Bücher online kostenlos Kostenlos Online Lesen

Das Flammende Kreuz

Titel: Das Flammende Kreuz Kostenlos Bücher Online Lesen
Autoren: Diana Gabaldon
Vom Netzwerk:
sich, klammerte ihn an ihre Brust und verbarg sein Gesicht an ihrer Schulter. Ihr Gesicht war schreckensbleich geworden.
    Auch Roger sah erschrocken aus. Er hob vorsichtig die Hand an seine Kehle, als sei er sich nicht ganz sicher, dass das, was er da berührte, tatsächlich seine eigene Haut war. Die Seilnarbe war immer noch eine dunkle Wulst unter seinem Kinn; selbst im flackernden Schein des Feuers konnte ich sie sehen, genau wie die kleinere, präzisere Linie meines eigenen Einschnittes.
    Der erste Schock über seinen Schrei war verklungen, und die Männer unter dem Baum rappelten sich auf und kamen zu uns. Auch die Findlays kamen vom Weg angerannt, um sich mit den anderen um Roger zu scharen und ihm begeistert ihre Glückwünsche auszusprechen. Roger nickte. Er ergab sich in sein Schicksal, doch während ihm alle Welt die Hand schüttelte und ihm auf den Rücken klopfte, sah er so aus, als wäre er am liebsten weit weg.
    »Sagt noch etwas«, bedrängte ihn Hugh Findlay.
    »Ja, Sir, Ihr könnt es«, fiel lain ein, und sein rundes Gesicht strahlte. »Sagt... sagt: >Fischers Fritz fischt frische Fische!‹«
    Dieser Vorschlag wurde grölend abgelehnt, und es hagelte weitere Anregungen. Roger sah allmählich völlig verzweifelt aus und hatte den Mund fest zugepresst. Jamie und ich hatten uns wieder gefangen; ich konnte spüren, wie Jamie sich bereit machte, um einzugreifen.
    Da schob sich Brianna durch die aufgeregte Versammlung. Jemmy hockte auf ihrer Hüfte und betrachtete das Geschehen voller Misstrauen. Mit der freien Hand ergriff sie Rogers Hand und lächelte ihm ein wenig zittrig zu.
    »Kannst du meinen Namen sagen?«, fragte sie.
    Roger lächelte genauso wie sie. Ich konnte die Luft in seiner Kehle rasseln hören, als er Atem holte.
    Diesmal sprach er leise; ganz leise, doch alle waren still und beugten sich vor, um ihn zu verstehen. Es war ein raues Flüstern, belegt und schmerzerfüllt, die erste Silbe mit Nachdruck an seinen narbigen Stimmbändern vorbeigezwängt, die letzte kaum hörbar. Doch...
    »BRRIIah... nah«, sagte er, und sie brach in Tränen aus.

76
    Blutgeld
    Fraser’s Ridge
    Juni 1771
    Ich saß auf dem Besuchersessel in Jamies Studierzimmer und zerkleinerte Blutwurz, während ich ihm Gesellschaft leistete, als er sich durch die Quartalsabrechnung kämpfte. Beides waren zeitraubende und mühselige Beschäftigungen, doch wir konnten gemeinsam das Licht einer einzelnen Kerze nutzen und uns an der Nähe des anderen freuen - und ich konnte mich herrlich damit ablenken, dass ich den erfindungsreichen Bemerkungen lauschte, die er an das Papier unter seiner Feder richtete.
    »Eier schlürfender Sohn eines Stachelschweins!«, knurrte er. »Sieh dir das an, Sassenach. Der Mann ist nichts als ein gemeiner Dieb! Zwei Shilling, drei Pence für zwei Barren Zucker und einen Indigoblock!«
    Ich schnalzte mitfühlend mit der Zunge und enthielt mich der Bemerkung, dass zwei Shilling mir eine bescheidene Summe für eine Ware zu sein schienen, die auf den Westindischen Inseln produziert und per Schiff nach Charleston transportiert worden war, um von dort auf Wagen, Booten, per Pferd und zu Fuß mehrere hundert Meilen überland geschafft zu werden, bis ein fahrender Händler sie schließlich an unsere Haustür gebracht hatte - ein Händler, der nicht mit einer Bezahlung rechnete, bevor er in drei oder vier Monaten das nächste Mal vorbeikam-und der wahrscheinlich sowieso kein Bargeld bekommen würde, sondern eher sechs Gläser Stachelbeermarmelade oder einen Räucherschinken.
    »Jetzt sieh dir das an!«, sagte Jamie rhetorisch, während er mit kratzender Feder an einer Zahlensäule entlang fuhr und sie am unteren Ende wie einen Dolch auf das Papier niedersausen ließ. »Ein Fass Branntwein für zwölf Shilling, zwei Ballen Musselin zu jeweils drei Shilling zehn, Eisenwaren - was in Dreiteufelsnamen will Roger mit Eisenwaren; hat er eine Möglichkeit gefunden, auf einer Harke eine Melodie zu spielen? -, Eisenwaren, zehn Shilling sechs!«
    »Ich glaube, das war eine Pflugschar«, versuchte ich ihn friedlich zu stimmen. »Und zwar nicht für uns; Roger hat sie für Geordie Chisholm gekauft.« Pflugscharen waren in der Tat ziemlich teuer. Da sie aus England importiert werden mussten, besaßen nur wenige koloniale Kleinfarmer einen solchen Luxus, während sich viele bei der Bodenvorbereitung stattdessen nur mit Setzhölzern und Spaten, mit einer Axt und vielleicht einer eisernen Hacke behalten.
    Jamie blinzelte

Weitere Kostenlose Bücher