Bücher online kostenlos Kostenlos Online Lesen

Das Flammende Kreuz

Titel: Das Flammende Kreuz Kostenlos Bücher Online Lesen
Autoren: Diana Gabaldon
Vom Netzwerk:
missmutig auf sein Zahlenwerk und fuhr sich mit einer Hand durch das Haar.

    »Aye«, sagte er. »Nur, dass Geordie keinen einzigen Penny entbehren kann, bis nächstes Jahr die Ernte verkauft ist. Also bin ich es doch, der die zehn Shilling sechs jetzt bezahlt, oder?« Ohne eine Antwort abzuwarten, stürzte er sich wieder auf seine Berechnungen und knurrte »Fäkalien fressender Sohn einer fliegenden Schildkröte« vor sich hin, ohne näher zu erläutern, ob sich dies auf Roger, Geordie oder die Pflugschar bezog.
    Ich hatte meine Wurzel vollständig zerrieben und ließ den Stummel in ein Glas auf dem Tisch fallen. Blutwurz trägt seinen Namen zu Recht; der botanische Name ist Sanguinaria, und der Saft ist rot, beißend und klebrig. Die Schüssel auf meinem Schoß war mit schleimigen, feuchten Raspeln gefüllt, und meine Hände sahen so aus, als hätte ich eine Reihe kleiner Tiere ausgewaidet.
    »Ich habe sechs Flaschen Kirschlikör gemacht«, bot ich ihm an und griff nach der nächsten Wurzel. Als ob er das nicht wüsste; das ganze Haus hatte eine Woche lang nach Hustensaft gerochen. »Fergus kann sie nach Salem bringen und verkaufen.«
    Jamie nickte geistesabwesend.
    »Aye, davon will ich den Saatmais kaufen. Haben wir noch etwas, das er nach Salem mitnehmen kann? Kerzen? Honig?«
    Ich warf ihm einen scharfen Blick zu, doch er traf nur die zerzausten Wirbel auf seinem Kopf, den er dienstbeflissen über seine Zahlen gesenkt hatte. Kerzen und Honig waren ein kritisches Thema.
    »Ich glaube, zehn Gallonen Honig kann ich entbehren«, sagte ich vorsichtig. »Vielleicht zehn - na gut, zwölf Dutzend Kerzen.«
    Er kratzte sich mit der Feder an der Nasenspitze und hinterließ dort einen Tintenfleck.
    »Ich dachte, deine Bienenstöcke hätten ein gutes Jahr hinter sich«, sagte er stirnrunzelnd.
    Das stimmte; ursprünglich hatte ich einen einzigen Bienenstock gehabt, dann jedoch angebaut, und jetzt war mein Garten von neun Bienenhäusern gesäumt. Ich hatte ihnen fast fünfzig Gallonen Honig und genug Bienenwachs für gute dreißig Dutzend Kerzen entnommen. Andererseits hatte ich damit schon etwas vor.
    »Ich brauche einen Teil des Honigs für meine Ausrüstung«, sagte ich. »Er eignet sich gut für antibakterielle Verbände.«
    Er zog abrupt eine Augenbraue hoch, hielt den Blick aber weiter auf die krakeligen Buchstaben gerichtet, die er zu Papier brachte.
    »Ich könnte mir vorstellen, dass er Fliegen anlockt«, sagte er, »wenn nicht sogar Bären.« Er tat diesen Gedanken mit einer Bewegung seiner Feder ab. »Wie viel brauchst du denn? Ich kann mir nicht vorstellen, dass sich die Verwundeten so zahlreich in dein Sprechzimmer verirren, dass du vierzig Gallonen Honig brauchst - es sei denn, du kleisterst sie von Kopf bis Fuß damit ein.«

    Trotz meines Argwohns lachte ich.
    »Nein, zwei oder drei Gallonen sollten für Verbandszwecke reichen - sagen wir fünf, weil ich auch etwas brauche, um Elektrolyte herzustellen.«
    Er sah zu mir auf und hatte beide Augenbrauen hochgezogen.
    »Elektrisch?« Er sah die Kerze an, deren Flamme im Luftzug des Fensters flackerte, dann wieder mich. »Hat Brianna nicht gesagt, das hat etwas mit Licht zu tun? Oder mit Blitzen?«
    »Nein, Elektrolyte«, betonte ich. »Zuckerwasser. Du weißt schon, wenn ein Mensch unter Schock steht oder zu krank ist, um zu essen, oder Durchfall hat - dann unterstützt eine elektrolytische Flüssigkeit den Körper, indem sie ihm die essentiellen Ionen wieder zuführt, die er durch den Blutverlust oder den Durchfall verloren hat - kleine Partikel aus Salz, Zucker und anderen Stoffen - und dadurch zieht das Blut wieder Wasser an, und der Blutdruck wird wiederhergestellt. Du hast doch schon gesehen, wie ich das mache.«
    »Oh, so funktioniert das also?« Sein Gesicht erhellte sich interessiert, und er schien schon im Begriff zu sein, mich um eine Erklärung zu bitten. Dann fiel sein Blick auf den Stapel von Quittungen und Briefen, der nach wie vor auf seinem Schreibtisch harrte, und er seufzte und griff erneut zur Feder.
    »Nun gut«, räumte er ein. »Behalte den Honig. Kann ich die Seife verkaufen?«
    Ich nickte zufrieden. Nach vielen vorsichtigen Experimenten war es mir gelungen, eine Seife herzustellen, die nicht nach laugengetränktem, totem Schwein roch und dem Benutzer nicht die Oberhaut abzog. Doch anstelle von Talg benötigte ich dazu Sonnenblumenöl oder Olivenöl; beides war sehr teuer.
    Ich hatte vor, meinen restlichen Honig bei den Cherokeefrauen

Weitere Kostenlose Bücher