Das Flammende Kreuz
wusste, dass ihr Verlust ihn tief treffen würde.
Er schüttelte den Kopf. Sein Haar war jetzt getrocknet und begann sich wieder in den üblichen, hellen Strähnen aufzurichten.
»Robin sagt nein. Er sagt, der Junge hat vor, sich in Woolam’s Creek ansässig zu machen, vorausgesetzt, er kann dort ein kleines Geschäft eröffnen. Sie würden auf der Farm leben.« Er bedachte Jamie mit einem Seitenblick, dann wandte er sich ab, und das Blut stieg ihm in sein blasses Gesicht.
Jamie senkte den Kopf, und ich sah, wie sich sein Mundwinkel verzog. Das war also der Punkt, an dem er ins Spiel kam. Woolam’s Creek war eine kleine, aber wachsende Siedlung am Fuß unseres Berges. Zwar befanden sich die dortige Mühle und das Land am anderen Bachufer im Besitz der Woolams, einer ortsansässigen Quäkerfamilie, doch das gesamte Land auf der uns zugewandten Seite gehörte Jamie.
Er hatte bereits Ronnie Sinclair, Theo Frye und Bob O’Neill jeweils mit Land, Werkzeugen und Arbeitsmaterial zur Errichtung einer Küferwerkstatt, einer - noch im Bau befindlichen -Schmiede und eines kleinen Gemischtwarenladens ausgeholfen; zu Bedingungen, die uns zwar einen Anteil an ihren zukünftigen Gewinnen garantierten, jedoch keine unmittelbaren Einkünfte.
Jamie und ich mochten zwar Pläne für die Zukunft haben, doch galt dies für Ute McGillivray nicht minder. Sie wusste natürlich, dass Lizzie und ihr Vater Jamies besondere Wertschätzung genossen und dass er sich mit großer Wahrscheinlichkeit dazu hinreißen lassen würde, für sie zu tun, was er konnte; würde Jamie Manfred als Teil der Übereinkunft eine Werkstatt in Woolam’s Creek zur Verfügung stellen?
Jamie sah mich aus dem Augenwinkel an, und ich zog kaum merklich eine Schulter hoch. Ich fragte mich, ob Lizzies Zerbrechlichkeit wohl eine Rolle in Ute McGillivrays Berechnungen spielte. Es gab genug Mädchen, die kräftiger als Lizzie waren und damit bessere Voraussetzungen für die Mutterschaft mitbrachten. Doch falls Lizzie im Kindbett starb, würden die McGillivrays um ihre Mitgift und das Grundstück in Woolam’s Creek reicher sein - und neue Ehefrauen waren nicht so schwer zu finden.
»Ich denke, dass sich da etwas einrichten lässt«, sagte Jamie vorsichtig. Ich sah, wie sein Blick erst zu dem geöffneten Kontobuch mit seinen deprimierenden Zahlensäulen wanderte und sich dann spekulierend auf mich
richtete. Land war kein Problem; Werkzeuge und Materialien würden eines sein, da wir kein Geld und herzlich wenig Kredit hatten. Ich presste die Lippen aufeinander und erwiderte seinen Blick; nein, meinen Honig bekam er nicht!
Er seufzte, lehnte sich zurück und klopfte sacht mit seinen rot gefärbten Fingern auf den Tintenlöscher.
»Das bekommen wir schon hin«, sagte er. »Was sagt die Kleine denn dazu? Will sie Manfred haben?«
Mr. Wemyss setzte eine etwas skeptische Miene auf.
»Sie sagt, ja. Er ist ein ganz lieber Junge, obwohl seine Mutter... eine großartige Frau«, fügte er hastig hinzu. »Wirklich großartig. Wenn auch ein bisschen... ähm. Aber...« Er wandte sich an mich, und Falten durchzogen seine schmale Stirn. »Um ehrlich zu sein, bin ich mir nicht sicher, ob Elizabeth weiß, was sie will, Ma’am. Sie weiß, dass es eine gute Partie wäre und dass sie in meiner Nähe bleiben könnte... Bei diesem Gedanken wurde sein Ausdruck sanfter, dann verhärtete er sich wieder. »Aber ich möchte nicht, dass sie diese Partie nur eingeht, weil sie denkt, dass es mir lieb wäre.« Er richtete seinen schüchternen Blick auf Jamie, dann auf mich.
»Ich habe ihre Mutter so geliebt«, sagte er und brachte die Worte in einem Schwall heraus, als gestünde er uns ein beschämendes Geheimnis. Er lief knallrot an und sah auf seine schmalen Hände hinunter, die er auf dem Schoß verschränkt hatte.
»Ich verstehe«, sagte ich. Ich wandte taktvoll den Blick ab und strich ein paar Blutwurzschnipsel vom Tisch. »Möchtet Ihr, dass ich mit ihr rede?«
»Oh, ich wäre Euch so dankbar, Ma’am!« Von Erleichterung beflügelt, wäre er beinahe aufgesprungen. Er schüttelte Jamie kräftig die Hand, verbeugte sich mehrfach vor mir und verließ schließlich unter Dankesgemurmel und Verbeugungen den Raum.
Die Tür schloss sich hinter ihm, und Jamie seufzte kopfschüttelnd.
»Der Himmel weiß, wie schwierig es ist, eine Tochter zu verheiraten, wenn sie weiß, was sie will«, sagte er finster, und es war klar, dass er dabei an Marsali und Brianna dachte. »Vielleicht ist es ja
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