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Das Flammende Kreuz

Titel: Das Flammende Kreuz Kostenlos Bücher Online Lesen
Autoren: Diana Gabaldon
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Roger über Leben und Tod entscheiden konnte?
    »Dazu wird es kaum kommen«, antwortete ich, nicht auf seine Worte, sondern auf seinen Gedanken. »Brianna wird mit Sicherheit bleiben, bis Jemmy groß ist; vielleicht für immer.« Denn wie konnte man schließlich ein Kind im Stich lassen, mögliche Enkel? Und doch: Ich hatte es getan. Ich rieb geistesabwesend mit einem Finger über das glatte Metall meines Goldrings.
    »Aye. Aber was ist mit dem Jungen?« Er sah mit hochgezogener Augenbraue
zu mir auf. Der Kerzenschein spiegelte sich klar in seinen Augen, die blau waren wie geschliffene, polierte Saphire.
    »Das würde er nicht tun«, sagte ich. »Er würde Brianna und Jemmy nicht verlassen.« Ich sprach mit fester Stimme, aber tief im Herzen spürte ich eine Spur des Zweifels, und sie spiegelte sich in meiner Stimme wider.
    »Noch nicht«, sagte Jamie leise.
    Ich holte tief Luft, antwortete aber nicht. Ich wusste sehr gut, was er meinte. In sein Schweigen gehüllt, schien sich Roger täglich mehr zurückzuziehen.
    Seine Finger waren verheilt; ich hatte Brianna gegenüber die Hoffnung geäußert, dass er Trost in seinem Bodhran finden würde. Sie hatte zweifelnd genickt. Ich wusste nicht, ob sie es ihm gegenüber erwähnt hatte oder nicht - doch das Bodhran hing an der Wand ihrer Blockhütte, stumm wie sein Besitzer.
    Er lächelte nach wie vor; er spielte mit Jemmy und ließ Brianna jede denkbare Aufmerksamkeit angedeihen - doch der Schatten wich nie aus seinem Blick, und wenn man ihn nicht brauchte, verschwand er stundenlang, manchmal den ganzen Tag, um in den Bergen umherzuwandern und erst nach Anbruch der Dunkelheit zurückzukehren, erschöpft, schmutzig - und stumm.
    »Er hat nicht mehr mit ihr geschlafen, oder? Seit es passiert ist?«
    Ich seufzte und strich mir eine Haarsträhne aus der Stirn.
    »Ein paar Mal. Ich habe sie gefragt. In letzter Zeit aber nicht mehr, glaube ich.«
    Brianna tat ihr Bestes, um ihn dicht bei sich zu halten, ihn den Tiefen seiner zunehmenden Depression zu entreißen - doch mir war ebenso wie Jamie bewusst, dass sie im Begriff war, ihren Kampf zu verlieren, und dass sie es wusste. Auch sie wurde immer stiller und hatte Schatten unter den Augen.
    »Wenn er... zurück ginge... könnte es Heilung für seine Stimme geben? Dort, in eurer eigenen Zeit?« Bei diesen Worten fuhr Jamie mit dem Finger über den Opal, und sein Blick folgte der Spirale, während seine Finger sie nachzeichneten.
    Ich seufzte erneut und setzte mich.
    »Ich weiß es nicht. Es gäbe Hilfe - vielleicht operativ, mit Sicherheit durch Sprachtherapie. Ich kann nicht sagen, wie hilfreich das wäre; niemand kann das. Allerdings... ist es möglich, dass er seine Stimme weitgehend allein zurückerlangt, wenn er nur daran arbeitet. Aber das wird er nicht tun. Und natürlich«, musste ich ehrlich zugeben, »ist es möglich, dass er sie nicht zurück - erlangt, ganz gleich, wie hart er arbeitet.«
    Jamie nickte schweigend. Egal, ob die Möglichkeit medizinischer Hilfe bestand oder nicht, das eine stand fest: Wenn die Ehe zwischen Roger und Brianna zerbrach, gab es nichts mehr, was ihn hier hielt. Ob er sich dann entschließen würde zurückzugehen...

    Jamie setzte sich in seinem Sessel auf und pustete die Kerze aus.
    »Noch nicht«, sagte er mit fester Stimme in der Dunkelheit. »Uns bleiben noch ein paar Wochen, bis ich Geld nach Schottland schicken muss; wir werden sehen, was sich sonst noch ergibt. Fürs Erste behalten wir die Steine.«
     
    Letzte Nacht habe ich geträumt, ich würde Brot backen. Oder zumindest habe ich versucht, Brot zu backen. Ich habe den Teig gemischt und plötzlich gemerkt, dass ich kein Mehl hatte. Dann habe ich das Brot in Formen gefüllt und es in den Ofen gestellt und plötzlich gemerkt dass es nicht aufgegangen war. Ich habe es wieder herausgeholt. Ich habe es geknetet und geknetet, und dann habe ich es in einer Schüssel unter einem Tuch herumgetragen und nach einem warmen Ort gesucht an den ich es stellen konnte, weil man es warm stellen muss, denn sonst stirbt die Hefe, und ich bin ganz hektisch geworden, weil ich keine warme Stelle finden konnte; es wehte ein kalter Wind, und die Schüssel war schwer und rutschig, und ich dachte schon, ich würde sie fallen lassen; meine Hände und Füße waren kalt und wurden langsam taub.
    Dann bin ich aufgewacht und mir war tatsächlich kalt. Roger hatte mir sämtliche Decken weggezogen und sie um sich gewickelt und unter der Tür kam ein fürchterlicher Zug

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