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Das Haupt der Welt: Historischer Roman (German Edition)

Das Haupt der Welt: Historischer Roman (German Edition)

Titel: Das Haupt der Welt: Historischer Roman (German Edition) Kostenlos Bücher Online Lesen
Autoren: Rebecca Gablé
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so ähnlich waren, und las den Scharfsinn und die Güte darin. Mit einem Gefühl, als habe ihm jemand einen Felsbrocken von den Schultern genommen, umschloss er Bruns Unterarme und küsste ihm die Stirn.
    »Gepriesen sei Gott«, murmelte der König. »Endlich hat er mir einen Bruder geschickt, auf den ich bauen kann.«
    Brun lächelte, was seinem Gesicht einen schelmischen Charme verlieh. »Dann schlage ich vor, wir gehen gleich an die Arbeit.«
    Otto nickte und führte ihn zur Tafel. »Lass mich dich mit meinen Ratgebern bekannt machen.«
    Brun hob eine Hand, die bemerkenswert kräftig und schwielig für einen Priester war, und erwiderte: »Nicht nötig. Kanzler Poppo. Kämmerer Hadald. Der ehrwürdige Bischof Bernhard von Halberstadt.« Er verneigte sich vor jedem Einzelnen, knapp, aber höflich. »Graf Wichmann. Und …« Er zögerte einen Moment, betrachtete den großen Mann in der Rüstung eindringlich, und dann lächelte er triumphal. »Graf Manfried von Minden.«
    Der erhob sich und erwiderte die Verbeugung. »Woher kennt Ihr mich, mein Junge?«
    »Ich habe Euch bei der Krönung des Königs in Aachen gesehen. Jemand erzählte mir, Ihr hättet bei der Schlacht von Riade drei Ungarn mit einem einzigen Streich erschlagen. Derselbe redselige Mensch erzählte mir ebenso, dass Ihr beim Krönungsbankett in angetrunkenem Zustand gesagt habet, die Krone gehöre Thankmar, nicht Otto. Im Übrigen, Graf Manfried, bin ich Vater Brun oder meinetwegen auch Prinz Brun, aber ganz gewiss nicht Euer Junge.« All das sagte er mit diesem charmanten, scheinbar so unbekümmerten Lächeln und setzte sich auf den gepolsterten Stuhl, den der König ihm gleich an seiner Seite angewiesen hatte.
    Die Männer an der Tafel starrten Brun entgeistert an. Graf Manfried war kirschrot angelaufen. »Ich … ich bitte um Vergebung, mein Vater … mein Prinz, meine ich natürlich.«
    Brun winkte ab. »Nicht nötig. Ich dachte nur, besser, wir wissen alle, wo wir stehen. Und mir ist bekannt, dass Ihr Eure Meinung über den Thronanspruch des Königs geändert habt, schon bevor Thankmar sich selbst aus dem Rennen befördert hat.« Er sah sich hoffnungsvoll um. »Gibt’s Wein?«
    Der alte Kanzler verschränkte die Hände auf dem Knauf seines Gehstocks und lachte in sich hinein. Es klang, als mahlten Felsblöcke aneinander. »Gelobt sei Jesus Christus«, sagte er. »Ich kann endlich beruhigt sterben.«
    Udo hatte sich geweigert, Tugomir und Widukind in die Halle zu lassen, bevor der König seinen Rat entließ. Vielleicht war das ganz gut so. Der Nachmittag war schon fortgeschritten, als die Tür sich endlich öffnete, und Tugomir hatte Zeit gehabt, sich zu fassen, seine Gedanken zu ordnen und Widukind zu berichten, was in Meißen geschehen war.
    In der Halle war es dämmrig. Das Nachmittagslicht hatte eine bleigraue Tönung angenommen, und vor den offenen Fenstern prasselte der Regen, um die Königspfalz zu Magdeburg wieder einmal in eine Schlammsuhle zu verwandeln.
    Otto saß allein mit einem sehr jungen Priester an der Tafel, jeder einen Becher in der Hand.
    »Prinz Tugomir, ich weiß nicht, ob du dich an meinen Bruder erinnerst?« Mit untypischer Vertraulichkeit legte der König dem Jungen die Hand auf den Arm. »Brun ist heute aus Utrecht eingetroffen. Und du errätst nie, wen er mitgebracht hat.«
    Vilema , wusste Tugomir sofort, und es war ein sonderbares Gefühl, inmitten so großer Düsternis unbändige Freude zu spüren – zumindest für einen Augenblick.
    Er nickte. »Prinz Brun.«
    »Prinz Tugomir.« Der Bruder des Königs lächelte ebenso höflich wie unverbindlich. »Und Ihr müsst unser Cousin Widukind von Herford sein?«
    »So ist es, Prinz.« Widukind wandte sich an den König. »Vergebt uns, dass wir hier so ungebeten eindringen, aber Tugomir hat Nachrichten, die Ihr sofort hören müsst, mein König.«
    Otto sah von einem zum anderen und fuhr sich dann kurz mit der Linken über das stoppelige Kinn. »Und ich Tor hatte gehofft, das Maß an schlechten Neuigkeiten sei für heute voll. Sprich, Tugomir. Und setzt euch zu uns.«
    Tugomir nahm neben Brun auf der Bank Platz. »Erinnert Ihr Euch, dass vor ein paar Jahren fünf slawische Sklaven aus Graf Geros Haushalt über die Elbe geflohen sind?«
    »Vage«, antwortete Otto und schob den Weinkrug in seine Richtung. »Es ging damals ein Gerücht, du hättest deine Finger im Spiel gehabt.«
    »Ach, wirklich?« Tugomir lächelte bitter. »Nun, wie dem auch sei. Miliduch, der Fürst der

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