze auf den Tisch. Es war ein großer Opal mit einem feurigen Kern unter einer Hülle aus stumpfem Gestein, der durch die Gravur in seiner Oberfläche bloß gelegt wurde - eine Spirale; eine primitive Darstellung der Schlange, die sich in den Schwanz beißt.
    Der Opal gehörte einem anderen Reisenden - dem mysteriösen Indianer namens Otterzahn. Einem Indianer, dessen Schädel Zähne mit Silberplomben enthalten hatte; einem Indianer, der des Englischen mächtig gewesen zu sein schien. Er hatte diesen Stein seine »Rückfahrkarte« genannt - daher sah es so aus, als ob Geilie Duncan nicht die Einzige war, die glaubte, dass Edelsteine eine gewisse Macht besaßen, dort, an jenem furchtbaren Ort... dazwischen.
    »Fünf, hat die Hexe gesagt«, sagte Jamie nachdenklich. »Sie hat doch gesagt, man braucht fünf Steine, oder?«
    »Das hat sie geglaubt, ja.« Es war ein warmer Abend, doch der Haarflaum auf meinem Kinn prickelte, als ich an Geilie Duncan dachte, an die Steine - und an den Indianer, dem ich im Dunklen auf einem Berghang begegnet war und dessen Gesicht schwarz bemalt war, weil er dem Tod geweiht war. Kurz darauf hatte ich den Opal gefunden und den Schädel, der mit ihm zusammen vergraben war. War der Schädel mit den Silberfüllungen, den wir begraben hatten, der seine gewesen?
    »War es wichtig, dass die Steine poliert oder geschliffen sind?«
    »Ich weiß es nicht. Ich glaube, sie hat gesagt, geschliffene Steine sind besser - aber ich weiß nicht, was sie darauf gebracht hat oder ob sie Recht hatte.« Das war immer der Haken; wir wussten so wenig mit Gewissheit.
    Er machte ein leises Hmf- Geräusch und rieb sich langsam mit dem Fingerknöchel über den Nasenrücken.
    »Nun, wir haben diese drei und den Rubin meines Vaters. Sie sind geschliffen und poliert, und es sind vier. Dann diesen kleinen Klunker da -«, er warf einen Blick auf den Opal, »und den Stein in deinem Amulett, beides rohe Steine.« Wichtig hierbei war, dass die geschliffenen oder polierten Steine sehr viel mehr Bargeld einbringen würden als der grobe Opal oder der Rohsaphir in meinem Medizinbeutel. Und doch - konnten wir das Risiko eingehen, einen Stein zu verlieren, der eines Tages für Brianna oder

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